Expansion mit Schmusekissen

Expansion : 4cats baut im Camp Astrid neuen Betrieb

Mittlerweile werden 3,3 Millionen Schmusekissen und Spielzeug für Katzen pro Jahr produziert – mit steigender Tendenz. Das Stolberger Unternehmen 4cats Heimtierbedarf GmbH hat sich für einen neuen Produktionsstandort entschieden.

Es sind Bilder, die um die Welt gehen. Tiger zubbeln kräftig mit ihren scharfen Zähnen an den großen Schmuserollen, ein Ozelot schmiegt wohlig ihr Köpfchen auf das Schmusekissen. Der Hamerton Zoo nahe dem englischen Cambridge wird zum Experimentierfeld für Katzenspielzeug made in Stolberg – allerdings in der XXXL-Version.

„Wir wollten einmal wissen, ob Großkatzen genau so mit den Sachen spielen wie unsere Stubentiger“, erzählt Marion Hamacher von ihrem „Tigerday“. In Cambridgeshire fand sie in dem Zoopark einen Partner für das Projekt, das filmisch dokumentiert wurde. Aus Sisalteppich wurde das überdimensionale Spielzeug handgefertigt, mit Baldrian oder Katzenminze gefüllt, mit Rote-Beete-Pulver bedruckt. Dann folgten spannende Einblicke, wie Tiger, Ozelot und Luchs in dem britischen Park auf die Kräuterkissen aus Stolberg reagieren.

Heimarbeit als Anfang

Die Kuschelutensilien im Normalformat aus der Kupferstadt sind auf den britischen Inseln jedenfalls bereits auf dem Vormarsch. Wenn auch die wenigsten unter der eigenen Premium-Marke auf den Markt kommen: Das Unternehmen 4cats fertigt überwiegend Markenlabel für den namhaften Tierbedarfshandel. Und das in einem derart steigenden Umfang, dass der Firmensitz an der Eschweilerstraße schon längst zu klein geworden ist. Das expandierende Unternehmen hat im Gewerbegebiet Camp Astrid ein 7909 m² großes Grundstück auf einer der beiden Mittelinseln zwischen Wallonischem Ring und Königin-Astrid-Straße erworben.

Durchaus stolz ist Nathalie Becker über die Ansiedlung. Die Geschäftsführerin der Camp Astrid GmbH hat die Geschäftsführer Marion Hamacher und Markus Friederich bei den Überlegungen zur Erweiterung intensiv begleitet, angefangen von der Nutzung weiterer Hallen bis hin zur Entscheidung, ein Werk komplett neu zu errichten.

An der Baumgruppe am Rande des neuen Firmengeländes im Camp Astrid entsteht das Biotop, erklären Marion Hamacher (r.) und Markus Friederich Wirtschaftsförderin Nathalie Becker. Foto: Jürgen Lange

Dabei liegen die Anfänge im Kleinen und reichen gut drei Jahrzehnte zurück. Aus handverlesenen Unikaten schnellte die Produktion auf über eine Million Stück vor drei Jahren und jetzt auf mehr als drei Millionen Schmuseartikel im Jahr hoch. Und alle werden von Hand und mit großer Sorgfalt in der Kupferstadt gefertigt.

Die Anfänge lagen allerdings in Aachen. Dort hatte sich Markus Friederichs Mutter Ingrid „schon immer für den Tierschutz engagiert“, erzählt der promovierte Diplom-Chemiker. Zur Betreuung aufgegriffener Katzen nähte die Frau Mama Katzenkissen und füllte sie mit Baldrian. Die wurden dann in Tierfachgeschäften als Benefizprodukte zugunsten der Katzenhilfe angeboten.

Bis Markus Friederich bemerkte, dass man mit den Katzenkissen auch ein paar Mark verdienen konnte. Der heute 51-Jährige, der schon von der Schulbank aus tonnenweise mit Katzenstreu gehandelt hatte, startete 1986 mit einer kleinen Produktion in Heimarbeit. Das lief zwar gut an, aber eine Erkrankung stoppte erst einmal Friederichs Ambitionen. Als er in der Genesungsphase Marion Hamacher kennenlernte, beschlossen beide, gemeinsam durchzustarten – privat wie beruflich.

2006 gründeten sie zunächst eine GbR und begannen eine kleine Produktion in einer angemieteten Halle mit einer Mitarbeiterin. „Wir haben uns um alles selbst gekümmert, vom Design über Bestellung und Herstellung bis zu Vertrieb und Buchführung“, erzählt Marion Hamacher, die als gelernte Druckformherstellerin einen geübten Blick für eine ansprechende Warenpräsentation mitbringt.

Zunächst klapperten sie – mit großem Erfolg – die Tierfachgeschäfte ab, um ihre Produkte an den Mann zu bringen. Große Unternehmen blockten anfangs ab, aber unter Franchisenehmern waren die Schmusekissen ein Renner. Schnell waren 200, 300, 400 Abnehmer gefunden. Dann wurden auch die Zentralen großer Firmen auf das kleine Unternehmen aufmerksam. 2010 wurde man sich handelseinig. Damit begann der große Aufstieg mit kleinen Schmusekissen. Heute zählen fast alle namhaften Ketten zu den Kunden. Die Produkte werden europaweit nachgefragt. Abnehmer gibt es mittlerweile auch in Asien.

