Stolberg: Frauen haben noch immer schlechtere Karten

Stolberg: Frauen haben noch immer schlechtere Karten

In Stolberg wird es dieses Jahr international: Am Weltfrauentag am 8. März gibt es ein buntes Programm, dass sich ausdrücklich sowohl an deutsche Frauen und an Frauen mit Migrationshintergrund richtet.

Gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Frauen und Mädchen im Kultur- und Generationenhaus Kugel e.V. hat Susanne Goldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, den Tag organisiert. Auch die Frauenabteilungen der Moscheen DITIB e. V., IBV e. V., UETD und dem Islamisch-Albanisches Kulturzentrum sind mit an Bord und sorgen für das leibliche Wohl der Besucher. Rund 400 Interessierte erwartet Susanne Goldmann an dem Tag.

„Frauen haben überall auf der Welt schlechtere Karten“, sagt Goldmann. Von ihnen werde gefordert, dass sie problemlos Job, Haushalt und Kinder unter einen Hut brächten. „Die Anerkennung dafür bleibt aber oft einfach aus.“ Nach wie vor seien Frauen gegenüber Männern nicht gleichgestellt. Dennoch spüre sie auch eine Aufbruchsstimmung, so Goldmann. „Frauen in vielen Ländern werden immer selbstbewusster.“ Das sei von Religion und ethnischem Hintergrund vollkommen unabhängig. „Unsere Vorträge und Programmpunkte richten sich demnach an alle Frauen.“ Angeboten werden unter anderem Vorträge zur Existenzgründung, aber auch zum Thema Pflege, Anerkennung der Frau in der Geschichte der Religion, Wiedereinstieg in den Beruf oder zur Steuererklärung.

Im Tagesprogramm gibt es außerdem gemeinsames Zumba-Tanzen vor dem Rathaus, Stände, an denen gemalt oder gefilzt werden kann und zwei Modenschauen für Frauen mit und ohne Kopftuch. Außerdem werden internationale Kurzfilme gezeigt. Darunter ist auch der niederländische Dokumentarfilm „Jamila“ der Regisseurin Ingeborg Jansen über ein 16-jähriges Mädchen, die ein Fußballtalent ist. Sie ist Muslimin und muss ihre Rollen als Fußballerin und ihre Religion in Einklang bringen. Auch für die Verpflegung ist gesorgt.

Kinder können gern mitgebracht werden, auch für sie gibt es kostenlose Betreuung und Programm: Für sie gibt es Kinderschminken und Figurentheater. „Ich wünsche mir von dem Tag, dass unsere Besucherinnen sich einmal ganz auf sich besinnen und Kräfte sammeln können“, sagt Susanne Goldmann.

Im März 1911 gab es den internationalen Frauentag zum ersten Mal. Damals fand er in Kopenhagen statt. Frauen, die damals demonstrierten, wollten vor allem das Frauenwahlrecht durchsetzen. Es ging aber auch um bessere Arbeitsbedingungen, ein Arbeitsschutzgesetz, einen Mutterschutz und eine 40-Stunden-Woche.

Seitdem hat sich nicht nur in Sachen Arbeitsrecht viel getan: Das Frauenwahlrecht wurde 1918 in Deutschland eingeführt, 1993 wird Heide Simonis in Schleswig-Holstein die erste Ministerpräsidentin. Seit 2005 gibt es mit Angela Merkel auch zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Bundesrepublik. Trotzdem sind Frauen Männern gegenüber immer noch nicht gleichgestellt. Einkommensunterschiede spielen in Unternehmen immer noch eine Rolle, ebenso wie die Frauenquote. Der internationale Frauentag will auf diese Probleme aufmerksam machen.

(vab)