Vorschlag der Verwaltung : Ein Bürgerwald mitten im Stadtwald

Ein wenig anders vorgestellt haben sich nicht nur die Genossen die Entstehungsgeschichte des zukünftigen Bürgerwaldes in Stolberg. Beim Studium der Vorlage des Technischen Beigeordneten zum SPD-Antrag gewinnt man die Vorstellung, das repräsentativ gedachte Vorhaben soll nur zum Aufforsten eines Kahlschlags mitten im Stadtwald nahe Forsthaus Roggenläger herhalten. Der Bürgerwald soll mitten im Wald entstehen.

„Die Verwaltung schlägt eine gut zu erreichende Fläche zur Anlage des Bürgerwaldes vor“, argumentiert Tobias Röhm. Das rund zwei Hektar große Areal liegt im Bereich von Frackersberg und Winterstraße unweit der Andreashütte an der Venwegener Schneise, sei langfristig erweiterbar und über die Landesstraße 24 gut zu erreichen. Parkplätze seien vorhanden oder könnten anlässlich der geplanten jährlichen Pflanzaktionen vor Ort eingerichtet werden. Und in den umliegenden Ortschaften finde man – ganz der Intention des SPD-Antrages entsprechend – gastronomische Betriebe, um die Pflanzaktionen mit Feiern gebührend abzuschließen.

Allerdings lassen die Sozialdemokraten durchaus durchblicken, dass sie sich bei der Antragstellung ein innenstadt- oder zumindest ortsnäheres Areal vorgestellt haben als das nun zur Rede stehende Revier mitten im Forst – eine teilweise bereits mit Setzlingen bestückte Fläche umgeben von jungen Kulturen.

Aber selbst die sei kompliziert genug zu finden gewesen, hält die Verwaltung entgegen. „Wir haben diverse Standorte geprüft“, sagt Röhm. „Aber die Flächensuche in Stolberg ist schwierig“. 50 Prozent der Stadtfläche besteht ohnehin aus Wald. Geeignete landwirtschaftliche Flächen oder Brachen standen nicht zur Verfügung oder seien zu schlecht erschlossen, unterlägen zudem naturschutzrechtlichen Restriktionen oder wiesen Potenzial für eine Bebauung auf.

„Die Möglichkeit, bestehende Grün- bzw. Waldflächen mit weniger wertvollen Beständen zugunsten eines Bürgerwaldes abzuholzen, wurde verworfen“, betont der Beigeordnete. Zudem habe die Fläche nicht zu klein sein dürfen, weil das dauerhafte Angebot eines Bürgerwaldes mit zunehmender Bepflanzung von Laubbäumen im Laufe der Zeit ausgedehnte Flächen in Anspruch nehmen werde.

Deshalb wurde die Suche nach einer geeigneten Fläche auf großflächige Lichtungen gelenkt, die aufgrund der Sturmfolgen zu Beginn des Jahres und der Borkenkäferschäden des Spätsommers sind im städtischen Wald entstanden sind. So wurde das nun vorgeschlagene Areal im Landschaftschutzgebiet gefunden, über das der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt auf seiner Sitzung am 7. November beraten soll.

Nach dem Vorbild von Nachbarkommunen ist geplant, die Pflanzenwünsche beim Forstamt entgegenzunehmen und zu sammeln. Neben der Publizierung im Internet sollen verheiratete Paare oder Eltern einen entsprechenden Hinweis auf dieses Angebot durch das Standesamt erhalten. Einmal, bei sehr großer Nachfrage gegebenenfalls auch zweimal jährlich sollen die Baumpaten zu einer Pflanzaktion eingeladen werden, die auch im Rahmen eines kleinen Festes stattfinden kann. Die Bäume sollen gegen Gebühr seitens des Forstamtes bestellt, geliefert und den Paten zur Verfügung gestellt werde. Um dem Anlass gerecht zu werden, sollten nur große Bäume mit einer Höhe von mindestens 2 Meter gepflanzt werden. Die Pflanzen benötigen zudem einen Schutz gegen Rotwildverbiss.

Die Gebühr soll den Baum selbst mit Lieferung, den Verbissschutz, den Verwaltungsaufwand sowie Auslagen für eine kleine Festivität decken und sollte aus Sicht der Verwaltung bei rund 90 Euro liegen, „was mit den Gebühren in anderen Kommunen vergleichbar ist“, sagt Röhm. Darüber hinaus werde die Pflege der Bäume vom Forstamt übernommen. Dieses empfiehlt aufgrund des Bodens aus tonigem Lehm, ausschließlich Stieleichen zu pflanzen. Die Fläche befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet.

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