Stolberg/Eilendorf: Geflügelzucht: Vorzeigeverein meldet stetigen Zuwachs

Stolberg/Eilendorf : Geflügelzucht: Vorzeigeverein meldet stetigen Zuwachs

110 Jahre ist er alt, in all der Zeit kam er mit nur drei Vorsitzenden aus, ein stetiger Mitglieder-Boom hält an: Der Geflügelzuchtverein Eilendorf (GZV) ist ein „Aushängeschild“ in Aachen und der ganzen Umgebung.

Da lachen wahrlich die Hühner, ob so viel Freude über positive Resonanz und steigende Mitgliederzahlen. Drei Vorsitzende in 110 Jahren ist wahrlich eine Seltenheit. Im Gründungsjahr 1907 bis 1934 stand Matthias Kind dem Verein vor, ihm folgte bis 1979 Heinrich Lauter, ehe sein Sohn Leo Lauter die Führung übernahm und bis heute dem Verein seinen Stempel aufdrückt und von Jahr zu Jahr weiter nach vorne bringt.

Eine spannende Sache: „Hühnerhebamme“ Sandra Lanzrath sorgt an der Brutmaschine für Nachwuchs, der aus den befruchteten Eiern schlüpft. Foto: Günther Sander

Seit 48 Jahren aktiv

Im Februar wurde der sympathische Vereinsboss (81 Jahre) für weitere zwei Jahre in seinem Amt bestätigt. Hans Krings ist bereits seit 48 Jahren als Kassierer aktiv. Wie kommt es, dass der Eilendorfer Geflügelzuchtverein auf einer Erfolgswelle schwebt? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Generationen? Wie ist der anhaltende Mitgliederzuwachs zu erklären?

Antworten auf derartige Fragen geben GZV-Boss Leo Lauter und Schriftführerin Sandra Lanzrath, die außerdem als Vereins-Brutmeisterin „ihren Mann steht.“ „Die älteren Mitglieder gehen ohne Scheu auf junge Leute zu. Besonders bei unseren Ausstellungen“, so Sandra Lanzrath. Sie und ihr Mann wurden vor zehn Jahren auf einer Lokalschau von Leo und Marianne Lauter angesprochen. „Wir waren begeistert, für uns stand fest, da machen wir mit.“

Der Verein habe mit Stefan Senster wieder einen Jugendleiter, am 16. September wird in Eilendorf eine Landesjugendförderschau stattfinden. Die Mitgliederstatistik beleuchtet Leo Lauter, derzeit sind rund 70 aktive Züchter tätig. Lauter und Lanzrath bilanzieren, dass von ursprünglich zwölf Vereinen im Kreisverband nur noch sechs existieren, drei richten nur Ausstellungen aus.

Anders die Situation in Eilendorf: In 2016 und 2017 rekrutierten sich über 20 „Neue“ beim GZV. Mittlerweile ist die Zahl dreistellig, rund 70 Mitglieder züchten Rassegeflügel, überwiegend aus Aachen, viele aus Stolberg, aber selbst aus Eschweiler, Roetgen, Monschau, Simmerath, Korschenbroich und aus dem niederländischen Eys. Stolz wird berichtet, dass der Geflügelzuchtverein Eilendorf derzeit der größte, erfolgreichste, bekannteste Geflügelzuchtverein der Umgebung ist.

Lanzrath setzt auf eine erfolgreiche und moderne Öffentlichkeitsarbeit. Die Schriftführerin lobt weiter: „Wir richten die größte Lokalschau in der Region aus, haben mit Leo Lauter einen Sympathieträger an der Spitze, der dem Verein ein freundliches Gesicht verleiht.“

Was hat der Geflügelzuchtverein Eilendorf, was andere Vereine nicht haben? „Die Liebe zum Tier, die Gemeinschaft und der Erhalt eines alten Kulturguts stehen bei uns im Vordergrund. Das spüren die Mitglieder und Besucher deutlich“, betont Lanzrath. Hinzu geselle sich ein großes „Schwarmwissen“ der Mitglieder, das diese untereinander austauschen können. Wodurch sie jeweils vom anderen Mitglied profitieren können.

Die Eilendorfer halten nichts von Verlosungen bei ihren Veranstaltungen. „Wir setzen auf unsere Tiere, damit erreichen wir auch ein anderes Publikum“, meint Lanzrath. Dann erläutert die Vereinsbrutmeisterin Einzelheiten ihrer züchterischen Aufgaben. Bei ihr daheim steht die Vereinsbrutmaschine, Züchter, die keine eigene besitzen, vertrauen ihr befruchtete Eier an, können drei Wochen später geschlüpfte Küken abholen.

Durchleuchten

Lanzrath schiert (durchleuchtet) die Eier (ist eine spannende Sache, ein wichtiger Aspekt für den Bruterfolg), stellt die Befruchtungsrate fest, betreut den Schlupf und übernimmt die Erstversorgung der Küken. Sie sei vielleicht so etwas wie eine „Hühnerhebamme“, lacht sie. Ihr Vorgänger habe diese Arbeit fast 40 Jahre lang ausgeübt.

Beim Besuch einer Ausstellung auf den Geschmack gekommen, kaufte sie sich vier Zwerg-Barnevelder, die sie im Garten hielt. „Ich interessierte mich, was ich fachlich zu tun habe, eignete mir Züchterwissen an.“

Vor fünf Jahren wollte sie Lauter eine Freude bereiten. Sie holte mit ihren Zwerg-Orpington eine Rasse in den Verein, die noch niemand hatte. „Damit gewann ich bei unserer Ausstellung einen hohen Preis.“ Sie habe begriffen, dass es aus kulturellen Gründen wichtig sei, die Rassevielfalt des Geflügels zu bewahren.

Auf Leistung gezüchtet

Legehybride oder Masthybride sind in ihren Augen „keine schönen Hühner.“ Dass sie aus wirtschaftlichen Gründen auf Leistung gezüchtet werden, „tut mir sehr leid.“

Ende Oktober richtet der GZV im Jugendheim, Stolberg-Münsterbusch, die 17. Westdeutsche Grenzschau und 87. Kreisschau aus. Leo Lauter erwartet dann bis zu 600 Tiere, die präsentiert werden sollen.

Im Sommer nimmt der Verein wieder beim Bürgerfest in Eilendorf teil, um Anreize auf die Hühnerzucht zu geben.

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