Stolberg: Gegen das Vergessen: Ausstellung zum Schicksal der Roma

Stolberg : Gegen das Vergessen: Ausstellung zum Schicksal der Roma

Vor 75 Jahren sind 37 Stolberger verschleppt worden. Sie wurden von den Nazis in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Aus dem einzigen Grund, dass sie der Ethnie der Roma angehörten. Das absolut Ungeheuerliche daran ist zudem, dass 20 von ihnen Kinder und Jugendliche waren.

Das jüngste Opfer war Gustav Wassilkowitsch, der keine zwei Jahre alt wurde. Nach ihm ist der Vorplatz des Stolberger Hauptbahnhofs benannt, von dem aus 1943 die Fahrt in den Tod für die Stolberger Roma begann.

Ohne ausreichende Kleidung und Nahrung sollte diese Fahrt fünf Tage lang dauern. Völlig erschöpft, hungrig, durstig und verängstigt kamen die 37 Kinder, Jugendliche und Erwachsenen am 7. März 1943 in Auschwitz an. Im August 1944 waren sie alle tot. Sie wurden in der Gaskammer ermordet oder durch Experimente und absichtlich herbeigeführte Infektionen umgebracht.

Am Mahnmal am Gustav-Wassilkowitsch-Platz gedenken Stolberger normalerweise am 2. März auf Einladung der Gruppe Z der Opfer. Aber aufgrund der Bauarbeiten an der Rhenaniastraße ist die Gedenkveranstaltung „Ma Bistar! Vergiss nicht“ auf den 2. August verschoben worden. Dennoch wird in diesen Tagen an die Gräueltaten der Nazis erinnert, und die Opfer bekommen Gesichter, denn die Volkshochschule Stolberg bietet eine Ausstellung in der Stadtbücherei an. Die „Gruppe Z — Zukunft ohne Fremdenhass, Faschismus und Krieg; gegen das Vergessen“ — zeigt in dieser die letzten Jahre der 37 Stolberger, die sie in Angst und Schrecken verbrachten, authentisch aus der Sicht der Roma-Kinder.

Kinder, die an der heutigen Eschweilerstraße spielten, während die Eltern und Jugendlichen bei Stolberger Firmen wie Vegla, Dalli oder Prym arbeiteten, nachdem die Familien zur Aufgabe ihres Wanderzirkus‘ gezwungen worden waren. Kinder, die von Klassenkameraden und Nachbarskindern drangsaliert wurden, nachdem seit 1938 erste reichsweite Verhaftungen und Verschleppungen von Sinti und Roma erfolgt waren. Sämtliche Stolberger Roma wurden im Jahr 1940 erfasst, untersucht, gemessen und fotografiert. Sogenannte Rassengutachten wurden erstellt. So ahnten die 17 erwachsenen Stolberger Roma, was auf sie zukommen könnte, und fürchteten um ihre Kinder.

Die Gruppe Z erinnert in der Ausstellung mit Hilfe von Fakten und Berichten von Zeitzeugen, die früher in der Nähe der Stolberger Roma gewohnt haben, an das unbegreifliche Schicksal dieser Menschen. Und die Ausstellung in der Stadtbücherei widmet sich auch der heutigen Situation der Roma in Europa. Etwa in dem sogenannten sicheren Drittland Mazedonien, wo Roma keinerlei Möglichkeit haben zu arbeiten. Faktisch ohne Einkommen, müssen aber nicht nur Lebensmittel, die dort teilweise teurer sind als in Deutschland, bezahlt werden, sondern auch ärztliche Behandlungen und Medikamente, die somit für Roma unerschwinglich sind.

Von Arbeits- und damit Einkommensmöglichkeiten ausgeschlossen sind Roma auch in Rumänien. In dem Land, das seit 2007 der Europäischen Union angehört, herrschen außerdem menschenunwürdige Wohnsituationen für Roma, berichtet die Gruppe Z. Sie werden aus Städten und Gemeinden — die Kinder auch aus Schulen — ausgegrenzt und sind immer wieder Opfer von offenem Rassismus und auch von lebensbedrohlicher Gewalt.

(dim)
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