Stolberg: Fallzahlen im Stolberger Jugendamt sinken, aber Probleme bleiben

Stolberg : Fallzahlen im Stolberger Jugendamt sinken, aber Probleme bleiben

Wie viele Kinder werden in Stolberg in Pflegefamilien betreut? Und wie hoch sind die Kosten für die Unterbringung in einem Heim? Mit Fragen wie diesen setzen sich die Mitarbeiter des Stolberger Jugendamtes in ihrer täglichen Arbeit auseinander. Bereits seit 2015 werden diese Zahlen auch der Politik vorgelegt.

In der nächsten Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses (KJA) Anfang September steht das sogenannte Fach- und Finanzcontrolling des Jugendamtes für den Bereich der Hilfen zur Erziehung auf der Tagesordnung. Das Fazit: Zwischen 2016 und 2018 sind die Fallzahlen und damit auch die Kosten gesunken. Ein hoher Bedarf an Hilfen zur Erziehung besteht, laut dem Stolberger Jugendamt, dennoch. Ein Überblick.

Berichte vorgelegt

Ingesamt 476 Hilfen für Kinder und Familien gab es im Monat Juni 2016. Dazu zählten auch 51 unbegleitete minderjährige Ausländer. Die Kosten in diesem Monat betrugen insgesamt 949.730 Euro. Zum Hintergrund: Seit 2015 werden dem KJA regelmäßig Fach- und Finanzcontrollingberichte vorgelegt. Diese basieren auf der softwarebegleiteten Jugendhilfe.

Vorgestellt wurden bisher immer die Fallzahlen- und Kostenentwicklung anhand des Referenzmonats Juni. Die Verwaltung schlägt dem KJA nun vor, zukünftige Controllingberichte anhand der Stichtage 30. Juni und 31. Dezember eines Jahres auf der Grundlage der Ermittlung von Halbjahresdurchschnittswerten vorzunehmen. Die Zahlen aus 2016, 2017 und 2018 beziehen sich nur auf den Referenzmonat Juni. Doch zurück zu den Zahlen.

Im Juni 2017 sanken die Fälle auf 456 (davon 41 unbegleitete minderjährige Ausländer) und die Kosten auf 885107 Euro. In diesem Jahr gab es im Juni 443 Hilfen (davon 31 unbegleitete minderjährige Ausländer) und die Kosten betrugen insgesamt 884.597 Euro. Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei der Heimerziehung. Gab es im Juni 2016 noch 98 Maßnahmen (Kosten 505.000 Euro), so verringerte sich die Zahl von Juni 2017 zu Juni 2018 um insgesamt elf Maßnahmen.

Die Kosten konnten um 35.000 Euro gesenkt werden. Das habe vor allem an der Einarbeitung neuer Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst gelegen, die dafür sorgen konnten, dass den Familien vorab geholfen werden konnte und eine Unterbringung im Heim nicht mehr notwendig war, so Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger.

Gestiegen ist hingegen die Zahl der ambulanten Hilfen. Belief sich diese im Juni 2016 auf 13, so lag sie im Juni 2017 bei 23 und im Juni 2018 bei 28 Maßnahmen. Die Kosten stiegen von 24.000 Euro in 2016 auf 35.000 Euro in 2017 und 500.00 Euro in 2018. Ein gravierenderer Anstieg sei durch die Einrichtung einer Fachgruppe innerhalb des Allgemeinen Sozialer Dienst verhindert worden.

Zu den ambulanten Hilfen zählen unter anderem die Schulbegleitungen oder auch der Hilfebedarf bei Kindern und Jugendlichen und deren Familien aufgrund von Autismus-Störungen. Auch die sogenannte sozialpädagogische Familienhilfe gehört dazu. Im Vergleich zu 2017 (62 Maßnahmen, Kosten 60.000 Euro) ist dieser Bereich im Juni 2018 (83 Maßnahmen, Kosten 92.000 Euro) um 21 Fälle gestiegen.

Neben dem Ansatz, dass der erzieherische Bedarf vorrangig durch niedrigschwellige Maßnahmen gedeckt werden konnte, sei es auch vermehrt zu Bedarfen an ambulanter Begleitung im Bereich der akuten Kindeswohlgefährdung gekommen, so Voigtsberger. Exemplarisch dafür sind Eltern- oder Mutterschaft von Minderjährigen, Gewalt in der Partnerschaft oder auch psychisch erkrankte Eltern. Hinzu komme, dass die Kostensätze für die Anbieter der Hilfen zur Erziehung vor dem Hintergrund von Tariferhöhungen und Fachkräftemangel kontinuierlich steigen.

Gesunken sind hingegen die Fälle der Erziehungsbeistandschaften. Von 31 Maßnahmen im Juni 2016 (Kosten 28.000 Euro) auf 27 Maßnahmen im Juni 2017 (20.000 Euro). Im Juni dieses Jahres waren es 28 Maßnahmen. Durch die Reduzierung von Fachleistungsstunden durch gezielte Auftragsstellung konnten die Kosten auf 12.500 Euro reduziert werden.

Hoher Bedarf

Auch wenn die Fallzahlen und Kosten gesunken sind, rechnet die Stolberger Verwaltung nicht damit, dass sich die Bedeutung von Hilfen zur Erziehung in den kommenden Jahren wesentlich verringern werde. Ein hoher Bedarf, der unter anderem durch Faktoren wie Sucht, geringes Einkommen oder psychische Erkrankungen ausgelöst werden könne, sei weiterhin gegeben.

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