Gehlens Kull: Gehölz-Arbeiten retten Eidechsen und Kröten

Naturschutzgebiet Gehlens Kull : Gehölzmaßnahmen retten Eidechsen und Kröten

Im Naherholungsgebiet Gehlens Kull stehen Anfang Februar umfangreiche Arbeiten an den Steilwänden an. Sie sind nötig, um den Lebensraum von Mauereidechse und Geburtshelferkröte zu schützen und langfristig zu erhalten. Durchgeführt werden sie von der Biologischen Station der Städteregion.

Diese weist auf die Notwendigkeit der Maßnahmen hin, denn sowohl die Reptilien- als auch die Amphibienart ist vom Aussterben bedroht. Beiden ist gemein, dass sie auf sonnenbeschienenen Felsen und Steinansammlungen leben. „Die stehengebliebenen Steilwände des ehemaligen Kalksteinbruches sind deshalb ein idealer Lebensraum“, heißt es vonseiten der Biologischen Station. Durch die Arbeiten werden Bäume und Sträucher von den Felsen entfernt, zurzeit sind diese hinter dem Gestrüpp kaum sichtbar, geschweige denn werden sie von der Sonne gewärmt.

Durch den ungehinderten Aufwuchs der Gehölze drohe der Lebensraum der wärmebedürftigen Arten langfristig verloren zu gehen. „Die Tiere finden zwischen den Steinansammlungen gute Versteckmöglichkeiten, die Geburtshelferkröten können außerdem im nahe gelegenen Teich ihre Larven absetzen“, erklärt Bettina Krebs von der Biologischen Station. Das ist jedoch nicht mehr selbstverständlich: Beide Arten gelten als gefährdet.

Die Mauereidechse lebt nur sehr selten in der Städteregion. „Neben dem Vorkommen in Stolberg in Gehlens Kull und rund um die Burg gibt es nur noch zwei weitere, sehr kleine Vorkommen in der Eifel“, klagt Krebs. Auch bei der Geburtshelferkröte sieht die Situation nicht viel besser aus. Es gebe zwar 15 Vorkommen, diese seien aber recht klein und in einem schlechten Zustand.

Die Lebensräume in der Kupferstadt sind vom Menschen geschaffen: „Durch den Abbau des Kalkes in zahlreichen Steinbrüchen auf Stolberger Gebiet haben sich diese Räume ergeben“, erklärt Krebs. Von Natur aus komme die Art in Nordrhein-Westfalen nur in Auen von Mittelgebirgsbächen vor. Demnach sei es wichtig, die Lebensräume in der Kupferstadt zu schützen. Ziel sei es, die Vorkommen insgesamt zu stärken und nach Möglichkeit zu vernetzen, heißt es weiter.

Spezial-Bagger im Einsatz

Für die Arbeiten wird schweres Gerät benötigt. Ein regionales Forstunternehmen wird die Felsen mithilfe eines Spezial-Baggers von Gehölzen samt Wurzel befreien. Die Stämme und Äste werden vor Ort zerkleinert und anschließend in einem Heizkraftwerk weiter verwertet. „Die Maßnahme wird zum Schutz von Brutvögeln in den Wintermonaten durchgeführt“, sagt Bettina Krebs. Nachteil der Arbeiten in dieser Zeit sei allerdings der lehmige Boden. Fahrspuren ließen sich bei feuchter Witterung nicht vermeiden.

Umso besser wäre es, wenn die aktuell niedrigen Temperaturen noch etwas anhalten. „Frost ist gut, dann wird der Boden nicht so schlimm kaputt gemacht“, betont Krebs. Je nach Beschädigung werden unter Mitleidenschaft gezogene Flächen aber wieder eingesät. „So ist im Frühjahr wieder Gras über die Sache gewachsen“, beruhigt sie.

Die Kosten für die Gehölzmaßnahme belaufen sich auf mehrere Tausend Euro. Finanzielle Unterstützung gibt es von der HIT-Umweltstiftung und dem Arbeitskreis Naturschutz aus Stolberg. Krebs berichtet: „Die genauen Kosten sind noch nicht absehbar, aber unser Budget sind 4000 Euro.“

Verstecktes Naherholungsgebiet

Die Arbeiten sind ein Schritt zur Erhaltung der Artenvielfalt in Gehlens Kull. Sie ist einer der zahlreichen Gründe, warum Werner Meuthen das Naherholungsgebiet so schön findet. Unter anderem hat er dort schon Füchse, Blindschleichen, allerhand Vögel, Schildkröten und sogar eine Ringelnatter gesichtet. Im Sommer könne man jeden Tag verschiedene Tiere sehen, erzählt der 81-Jährige, der sich seit vielen Jahren um das Gelände hinter der Burg kümmert.

Abgesehen von der Koordination der anfallenden Arbeiten geht er zum Beispiel jeden Tag zur Vogelfutterstation, um die Tiere im kalten Winter mit Nahrung zu versorgen. Aber nicht nur die Vögel, Insekten und Reptilien haben es ihm angetan, die Pflanzenwelt ist mindestens genauso vielfältig. „Zur Frühlingszeit gibt es einen Blumenreichtum, in der Herbstzeit werden die Früchte geerntet“, erzählt er.

Werner Meuthen füttert täglich die Vögel, um auch diese Art in Gehlens Kull zu halten. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Trotz der tollen Entwicklung in den letzten rund dreieinhalb Jahren sei im früheren Steinbruch noch einiges zu tun. Die Wegeinstandhaltung, das Streichen der Geländer und Reparaturen am ehemaligen Ofen sind nur einige der Dinge, die Meuthen noch geplant hat. Er ist froh über die immer größere Bekanntheit, die das Naherholungsgebiet genießt, denn selbst viele Stolberger wussten von der versteckten Anlage lange Zeit nichts. „Dabei ist sie ein Ort, wo man träumen und sich in die Stille der Natur zurückziehen kann“, schwärmt Meuthen.

Damit das weiterhin auch für die zahlreichen Tiere gilt, müssen die Arbeiten an den Steilwänden durchgeführt werden. Ab dem Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen sich durch die Wolken kämpfen, können dann Mensch und Tier wieder die Wärme in Gehlens Kull genießen.