Friedhofskonzept: Freie Grabflure werden zu Park

Allerheiligen : Freie Grabflure werden zu einem Park

Mit einem geringeren Pflegeaufwand für die Friedhöfe will die Stadt Stolberg Kosten sparen. Das neue Friedhofkonzept zeigt bereits erste Erfolge.

Der November gilt als Monat der Besinnung und des Gedenkens. Heute mit Allerheiligen, morgen mit Allerseelen, zum Volkstrauertag und Totensonntag zieht es viele Stolberger auf die Friedhöfe, um ihrer Angehörigen besonders zu gedenken.

16 öffentliche Friedhöfe in allen  Ortsteilen leistet sich die Stadt, weil es ihre Bürger bisher so wollen. Das ist eine kostspielige Angelegenheit. Auf rund 1,6 Millionen Euro summiert sich jährlich der Aufwand. „Aber ein großer Teil davon sind Abschreibungen und andere kalkulatorische Kosten“, schränkt Georg Paulus ein, dass die tatsächliche Unterhaltung deutlich günstiger sei. Zudem ist bereits ein 17-prozentiger Anteil für die öffentliche Parkfunktion der Friedhöfe berücksichtigt, sagt der Leiter des Technischen Betriebsamtes (TBA). Dennoch werden die Friedhofsgebühren mit rund einer halben Million Euro alljährlich subventioniert, um die Bestattungskosten für die Bürger einigermaßen erträglich zu halten.

2013 hat der Stadtrat sie etwa auf dem Stand von 2010 eingefroren, um dem Bestattungstourismus zu begegnen: Immer mehr Stolberger suchten preiswertere Bestattungen in anderen Kommunen; in der Konsequenz stieg hier der Kostenaufwand. Das Konzept geht auf. Einnahmen und Fallzahlen entwickeln sich wieder proportional.

Gleichwohl ist Tobias Röhm darauf bedacht, den Kostenaufwand für die Pflege der Friedhöfe weiter zu minimieren. Im vergangenen Jahr verabschiedete der Rat ein Konzept des Beigeordneten: Im Zusammenhang liegende, frei werdende Grabflächen werden in pflegeextensive Parkbereiche umgewandelt. „Genaue Zahlen gibt es noch nicht“, sagt Paulus. Es ist bei Nutzungsrechten von bis zu 30 Jahren ein langfristiger Prozess. Aber auf ersten Friedhöfen kann man den Erfolg schon wahrnehmen. So kann in Münsterbusch ein Teil des Friedhofes am Pfarrer-Scheidt-Weg bereits in das „Trittsteine“-Konzept eingebunden werden: die Vernetzung innerörtlicher Grünanlagen. Dabei spielt eine gesellschaftliche Entwicklung dem TBA-Chef in die Hand. „Der Trend geht zu pflegeleichten Reihengräbern“, sagt Paulus. Allen voran zu Urnengräbern. Sie machen bereits fast 90 Prozent  der Bestattungen aus.

Ein klassisches Urnengrab benötigt bereits weniger Platz; die amerikanische Variante kommt mit einer schmalen Platte für den Nameszug auf einem gemeinsamen Bestattungsfeld aus – der Renner unter den Urnengräbern. Noch weniger nachgefragt ist eine ganz neue Bestattungsform, die in Stolberg zunächst in Breinig angeboten wird. Die Beisetzung der Urne in einen Friedgarten, wo auf einer Stele die Namen der Verstorbenen verzeichnet werden.

Erdbestattungen in Wahlgräbern – sie heißen so, weil man sich sein Grab wirklich aussuchen kann – sind mittlerweile eine Seltenheit: Sie summieren sich auf rund 25 Beisetzungen bei rund 460 Bestattungen im Jahr. Ein Reihengrab wird ein Dutzend Mal nachgefragt.

Seit Jahren bemüht sich die Friedhofsverwaltung diesem Trend gerecht zu werden, und Grabstätten zu konzentrieren. Mit dem neuen Konzept erfolgt das TBA nun konsequent, ganze Flurbereiche eines Friedhofes aus der Nutzung aus dem Bestattungsgeschäft zu nehmen. Angesichts der Ruhezeiten ist das eine perspektivische Arbeit, die Röhm und Paulus noch nicht mit Zahlen belegen können.

Aber prägnant sichtbar wird die Praxis neben Münsterbusch auch auf dem alten Teil des Atscher Friedhofes, wo entlang der Hammstraße großräumig Grabfelder frei geworden sind bzw. absehbar frei werden. Aber auch an der Bergstraße fallen immer mehr Wahlgräber entlang des Hauptweges aus der Nutzung ebenso wie das Umfeld der angrenzenden Jugendberufshilfe immer mehr zu einer Parklandschaft wird. In den kommenden zwei Jahren will das TBA sich besonders der Wege annehmen, 500.000 Euro sind dazu für den Haushalt angemeldet.