Frühschoppen für Eisenbahnfreunde

Stillgelegte Strecken im Referat : Frühschoppen für Eisenbahnfreunde

Beim „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ im Foyer des Hauptbahnhofes wurden jetzt die lange schon stillgelegten Verbindungen von Gerolstein über Prüm nach Pronsfeld und weiter nach Bleialf, Waxweiler und Neuerburg noch einmal vorgestellt.

Wenn irgendwo schon lange keine Schienen mehr auf den Schwellen liegen oder längst Gras über allem wächst – Roland Keller macht das nichts aus. Denn wenn der Eisenbahn-Experte vom Donnerberg zum Vortrag ansetzt, ist alles wieder wie am ersten Tag. Gleise, Loks, Waggons und Anlagen: Der Stolberger bläst in seinen Referaten die Staubschichten der Vergangenheit im Nu von längst versunkenen Bahnstrecken. Da kann den Kenner nicht einmal die schwarze Tiefe der Eifel schrecken: Jüngst stellte er bei dem von ihm initiierten „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ im Foyer des Hauptbahnhofes die lange schon stillgelegten Verbindungen von Gerolstein über Prüm nach Pronsfeld und weiter nach Bleialf, Waxweiler und Neuerburg vor. Arzfeld, Gondelsheim und Pittenbach: Namen von Dörfern in diesem Teil der südwestlichen Eifel klingen wie Musik, wenn Roland Keller sie ausspricht. Was weniger mit ihm zu tun hat als mit den Geschichten, die er im Folgenden erzählt. Denn der Kupferstädter kennt die so genannte Westeifelbahn nicht erst seit gestern. Er hat ihr Sterben über Jahre begleitet. Wie ein guter Journalist ist Keller immer dicht an seinem Thema dran. Und wenn er loslegt, kann er viel über den Gang der Geschichte in den einsamen Täler erzählen – nicht nur in Worten, sondern auch und vor allem in Bildern. Dann liegt Prüm im Grunde nicht mehr so weit weg von Stolberg, und es rumpeln wieder Schienenbusse und Dieselloks der Reihe V 100 über die Schienen – Sonderzüge mit und ohne Dampf mit inbegriffen. Aber Roland Keller gräbt tiefer: Eine Kopie aus dem Gesetzesblatt der Kaiserzeit gehörte ebenso zum Programm seines aktuellen Vortrags wie eine Streckenkarte der Deutschen Reichsbahn von 1939. und da haben dann Prüm und seine Umgebung doch etwas mit Aachen und Stolberg zu tun: Das Projekt Westeifelbahn wurde als zuführende Strecke in Richtung Vennbahn von politisch interessierten Kräften angeschoben. Viele Fakten, viele Dokumente – doch es gab noch mehr Stoff für solide gesponnene Erinnerungen. Keller ist die stillgelegten Strecken noch einmal abgefahren und hat dokumentiert, was aus den außer Gebrauch gesetzten Bahnhofsgeländen und -gebäuden geworden ist. Ein Empfehlung gab es auch: einen Besuch im Bahnmuseum von Pronsfeld, wo unter freiem Himmel neben einer kleinen Diesellok Waggons, Signale und andere Accessoires des Schienenverkehrs aufgestellt worden sind, einen Katzensprung entfernt von der Autobahn A60.

(chh)
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