Förderverein sammelt neue Ideen fürs Museumssägewerk in Zweifall

Förderverein im Hunsrück unterwegs : Neue Ideen werden für das Museumssägewerk Zweifall gesammelt

Der Förderverein des Museumssägewerkes in Zweifall unternahm jüngst seine Frühjahrsexkursion, die er seit seiner Gründung im Jahre 2008 im zweijährigen Rhythmus macht.

Bei eher ungemütlichem Dauerregen traten am frühen Morgen 40 Mitglieder und Freunde des Vereins die Fahrt nach Morbach in den Hunsrück an. In diesem Jahr wurde zunächst die Energielandschaft in Morbach besichtigt.

Von 1956 bis 1995 wurde hier von den Amerikanern das größte Munitionslager in Europa unterhalten. Auf dem 145 Hektar großen Gelände wurden auf 146 Freiflächen große Mengen konventioneller Bomben gelagert. Als die Amerikaner 1995 das Lager aufgaben, stand die verbandsfreie Gemeinde Morbach vor der Frage, wie man in Zukunft mit dem riesigen Areal umgehen sollte. Große betonierte Flächen und hohe aufgeschüttete Erdwälle, die im Falle einer Explosion für Schadensbegrenzung sorgen sollten, machten einige Nutzungsmöglichkeiten zunichte.

Die Errichtung eines Ferienparks scheiterte in letzter Sekunde, weil der Investor abgesprungen war. Schließlich kam man zu dem Schluss, das es sich bei dem Gelände um die optimale Fläche für die Nutzung erneuerbarer Energien handelte. Im Jahre 2002 wurde die Energielandschaft Morbach in Betrieb genommen. 14 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2 MW wurden installiert. Auf den alten Bombenlagerfreiflächen wurden große Photovoltaikanlagen errichtet. Mittlerweile erstrecken sich diese Anlagen auf einer Gesamtfläche von 4,2 Hektar.

Windräder werden ausgetauscht

Die 14 alten Windräder werden derzeit gegen sieben größere mit der doppelten Leistung ausgetauscht. An einigen Beispielen wird im Park auch die Trinkwasseraufbereitung mit Hilfe von Sonnenenergie gezeigt, was besonders für die Entwicklungsländer von besonderer Bedeutung ist.

In der Biogasanlage (3,2 Mio KW Jahresleistung) dürfen nur nachwachsende Rohstoffe verwandt werden. Als Trägerstoff wird Rindergülle eingesetzt. Mit der Abwärme der Anlage werden die Bandtrockner des Pelletwerkes (11.000 to/Jahr) beheizt. Das Rohmaterial für die Pelletherstellung stammt aus drei Morbacher Sägewerken, die Sägespäne aus Frischholz liefern. Die Heizqualität aus diesem Material ist wesentlich höher als aus geschreddertem Altholz. Da die Biogaswärme nicht für die Herstellung der Pellets ausreicht, wurde noch zusätzlich eine Hackschnitzelheizung für zusätzlichen Energiebedarf installiert.

Weiterhin werden Unternehmen in den Park geholt, die von ihrer Ausrichtung her ins Konzept passen. So stellt beispielsweise das Canada Blockhaus Team, der Tradition des kanadischen Blockhausbaues folgend, in Handarbeit erstellte Blockhäuser bis Dachunterkante her. Ziel der Gemeinde Morbach mit ihren 11.000 Einwohnern war von Anfang an, selbständig von fremden Stromerzeugern zu werden. Darüber hinaus wird der überzählige Strom ins Netz eingespeist. Man kann mit Stolz sagen, dass das Konzept unter dem Slogan: „Echte Heimatwärme für die Region“ aufgegangen ist.

Nach dem Mittagessen ging es zum Hunsrücker Holzmuseum, das von ca. 100 ehrenamtlichen Helfern betreut wird. Auf rund 400 m² Ausstellungsfläche wird in 4 Themenbereichen die Vielfalt des Werkstoffes Holz in eindrucksvoller Weise gezeigt. So gibt es einen Holzerfahrungsraum, wo man Holz mit allen Sinnen wahrnehmen kann. In den anderen Räumlichkeiten kann man viel über Holzernte, Holzindustrie und frühere Holznutzung erfahren. Der Hunsrück mit seinem unendlichen Holzreichtum stellte für viele Menschen die Lebensgrundlage dar, sei es als Wagner(Stellmacher), Besenbinder, Hottenmacher (Hotten sind Tragegestelle für den Rücken) oder Korbmacher. In einem weiteren Gebäudeteil wird alte Sägetechnik vorgeführt.

Mit einem alten Horizontalgatter aus dem Jahre 1921 werden im Museum auch dickere Holzstämme aufgeschnitten, wobei vor allem der saubere Schnitt besonders beeindruckt. Im Obergeschoss des Museums findet zur Zeit eine Sonderausstellung statt. Im Jahre 1965 wurde nach über 130 Jahren die Tabakspinnerei Brück geschlossen. Allgemein wird die Herkunft, die Verarbeitung sowie die Philosophie des Rauchens als Genussmittel betrachtet.

Ein Verkaufsschlager aus den 50/60 er Jahren war der Tabak „Schinderhannes“, der durch den gleichnamigen Film mit Curd Jürgens und Maria Schell an Originalschauplätzen außerordentlich populär wurde. Nach einer letzten Stärkung bei Kaffee und Kuchen in der Museumsstube ging es anschließend wieder auf den Heimweg. Mehr Infos zum Zweifaller Museumssägewerk unter www.museumssägewerk-zweifall.de.

Mehr von Aachener Nachrichten