Burg-Restaurant: Gastronomie: Drei unterschiedliche Bewerber mit neuen Konzepten

Burg-Restaurant : Gastronomie: Drei unterschiedliche Bewerber mit neuen Konzepten

Es lädt ein als Inhaber in geschwungenen roten Buchstaben: Bettina Austinat. Dabei ist sie seit 2011 nicht mehr Pächterin der Burggastronomie. Seit sieben Jahren schwingt Monika Lück als Burgfräulein das gastronomische Zepter im Stolberger Wahrzeichen — eine Ära, die Silvester zu Ende gehen wird.

Wer nachfolgt, entscheidet sich am Dienstag im nicht öffentlichen Teil der Sitzung des Stadtrates. Dort präsentieren drei Bewerber ihre Konzepte; dann fällt die Entscheidung.

Fast so wie 2011, als Austinat um eine vorzeitige Beendigung des Pachtvertrages gebeten hat, weil sie die Gastronomie hat nicht wirtschaftlich führen können. Wegen der Finanzen haben auch die Vorgänger das Zepter aus der Hand gelegt: beginnend 2003 Marko Markovic der als erster überhaupt den Weg zur Gastronomie — vom Hotelrestaurant „Burgkeller“ aus — geebnet hatte.

Es folgten Guido Bodewig (2004), Reiner Thomas (2005), Gamal „Giovanni“ Attia (Vertrag 15. Mai, Eröffnung September 2006, Kündigung März 2007), und zum 1. April 2007 sprang nahtlos Bettina Austinat mit einem Fünfjahresvertrag ein.

Als sie nach vier Jahren das Handtuch schmeißen musste, sondierte der damalige Bürgermeister Ferdi Gatzweiler die Lage. Der schien schnell eine Lösung parat zu haben. Als die Zustimmung des Hauptausschusses zu Monika Lück eine Woche vor der Sitzung als reine Formalität vermeldet wurde, meldete sich Thomas Voncken von „Gut Kranen­sterz“ zu Wort und erinnerte daran, dass auch er sein Interesse bekundet habe. Nach diesem „Kommunikationsproblem“ kam es dann zu einer Sondersitzung des Hautpausschusses, damit die Vergabe „transparent und nachvollziehbar“ sowie ohne Fraktionszwang vonstatten gehe. Lück und Voncken präsentierten am 29. November 2011 ihre Konzepte. Wenige Minuten später war die Entscheidung einstimmig zugunsten Lücks gefallen.

Sieben Jahre später hat Lücks City Hotel GbR den mehrfach modifizierten und mit zusätzlichen Sonderkündigungsklauseln versehen Vertrag über die Gastronomie der Burg — mit Datum vom 29. März 2018 fristgerecht zum Ende des ersten Quartals und mit Wirkung Jahresende — gekündigt. Dann endet auch der subventionierende Hausmeistervertrag für die Burg mit der Stadt. Anlass ist letztlich ein Dissens zwischen der Gesellschafterin und Bürgermeister Tim Grüttemeier über Parkplätze.

Am 15. Mai beschließen Hauptausschuss und Rat, die Burggastronomie mit der Möglichkeit des Einstiegs in den Hausmeistervertrag neu auszuschreiben. Von dem neuen Pächter erwartet die Stadt ein aussagekräftiges Nutzungskonzept, das die Burg über die rein gastronomische Nutzung hinaus als Gesamtobjekt betrachtet und geeignet ist, die touristischen Aktivitäten der Stadt rund um Burg und Altstadt zu unterstützen und zu ergänzen. Ganz bewusst wird der Ausschreibung das touristische Burgkonzept beigefügt. Die Frist zur Bewerbung inklusive Nutzungskonzept, Referenzen, Businessplan und Aussagen zum Entwurf des Pachtvertrages endet zum 1. August. Sollte es mehr als drei Bewerbungen geben, sollte eine interfraktionelle Arbeitsgruppe eine Vorauswahl treffen, wer sich vorstellen darf.

Die drei Bewerbungen

Die Kommission musste nicht tagen, obwohl das Exposé auf großes Interesse stieß: Es wurde mehr als 700 Mal aufgerufen. Fünf Interessenten nahmen Kontakt mit der Stadt auf, vier Besichtigungen wurden durchgeführt. Zwei Bewerber zogen sich aus persönlichen Gründen zurück bzw. weil das Objekt für ihre Pläne nicht geeignet ist. Das Ergebnis sind drei Bewerbungen wie sie unterschiedlicher in Umfang und Inhalt kaum sein können.

Die Ritterschaft des „Veytaler e.V.“ ist den Stolbergern bekannt von Stadtfesten und dem mittelalterlichen Leben auf der Eyneburg in Hergenrath, die seit Jahren zum Verkauf steht. In eine mittelalterliche Welt will der Verein bei einer Übernahme der Gastronomie auch die Stolberger Burg verwandeln. Finanziert werden soll das Projekt aus Mitgliedsbeiträgen sowie Einnahmen aus Anteilnahme der Bürger und Sponsoren.

Die Aachener Kasino Kantinen Betriebs GmbH von Serkan Sistermanns ist den Stolbergern bekannt seit 2015 aus der Gastronomie des Zinkhütter Hofes sowie als Betreiber von Kantinen großer Unternehmen in der Region und als Caterer unzähliger Veranstaltungen. Aufgrund seiner Berufserfahrungen möchte Sistermanns die gastronomische Nutzung der Burg erweitern und etablieren in Verbindung mit eigenen, städtischen und anderweitigen Aktivitäten.

Als „Wahrzeichen, Erlebnisort und Begegnungsstätte im Alltag“ präsentiert Christina Bungenberg ihr Konzept. das eng auf das touristische Konzept der Burg eingeht. Die Sport- und Fitnesskauffrau mit Erfahrung in Gastronomie und Eventmanagement ist derzeit Mitarbeiterin der Stolberg-Touristik.

Koalitionszwang aufgehoben

Sie möchte die etablierte Nutzung der Burg fortführen und ungenutzte Potenziale aufgreifen. Bungenberg legt transparent Berater, Partner und Teammitglieder sowie Businessplan bei diesem Vorhaben offen und beschreibt dezidiert Pläne, Nutzungsarten, Zielgruppen und Marketing für die Burg.

Ausschlaggebend für die Entscheidung soll jedoch die heutige Vorstellung der drei Bewerber im Stadtrat sein. Die große Koalition verzichtet darauf, eine Marschrichtung vorzugeben, sondern ermöglicht ihren Fraktionsmitgliedern eine persönliche Abstimmung.

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