Böllerschützen: Feier mit viel Schwarzpulver und Musik

Böllerschützen : Feier mit viel Schwarzpulver und Musik

Die Böller-Abteilung der Breiniger Schützen begeht lautstark ihr fünfjähriges Bestehen. Eine Tradition aus dem 15. Jahrhundert.

In Bayern etwa ist die Tradition des Böllerns althergebracht – in Stolberg ist sie noch recht jung. Vor fünf Jahren gründete sich innerhalb der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Breinig die Unterabteilung der Böllerschützen. „Damals noch mit zwölf Böllerschützen“, erinnert sich Ralf Hohn, ein Mann der ersten Stunde und seit März Abteilungsleiter der Böllerschützen. „Heute sind wir insgesamt 28 Mitglieder in der Abteilung und haben auch eine Kanone“, berichtet Hohn.

Das fünfjährige Bestehen der Breiniger Böllerschützen ist für die St.-Sebastianus-Bruderschaft ein guter Grund, das „kleine Jubiläum“ mit einem Böller- und Musikfest am Samstag, 5. Oktober, zu feiern. Dann werden um 15 Uhr die Böllerschützen zunächst in der Pfarrkirche St. Barbara gesegnet. Ab 15.30 Uhr folgt ein Festzug von der Kirche über Neustraße, Wilhelm-Pitz-Straße, Entengasse und Alt Breinig zur Böllerwiese am Schomet. Dort wird wechselweise musiziert und geböllert.

Fürs lautstarke Böllern sind Eisen und Schlegel Barsinghausen, die Original Truderinger Böllerschützen aus München und natürlich die Breiniger Abteilung der St.-Sebastianus-Schützen zuständig.

Die virtuoseren Klänge liefern das Trommler- und Pfeiferkorps Breinig, die Blasmusikanten Gressenich und die Musikvereinigung Euphonia aus Mausbach. Von der Böllerwiese geht es zum Pfarrheim Goldener Stern, wo gegen 18 Uhr Heinz Hilgers mit Frohsinn Schmidt die musikalische Unterhaltung übernimmt und bei Speisen und Getränken gefeiert wird.

Schon am nächsten Morgen kann in Breinig übrigens weitergefeiert werden, denn nach dem Hochamt beginnt am Sonntag, 6. Oktober, um 10.30 Uhr das „Oktoberfestchen“ im Goldenen Stern mit zünftiger Musik und bayrischen Spezialitäten.

Bevor die Breiniger Böllerschützen vor fünf Jahren zum ersten Mal lautstark auf sich aufmerksam machten, hätten sie zuerst die „Schulbank gedrückt“, beschreibt Ralf Hohn: „Wir haben stundenlang Theorie gepaukt und dann einen mehrstündigen Fachkundelehrgang absolviert, weil jeder einzelne Böllerschütze eine Prüfung beim zuständigen Amt der Städteregion bestehen muss.“ Anschließend galt es, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Wir erklären bis heute den Menschen, dass sowohl unsere Handböller, als auch unsere Kanone keine Waffen sind, sondern Lärmgeräte.“

Keine Geschosse

Sprich: Geschosse feuern die Böllerschütze nicht ab. In ihren Lärmgeräten wird ausschließlich Schwarzpulver zur knallenden Explosion gebracht. „Und weil das Böllern in den rheinischen Breitengraden und besonders in Stolberg ja noch relativ unbekannt war, haben wir auch viele Male dieses traditionelle Brauchtum erläutert“, sagt Hohn.

Die Böller-Tradition geht bis in das 15. Jahrhundert zurück und sollte einst böse Geister und Dämonen abwehren, und gleichzeitig die Natur erwecken sowie das Wetter positiv beeinflussen. An Taufen, Geburtstagen oder Hochzeiten sollte damit außerdem Lebensfreude zum Ausdruck gebracht werden.

In Breinig und Stolberg wird seit fünf Jahren beim Patronatsfest der Breiniger St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft ebenso geböllert wie an hohen kirchlichen Feiertagen und bei Festen befreundeter Schützenbruderschaften. Auch die Stolberger Stadtparty wird seit 2017 mit Beteiligung der Böllerschützen eröffnet.

Für Aufsehen sorgte zudem einst die Schlagzeile „Schüsse nach dem Eid des Bürgermeisters“, als Tim Grüttemeier sein Amt antrat. Inzwischen haben die Breiniger Böllerschützen mit Patrick Haas schon den zweiten Stolberger Bürgermeister mit krachenden Salven auf dem Kaiserplatz begrüßt.

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