„Partymachen statt absaufen“: Feiern geht für diese Jugendlichen sehr gut ohne Alkohol

„Partymachen statt absaufen“ : Feiern geht für diese Jugendlichen sehr gut ohne Alkohol

Die Schüler der Kupferstädter Gesamtschule beweisen, dass Karneval und Alkohol nicht zwingend zusammen gehören. An Fettdonnerstag feiern sie ausgelassen im Jugendzentrum „Westside“. Ein Konzept, das ich bewährt hat.

Wenn die Raumtemperatur eins zu eins auf die Stimmung übertragbar wäre, dann kann man diese an Fettdonnerstag im städtischen Jugendzentrum „Westside“ als durchaus „kochend“ bezeichnen – und das ohne Alkohol. Die Schüler der achten, neunten und zehnten Klasse der Kupferstädter Gesamtschule läuteten gemeinsam ab 11.11 Uhr die Hochphase der jecken Zeit ein und sollten dabei lernen, dass gute Laune nicht immer vom Hochprozentigen abhängig ist.

Gemeinsam mit der Stadt – im Speziellen mit dem Team der städtischen Jugendeinrichtung „Westside“ – und der Gesamtschule wird die Feier seit vielen Jahren auf die Beine gestellt. „Es ist eine richtig, richtig gute Stimmung in diesem Jahr. Ich bin echt beeindruckt“, sagt Michael Bosseler, Jugendpfleger in Stolberg. Viele der rund 150 anwesenden Schüler tanzten in einem überschaulichen, aber toll geschmücktem Raum im Discostil zur Musik von DJ Marc, der nicht nur Karnevalslieder spielte. Die Organisatoren haben auch Anreize geschaffen, damit die Stimmung gut bleibt, wie Markus Stork, Sozialarbeiter an der Kupferstädter Gesamtschule erklärt: „Wir haben gleich mehrere Wettbewerbe. Zum einen müssen die Lehrer auftreten und für gute Stimmung sorgen und die Schüler zum Feiern animieren. Wer gewinnt, dem wird die Klassenkasse aufgebessert.“

Zudem traten drei Schüler in einem Gesangswettbewerb gegeneinander an. Als Siegerprämie winkte ein Gutschein bei einem Schnellrestaurant. Auch haben sich die Schüler an ihren Kostümen gemessen. Denn viele sind zu der zweistündigen Feier verkleidet gekommen. So auch Deniz Mocharey, Schüler aus der neunten Klasse. Er trugt ein Ganzkörper-Kuh-Kostüm und feierte ausgelassen mit seinen Freunden. „Wir motivieren uns hier gegenseitig. Es macht echt Spaß und geht auch ohne Alkohol. Es ist ja so auch ungefährlicher“, sagte er, bevor er wieder zur Tanzfläche hüpfte. „Wenn die Stimmung so gut ist wie heute, dann ist das auch immer ein Zeichen, dass unsere gemeinsame Arbeit funktioniert und sich alle wohlfühlen“, sagt Bosseler.

Nicht alle Schüler feierten ausgelassen oder hatten Lust auf Karneval. Das sei auch vollkommen okay, erklärt Dominique Lopes vom „Westside“-Team. „Wir zwingen hier natürlich keinen. Wer eine Pause braucht, kann auch rausgehen oder Kicker spielen.“ Lopes und Stork moderierten am Vormittag und haben durch die einzelnen Programmpunkte geführt und sich auch gerne „zum Affen“ gemacht, wie Storck lachend erklärt. Es gehe nämlich nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger vor Alkohol zu warnen, sondern mit den Jugedlichen gemeinsam zu feiern und Alternativen aufzuzeigen. „Gerade in der Karnevalszeit ist die Stimmung sehr heißt und es ist das Alter, in dem viele zum ersten Mal mit Alkohol in Berühung kommen“, weiß Lopes.

Hier könne und müsse man ansetzen. „Partymachen ohne absaufen“ ist daher auch das Motto, das nicht nur den Fettdonnerstag im „Westside“ beschreibt. Die mobile Jugendarbeit ist an und um Karneval im Einsatz. Im Vorfeld waren die Jugendhelfer beispielsweise in Geschäften, die Alkohol verkaufen, und haben das Gespräch mit Verkäufern gesucht. Während der Karnevalspartys sind sie zudem auch in den Zelten unterwegs und sensibiliseren Jugendliche im Umgang mit Alkohol.

Alkoholfreie Cocktails waren sehr gefragt im „Westside“. Foto: ZVA/Anne Schröder

Aber ohne Cocktails kam auch die Feier im „Westside“ nicht aus. Domenik Hermanns, Honorarkraft im Jugendzentrum, mixte die jugendfreien Cocktails aus Orangen- und Kirschsaft. Für das erste Getränk müssen die Schüler nichts zahlen, ab dem zweiten kostete es 50 Cent. „Das ist ein fairer Preis, finde ich. Wir wissen ja alle, dass Schüler nicht viel Geld haben“, sagt Hermanns während er die Eiswürfel in den Becher füllt.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war vor Ort, um auf Nummer sicher zu gehen und im Notfall eingreifen zu können. „Bei Feiern ohne Alkohol haben wir aber meist einen sehr entspannten Job“, sagt Raimund Lesmeister vom DRK. Aber auch das Trinkverhalten der Jugendlichen sah vor rund zehn Jahren aus seiner Sicht anders aus, sagt Lesmeister. „Ich persönlich habe schon das Gefühl, dass es hier in Stolberg besser geworden ist. Die Jugendlichen liegen nicht mehr regungslos ab 12 Uhr auf der Wiese und müssen von den Eltern abgeholt werden.“

Es liegt da nahe, dass Veranstaltungen wie im „Westside“ und die Arbeit der Jugendhilfe also durchaus ihre Früchte tragen und die Jugendlichen so merken, dass es kein Hochprozentiges braucht, um gute Laune und Partystimmung zu schaffen.