Exkursion zum Jahrestag vom Kriegsende der Schlacht im Hürtgenwald

Zum denkwürdigen Jahrestag : Auf den Spuren der „Schlacht im Hürtgenwald“ bei Schevenhütte

Dieses Jahr im Herbst jähren sich das Kriegsende in der Region und die Schlacht im Hürtgenwald zum 75. Mal. Ersteres für die Einwohner unserer Region in besonderer Erinnerung, letzteres als eine der heftigsten, längsten und verlustreichsten Schlachten der Geschichte der US-Armee besonders für US-Bürger ein denkwürdiger Jahrestag.

Diesen Anlass bewegte die „Arbeitsgruppe Grenzland 1944/45“, nun erstmals eine militärhistorische Exkursion zu Schauplätzen im Gebiet der Kupferstadt Stolberg zu machen. Eingeladen wurde zu einer Spurensuche in Schevenhütte, wo im Herbst 1944 wochenlang die Front zwischen US-amerikanischen Truppen und deutschen Wehrmachtsverbänden lag.

Ungeachtet deutscher Benennungen war für US-Amerikaner das Kampf- und Schlachtgebiet zwischen Eupen, Aachen und Kall die Region der „Hürtgenwaldschlacht“, also auch das Waldgebiet rund um den östlichen Stolberger Stadtteil. Die Arbeitsgruppe, die die Führung organisierte, ist ein Zusammenschluss von Geschichtsinteressierten und Hobbyhistorikern, denen neben historischer Aufarbeitung und Vermittlung die Völkerverständigung ein besonderes Anliegen ist.

Albert Trostorf war der äußerst sachkundige Gästeführer, der sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Mit Unterstützung weiterer Gruppenmitglieder, darunter seine Frau Sheila, Andrea Vitz, Maren Esser und Rainer Monnartz geleiteten sie einen „Lindwurm“ von interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu fünf Schauplätzen in Schevenhütte. Beginnend am Parkplatz Helenasruh verfolgten etwa sechzig Teilnehmer aus Schevenhütte wie auch dem restlichen Stadtgebiet und aus dem benachbarten Langerwehe die detaillierten Ausführungen Troisdorfs. Nicht nur örtlich war man nah am damaligen Geschehen, auch zahlreiche wörtlich vorgetragene Berichte aus militärischen Aufzeichnungen der US- Army oder von Zeitzeugen ließen eine Vorstellung vom Grauen der Schlacht und der Kriegsverhältnisse entstehen. Und dies ist das erklärte Ziel der seit etwa fünf Jahren in dieser Konstellation engagierten Gruppe. Durch intensive Auseinandersetzung mit dem konkreten Kriegsgeschehen sollen die verblassenden Erinnerungen wachgehalten werden, und der Jugend soll der Wahnsinn vom Krieg nähergebracht werden. Es gehe darum, den Ausruf „Nie wieder Krieg!“ mit Leben zu füllen.

Etwa zwanzig historische Fotografien, von US-amerikanischen Kriegsberichterstattern aufgenommen, hatten die Ehrenamtler um Albert Trostorf dabei und zeigten diese an entsprechender Stelle. Nachempfinden konnten die interessierten Besucher so die schwierigen und demoralisierenden Zustände der GIs auf ihrem Vormarsch in die Nordeifel. Eindrücklich zeigten die Fotos schlammige, enge Waldwege, auf denen Kriegsgerät von der Normandie bis zur Front transportiert wurde. Oder auch verletzte und gefallene Soldaten, denen im November 1944 nicht nur der deutsche Abwehrkampf, sondern auch Dauerregen, kalte Temperaturen und der dichte Wald zu schaffen machten.

Sechshundert Zeitzeugengespräche

Albert Trostorf, der auch Ortsversteher in Merode ist, bannte die Exkursionsteilnehmer mit eindrücklichen Schilderungen, die umso mehr an Authentizität besaßen, da er in seiner langjährigen Tätigkeit über sechshundert Zeitzeugengespräche geführt hat und noch immer aktiv den Austausch zwischen Deutschland und den USA organisiert. Vor allem bei Angehörigen von US-Veteranen besteht ein ungebrochen großes Bedürfnis, wie Maren Esser erklärte, den Ort der Schlacht aufzusuchen.

Seit fünf Jahren organisiert die Gruppe jährlich ein Treffen in Düren, wo Vorträge gehalten werden, persönlicher Austausch gepflegt und gemeinsam Exkursionen in den Hürtgenwald unternommen werden. Einige letzte Veteranen des Krieges sind auch stets dabei. Regelmäßig der Deutsche Rudolf Porsche und Jack Dauner aus den USA. Trostorf sprach mit Bedacht mehr von damaligen „Gegnern“ denn von „Feinden“: Porsche und Dauner sind beste Freunde, pflegen ein inniges Verhältnis und freuen sich herzlich über jedes Wiedersehen. Das diesjährige Treffen wird zum 75. Jahrestag der Schlacht, die einige zehntausend Soldaten das Leben kostete, mit einem internationalen Organisationsteam von Deutschen, Amerikanern, Niederländern und Dänen fünf Tage andauern und ist bereits schon überwiegend ausgebucht.

Der originale US-Truck GMC CCKW 352 von 1942 und der Eigentümer Mark Minderjahn, der historische und technische Details erklärte (rechts), daneben Albert Trostorf, Exkursionsleiter. Foto: Christian Altena

Zu Beginn der Exkursion, die ebenso Teilnehmer jeden Alters angezogen hatte, ergriff spontan Peter Püttgen aus Gressenich das Wort. Eindrücklich waren seine Schilderungen der Ereignisse, wie er sie als siebenjähriger Junge im Herbst 1944 erlebt hatte. Seine Familie war die erste, die am 19. September auf einem Fuhrwerk Gressenich verließ, um vor den Schrecken des Krieges zu fliehen. Für eine weitere, geplante Überraschung sorgte am Ende des gut zweistündigen Weges durch den Wald, zur Kirche und zurück nach Helenasruh Mark Minderjahn. Der Schevenhütter ist Besitzer eines Originaltrucks der US-Armee von 1942, wie er zu Tausenden eingesetzt auch in unserer Region für die Versorgung der Streitkräfte zum Einsatz kam. Der gepflegte Oldtimer sorgte für einen umfassenden Eindruck der damaligen Ereignisse. „Geschichte zum Anfassen“ stellte der 108 PS starke GMC CCKW 352 dar, ein olivgrünes Allzweckgerät, das Minderjahn als Aktivem in „Living History“ schon für TV-Produktionen samt umfassender Materialausstattung zur Verfügung stellte oder auch regelmäßig selbst in Originaluniform auf dem Epochenfest in Jülich präsentiert.

Längst selbstverständlich ist der Frieden heutzutage und Krieg fern, sowohl in Erinnerungen als auch räumlich. „God bless you!“ gab Sheila Trostorf, evangelische Pfarrerin, den Besuchern mit auf den Weg, die einen intensiven Einblick in regionale und Weltgeschichte erhalten hatten.

(alt)