Stolberg-Vicht: Gemeinschaftsausstellung: „Indie” im Europäischen Kunsthof Vicht

Stolberg-Vicht: Gemeinschaftsausstellung: „Indie” im Europäischen Kunsthof Vicht

Es war das Treffen zweier Meisterschüler von Joseph Beuys, zweier zeitgenössischer Künstler, die keine Trennungslinie zwischen Kunst und sozialem Leben ziehen, und zweier alter Bekannter und Freunde.

Daniela Flörsheim und Hartmut „Hacki” Ritzerfeld präsentieren seit dem Wochenende ihre Gemeinschaftsausstellung „Indie” im Europäischen Kunsthof in Vicht und eröffneten die Vernissage am Samstag mit der Performance einer „Fluxusaktion”. „Fluxus” versteht sich als ein elementarer Angriff auf das Kunstwerk, negiert es im herkömmlichen Sinn als bürgerlichen Fetisch und stellt die schöpferische Idee in den Vordergrund.

Den Gästen der Vernissage wurden zunächst Biokaffeebohnen aus fairem Handel gereicht - und anschließend eine Petition für den Ausstieg aus der Atomenergie. Flörsheim streute symbolisch ein wenig Salz und einige Tropfen vom Wasser des Ganges aus, bevor sie mit Ritzerfeld die eigentliche Performance startete. Unter dem Motto „Wir sitzen alle in einem Boot, und gerade deshalb sollten wir manchmal auch gegen den Strom rudern” griffen sie zu Paddeln und ruderten zu besinnlichen Klängen der Gitarre - gespielt von Flörsheims Sohn Benjamin - den Fluss der Globalisierung aufwärts.

Die Künstlerin begegnete Ritzerfeld 1971 in der Kunstakademie Düsseldorf, wo er sie mit Beuys bekanntmachte. Beide üben einen dauerhaften Einfluss auf Flörsheim aus: Fasziniert von Ritzerfelds Maltalent und seinem freien Umgang mit Farbe prägte Beuys erweiterte gedankliche Skulptur ihr eigenes Kunstkonzept. Die aktuelle Ausstellung „Indie” sieht sie weniger als Angriff auf die Globalisierung, sondern mehr als Gedankenanstoß, individuelle Handlungsweisen zu prüfen: „Ich möchte keine Systeme zu Fall bringen, sondern an jeden Einzelnen appellieren, mit seinem Handeln Mensch und Natur zu unterstützen.” Ein Beispiel sei der Kauf fair gehandelter Produkte, der es Menschen ermögliche, ihre Lebensgrundlage zu bewahren.

Diese konstruktive Perspektive findet sich in ihren Werken wieder. Flörsheim stellt eben nicht die Folgen von Umweltzerstörung, Krieg und ökonomischer Ausbeutung dar. Ihre Bilder rufen stattdessen das Besondere der Artenvielfalt in der Natur ins Bewusstsein, machen auf die unterschiedlichen Lebenstätigkeiten und -umstände von Menschen in ihren kulturellen Kontexten aufmerksam.

Die Künstlerin setzte ihr Studium vier Jahre lang in Jerusalem fort, bereiste Afrika, Indien und Lateinamerika. So konnte sie die Eindrücke und Erfahrungen, die sie in ihren Bildern ausdrucksstark transportiert, selbst sammeln.

Teile der Sammlung von Daniela Flörsheim sowie ausgewählte Werke von Hacky Ritzerfeld sind bis Donnerstag, 19. Mai, samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr im Europäischen Kunsthof in Vicht zu sehen.