Sammlung des Arbeitskreises Geschichte Mausbach: Fünf-Dörfer-Archiv auf Reisen

Sammlung des Arbeitskreises Geschichte Mausbach : Fünf-Dörfer-Archiv auf Reisen

Der Verein Arbeitskreis Geschichte Mausbach (AMG) möchte mit der seit über zehn Jahren bestehenden Sammlung nicht nur die Mausbacher informieren.

Bereits eine halbe Stunde nach Anfang der Reise füllt das erste neue Vereinsmitglied die Beitrittserklärung für den Arbeitskreis Geschichte Mausbach aus. Vorsitzender Stephan Kreutz ist zufrieden, denn genau das sei das Ziel: Mehr Menschen für die Heimatpflege und -kunde zu begeistern und das nicht nur jeden ersten Mittwoch, wenn sich die Mitglieder des Fünf-Dörfer-Archivs der Alt-Gemeinde Gressenich, die bis 1971 aus Gressenich, Mausbach, Schevenhütte, Vicht und Werth bestand, im Keller des Pfarrheims St. Markus in Mausbach treffen.

Deswegen befindet sich das Fünf-Dörfer-Archiv mit der seit mehr als zehn Jahren bestehenden Sammlung seit vergangenen Sonntag auf Reisen: Den Anfang machte der Verein im Café-Bistro „Op de Hött“ im Hotel Wehebacher Hof in Schevenhütte. „Im Laufe des Jahres wollen wir dann auch noch die anderen Dörfer besuchen und zeigen, dass wir uns nicht nur um Mausbach kümmern“, sagt Stephan Kreutz, während auf einem Bildschirm alte Filmaufnahmen aus den Dörfern laufen. Die zweite Reise sei für Mai angedacht.

Als das „Gedächtnis des Ortes“ bezeichnet der Vereinsvorsitzende das Archiv: „Wir lassen die Sachen nicht in den Schränken verstauben, sondern sind ein Archiv zum Anfassen“, sagt Stephan Kreutz. Die „Sachen zum Anfassen“ sind Urkunden, Plakate, Broschüren, Zeitungsartikel, Tagebücher, Fotos, Videos, Postkarten, Meisterbriefe, Firmen- und Vereinsinsignien, Kunstobjekte, Liedtexte, Büttenreden, Karnevalsorden, Vereinsunterlagen, Kaffeelot, Werkzeuge, Luftgewehrkugeln, die in Gressenich hergestellt wurden, und Bücher über Familien, Industrie, Kunst und Kultur sowie das Vereinsleben. „Wir haben sogar Filmaufnahmen vom Rosenmontagszug 1938 in Mausbach“, sagt Stephan Kreutz stolz.

Alles, was auf den ersten Blick vielleicht nicht archivwürdig erscheine, aber die Geschichte des Ortes verdeutliche, werde gesammelt. Das geschieht mit Hilfe der Bewohner, die alte Familienalben und Unterlagen zur Verfügung stellen. „Wir haben Familienfotos, die die Menschen selbst nicht mal haben, zu uns kommen und dann überrascht feststellen, dass sie ihre eigene Oma auf Fotos entdecken“, beschreibt Stephan Kreutz schmunzelnd die Genealogie, die mit mehr als 100.000 Fotos bis ins 15. Jahrhundert reicht.

Digitaler Katalog

Der AMG besteht seit 1978, 2016 wurde er als Verein eingetragen. Aktuell umfasst der Verein fast 75 Mitglieder im Alter von Mitte 40 bis 60. In dem Archiv im Keller des Pfarrheims St. Markus gibt es Stahlschränke mit Aktenordnern und Büchern, Vitrinen für die Gegenstände und eine Leinwand, um Foto und Filmaufnahmen zu zeigen. Weil der Platz jedoch nicht ausreicht, soll so viel wie möglich digital festgehalten werden, und zwar seit 2017 mit Hilfe eines digitalen Katalogs, der aktuell 3672 Suchergebnisse von Fotos und Gegenständen umfasst.

Wer Forschungsbedarf hat, kann das Archiv besuchen und den Katalog nutzen. „Außerdem wollen wir in Zukunft in Schulen gehen und den Katalog vorstellen, damit die Schüler diesen für Facharbeiten nutzen können“, sagt der 27-jährige Stephan Kreutz, der Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert.

Außerdem solle in Zukunft die Familie der Mausbacher Talha und Filiz Aydin, die seit vier Jahren das Café-Bistro betreiben, in die Bücher aufgenommen werden: „Damit wollen wir Stück für Stück auch Integrationsgeschichte aufarbeiten“, sagt Vereinsmitglied Michael Kreutz. Denn Historiker und Forscher würden sich auf die Sammlung von Archiven verlassen: „Weil Zeitzeugen aussterben, ist es umso wichtiger, diese Dinge zu erfassen, weil sie sonst einfach verloren gehen“, betont Stephan Kreutz.