Mit dem Erfolg wuchs das Unternehmen, man musste schnell größere Räume für Lager und mittlerweile fünf Mitarbeiter suchen. Weil Marion Hamacher in Ostbelgien wohnt, eine Mitarbeiterin aus Stolberg, eine aus Eschweiler und eine aus Brand kam, konzentrierte sich die Suche auf die Region. Fündig wurde man an der Eschweilerstraße in Stolberg in den Räumen der früheren Stolberger Feinmetall. Hier läuft die Expansion rasch weiter.

Anfang 2016 zählte man bereits 21 Mitarbeiter, hatte weitere Lagerflächen an der Eschweilerstraße und Hasencleverstraße angemietet. Heute zählt das Team 42 Mitarbeiter sowie einen Marketing- und Vertriebsexperten in Großbritannien. In diesen Tagen stoßen zwei weitere Damen zum Team als Produktdesigner und Produktionsleiter.

45 Millionen Meter Nähgarn

Und die Auftragsbücher füllen sich in einem Tempo, dass 4cats kaum nachkommen kann. „Bei 14 Millionen Hauskatzen alleine in Deutschland“ erkennt Markus Fiederich noch deutliches Potenzial über die aktuelle Jahresproduktion von 3,3 Millionen Schmuseartikel hinaus.

Alleine im vergangenen Jahr wurden im Betrieb circa 45 Millionen Meter Nähgarn vernäht. Der Stoffverbrauch lag bei etwa 80.000 m², und es wurden gut 7,5 Tonnen Kräuterfüllung in Öko-Standard verarbeitet. Das erfordert einerseits einen umfangreichen Lagerplatz, und andererseits ein solides Know-how im Umgang mit Baldrian, Katzenminze und Silvervine.

„Wir riechen gut“, bringt Markus Friederich das Erfolgsrezept bei den eigentlichen Verbrauchern auf den Punkt. Katzen zieht der Geruch dieser Kräuter intensiv an und motiviert sie mit den Gegenständen zu spielen. Dabei wird nicht nur größten Wert auf die Qualität aller Zutaten gelegt, sondern auch auf die Sicherheitsvorschriften gelegt. Denn juristisch gesehen fällt so manches Katzenspielzeug unter die Regelungen für Kinderspielsachen.

Längst hat das anfängliche Original-Schmusekissen viele „Geschwister“ gefunden: Raschelkissen, Schmuserollen, Motivkissen, Knoten – so unerschöpflich die Kreativität der Samtpfoten ist, so vielfältig ist mittlerweile das wachsende Sortiment für den Heimtierbedarf.

Die Produkte werden übrigens von firmeneigenen Fachkräften auf Niere und Leber getestet. Fünf Katzen gehören zur Familie ebenso wie zwei „Bürohunde“; die allesamt Pfoten und Zahn anlegen. Selbstverständlich zusätzlich zu den zweibeinigen Qualitätsprüfern im Betrieb.

Und eben die Produktion in Handarbeit und die Lagerhaltung erfordert mehr Platz. „Zwei Jahre haben wir überlegt und abgewogen, wie die Entwicklung weiter gehen kann und soll“, sagt Friederich und dankt Nathalie Becker für die Begleitung der Entscheidung – letztlich zum Neubau. „Für uns war es wichtig, ein Gelände in unserem Umfeld mit Erweiterungsoption zu finden“, unterstreichen die beiden geschäftsführenden Gesellschafter. Fündig wurden sie im Camp Astrid mit knapp 8000 Quadratmeter inklusive Erweiterungsfläche.

„Die Entscheidung war auch für unsere Mitarbeiter wichtig“; sagt Marion Hamacher. „Sie wissen, dass wir sie mitnehmen, und sie haben den langen Prozess auch miterlebt.“ Nun müssen sie sich noch ein gutes Jahr gedulden. Für April 2021 ist die Fertigstellung des Neubaus avisiert.

In einem ersten Schritt entsteht auf rund 3300 Quadratmeter eine Produktionsstätte, in der alle Herstellungsschritte und Sozialbereiche auf zwei Etagen unter einem Dach zusammengeführt werden können – 36 Parkplätze, sechs Fahrrad-Stellplätze, Logistikrampen und eine zweite Feuerwehrzufahrt inklusive.

Wie naturverbunden die Inhaber des Unternehmens sind, belegt die Tatsache, dass sie nach den ersten Planungen das Bauwerk um zehn Meter komplett verschoben haben: Um die einzige kleine Baumgruppe auf dem Baufeld erhalten zu können.

Naturbiotop im Gewerbegebiet

Sie bildet zugleich den Rahmen für ein weiteres Projekt. Gemeinsam mit der Belegschaft soll dort ein kleines Naturbiotop mit Teichanlage angelegt werden – ein Platz zum Ausspannen inmitten des Gewerbegebietes, das wie kein anderes mitten im Grünen liegt.

Auf knapp 8000 Quadratmeter – inklusive Erweiterungsflächen–  entsteht die neue Produktionsstätte der 4Cats Heimtierbedarf GmbH. Foto: Jürgen Lange

Hier bietet sich 4cats die Möglichkeit, weitere Aufträge anzunehmen, die Produktion weiter zu steigern und neue Produkte zu entwickeln. Dabei haben sie weniger Großkatzen im Visier, die in Cambridgeshire je nach Laune, Wetter und Größe unterschiedlich auf die Schmusekissen reagiert haben. Aber noch wenig beackert hat das Stolberger Unternehmen das Feld der Spielzeuge für Hunde. Und von denen gibt es auch noch rund zehn Millionen alleine in Deutschland.