Stolberg: Fördergeld soll neuen Aufbruch möglich machen

Stolberg: Fördergeld soll neuen Aufbruch möglich machen

Es ist nur noch eine einstimmige Randnotiz im Stadtrat. Dreimal Hände heben — und drei Satzungen sind aufgehoben. Dabei waren sie die Basis für die Entwicklung in der Stolberger Innenstadt während der vergangenen drei Jahrzehnte — die Grundlagen dafür, dass Oberstolberg sich heute so schmuck präsentieren kann.

Zumindest mit Blick auf das Stadtbild, aber auch im Hinblick auf das Leben, das bewahrt wurde oder sich neu entwickelt hat. Vergleichbares gilt auch für Unterstolberg.Wobei eine Frage nicht wirklich beantwortet werden kann: Wie würde Stolberg aussehen, wenn es diese drei Sanierungsgebiete nicht gegeben hätte? Vermutlich wesentlich schlimmer.

Sanierung der Sanierung: 2006 muss die Fahrbahn der verkehrsberuhigten Zone in der Salmstraße erneuert werden. Foto: J. Lange

Straßenbau als Voraussetzung

Bereits in den 1970er Jahren hatten sich die Stadtväter Gedanken über eine Sanierung der Altstadt und die wachsende Verkehrsbelastung gemacht. Damals drängten sich die Autos über den Steinweg in und über die von-Werner-Straße aus der Innenstadt. Entlastung einer immer weiter zunehmenden Belastung auf der Landesstraße 238 bringt erst der Bau der Europastraße nebst der Rathausumfahrt — beginnend 1983 mit dem Mühlener Ring bis zur Fertigstellung des Tunnels 1994 — sowie der Kreisstraße 6 durch den Burgholzer Graben 1984 bis 1985 als Entlastung der Achse von Burg- und Hastenrather Straße.

Die eigentliche Sanierung der Altstadt konnte Stolberg erst mit der 1980 beschlossenen Satzung bis 1993 angehen: von der Ketschenburg entlang der Vicht bis zur Enkerei sowie entlang der Burg- bis zum Ende der Vogelsangstraße. So „gravierende Missstände“ wurden dort im Vorgriff durch eine städtebauliche Untersuchung nachgewiesen, dass eine Neuordnung der Eigentümerstruktur mit einem An- und Verkauf von Grundstücken im Rahmen des Sanierungsverfahrens durchgeführt und durch die Beschaffung von Fördermitteln der Um- und Ausbau von Gebäuden durch private Eigentümer angeregt wurde.

Pilotobjekt als Startschuss

Der Startschuss erfolgte am 16. Juli 1981 mit der Grundsteinlegung für das Pilotobjekt an der Ecke von Luciaweg, Eselsgasse und Burgstraße durch den damaligen Regierungspräsidenten Dr. Franz-Josef Antwerpes. Es folgen der Umbau des Offermann-Platzes, die Sanierung von Schart, Luciaweg, Klatter-, Enkerei-, Burg-, Vogelsangstraße und Finkenberggasse nebst ihren Plätzen, Seifenhof und Arnoldsmühle stehen ebenfalls auf der Liste.

1988 folgt ein weiteres Sanierungsgebiet, in dem „städtebauliche Missstände“ festgestellt wurden. Es umfasst nahezu den Rest von Oberstolberg — vom Hammer Bahnhof entlang der Bahnlinie bis zum Schellerweg, weiter über Steinfeldstraße, Bergstraße und Halsbrech rund um den Steinbruch Gehlen bis an den Hammerberg heran.

Der neue Kaiserplatz

Herausragende Projekte waren 1988 die 3,8 Millionen DM kostende Umgestaltung des Kaiserplatzes (flankiert durch die Gestaltung des Steinwegs als Fußgängerzone 1982 bis 1987) und die Sanierung des Kupferhofes Alter Markt, die Gestaltung von Burghöfen und Faches-Thumesnil-Platz, aber auch die Sanierung der Brücken Steinfeld-, Sonnental-, Enkereistraße und Schart sowie weiterer Straßenzüge, Mauern und Mühlenteichgräben in dem Quartier. Bestandteil des Projektes „Historischer Stadtkern“ war auch ein bis 1995 laufendes Programm zur Fassadensanierung.

Während das Stadtbild Oberstolbergs zunehmend erblühte, wurde der Kontrast zur Abwärtsentwicklung des Wohn- und Geschäftsviertels auf der Mühle immer deutlicher. 1985 lief die Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfeldes an; 1990 konnte das Sanierungsgebiet beschlossen werden, um den „städtebaulichen Mängeln“ in Unterstolberg bis 1993 zu begegnen. Herausragende Projekte waren die Neugestaltung der Salmstraße (1986/87) sowie der Grünanlage Bastinsweiher (1988) und der Bau der Parkpalette Kupfermeisterstraße (1989). In den Folgejahren wurden die Straßen Roderburgmühle, Auf der Mühle, untere Eschweiler-, Bierweider- und Blaustraße saniert sowie Jordan- und Krautladenplatz gestaltet; der Fußweg zum Kaplan-Dunkel-Platz und die Grünanlage Blankenberg entstanden.

Flankiert wurden diese Projekte in den drei Sanierungsgebieten im öffentlichen Raum von umfangreichen Eigeninitiativen bei der Restaurierung historischer Bausubstanz. Doch nicht überall war die Aufbruchstimmung der 80er und frühen 90er Jahre von Nachhaltigkeit gekennzeichnet. Besonders der Steinweg wurde einem grundlegenden Strukturwandel unterworfen, der von allgemeinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen forciert wird.

Ein Elf-Millionen-Euro-Projekt

Geschäfte des täglichen Bedarfs können sich mangels Fluktuation nicht mehr halten. Nachfolger für die mittlerweile zu kleinen Ladenlokale lassen sich nicht mehr finden; Eigentümer verkennen die tatsächliche Lage. Auch die 2008 erfolgte Teilöffnung der Fußgängerzone für den Verkehr kann das Blatt nicht mehr wenden. Auch in Unterstolberg wird nachgebessert. 2006 muss die durch den Verkehr in Mitleidenschaft gezogene Salmstraße erneuert werden.

Dem nun auch offiziell verkündeten Ende der drei Sanierungsgebiete soll ein neuer Anfang folgen, um dem in den letzten Jahren spürbarer werdenden Abschwung der Innenstadt zu begegnen. Das „Entwicklungskonzept Talachse“ soll mit einer deutlichen Aufwertung des öffentlichen Raums, Pilotprojekten und dank niedriger Zinsphase für eine neuerliche Aufbruchstimmung in der Kupferstadt sorgen. Damit dies planungsrechtlich möglich ist, mussten zuerst die drei vergangenen Maßnahmen abgeschlossen werden.

Nun sollen über elf Millionen Euro in die sieben Quartiere zwischen Mühle und Willy-Brandt-Platz bis 2020 investiert werden. Stolberg erwartet in diesen Tagen die generelle Bewilligung des Konzeptes und die Zusagen über eine Förderung in Höhe von mehr als 7,4 Millionen Euro. Die Stadt selbst will rund 3,6 Millionen Euro in die Hand nehmen — und wie beim Schneeballprinzip weitere private Investitionen anstoßen — so wie es einst in der Altstadt funktioniert hat. Bereits im nächsten Jahr soll‘s losgehen am Bastinsweiher und am Kaiserplatz. 2016 sollen die Umgestaltung der Rathausstraße und die Planung für den Steinweg beginnen.

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