Experten beraten Leser zum Thema Schimmel

Große Nachfrage bei Telefonaktion : Dem Schimmelpilz auf der Spur

Guter Rat ist teuer? Das mag in vielen Fällen so sein. Im vorliegenden aber war es definitiv nicht so: Experten der Verbraucherzentrale in Alsdorf und Aachen sowie des Vereins „Altbau plus“ und des Mieterschutzvereins Aachen haben eine dreistündige Hotline geschaltet, um Betroffene aus der Städteregion zum Thema Schimmel zu beraten – kostenfrei.

Die Nachfrage war sehr groß und bestätigte noch einmal die Einschätzung, die Architektin Maria Feldhaus („Altbau plus“) im Vorfeld der Aktion, die von unserer Zeitung begleitet wurde, geäußert hatte: „Von Schimmel sind alle Bevölkerungsschichten betroffen, weil er überall vorkommen kann, im Altbau genauso wie in einem neuen Haus.“

So zählte der Eigentümer, der gerade erst in sein fertiggestelltes Zuhause eingezogen war, ebenso zu den Ratsuchenden wie die Nutzerin einer Studentenwohnung und der Mieter eines Hofes aus dem frühen 20. Jahrhundert. Vielfältig wie die Rahmenbedingungen waren auch die Erscheinungsweisen des Schimmels. In einem Fall wurde er hinter dem Rücken eines Sofas entdeckt, in einem anderen war der halbe Keller befallen, und in einem weiteren war er noch gar nicht ausgemacht worden, wurde aber wegen auffälliger Geruchsentwicklungen vermutet.

„Eine konkrete Diagnose am Telefon ist natürlich schwierig“, räumt Gerhard Weiß ein. Oftmals sei es unerlässlich, einen Termin vor Ort zu vereinbaren, um mit geschultem Auge und den richtigen Messgeräten den Ursachen auf den Grund zu gehen. „Immerhin können aber bei einem Erstgespräch schon einmal grundsätzliche Dinge erörtert werden“, betont der Architekt der Verbraucherzentrale. Zum Beispiel wann und wo der Schimmel zum ersten Mal aufgetreten ist. Oder ob Sanierungs- oder Dämmmaßnahmen vorgenommen worden sind, die in einem Zusammenhang mit den Beeinträchtigungen stehen könnten.

Auch falschen Erwartungen können die Fachleute bei einer ersten Kontaktaufnahme entgegenwirken. „Wir schreiben, wenn wir eine Wohnung oder ein Haus untersucht haben, einen Bericht, aber kein gerichtsfestes Gutachten“, nennt Beate Schraven („Altbau plus“) ein Beispiel. „Und wir können auch keine Aussage machen über die mögliche Gesundheitsgefährdung, die von einem Schimmelpilz ausgeht.“ Um solche Dinge zu klären, müssten Experten aus anderen Bereichen hinzugezogen werden. „Und die können wir im Bedarfsfall natürlich vermitteln.“

Vermittlung steht auch in einem anderen Sinne im Vordergrund: Dann, wenn Interessen von Mietern und Vermietern kollidieren. „Unser Vorteil ist unsere Neutralität. Sie sorgt für eine relativ hohe Akzeptanz“, berichtet Schraven.

Ist aus dem Streit bereits ein Rechtsstreit geworden, dann halten sich Verbraucherzentrale und „Altbau plus“ allerdings raus, betont Maria Feldhaus. „Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind Architekten, keine Anwälte oder Richter.“ Diese Feststellung kann Hans Knops nur unterstreichen – und an Betroffene von Schimmel auf der einen wie auf der anderen Seite appellieren, eine gütliche Lösung zu suchen. „Dabei sind wird gerne behilflich“, erklärt der Vorsitzende des Mieterschutzvereins Aachen. „Eine juristische Auseinandersetzung ist in der Regel sehr teuer und führt selten zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung.“