Euregiobahn wird nach Breinig erweitert

Euregiobahn wird erweitert : Im März geht’s am Rüstbach-Viadukt los

Die „Ära des Baggers“ hält in der Kupferstadt schon eine Zeit lang an; im kommenden Jahr betritt ein weiterer Akteur die Bühne. Die Stolberger Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, besser bekannt als EVS, investiert rund fünf Millionen Euro in die Befahrbarmachung der Gleise zwischen Altstadt und Breinig.

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) hat bereits einen Zuschuss über 3,2 Millionen Euro zugesagt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 soll die Euregiobahn fahrplanmäßig Breinig ansteuern können.

Die wesentliche Herausforderung für die EVS ist dabei der Abriss und der Neubau des Rüstbach-Viaduktes. Dieses liegt kurz hinter der Bleihütte und vor dem Asphaltmischwerk und dem Umschlagpunkt in der Rüst, von wo unter anderem das Halbzeugwerk Schwermetall mit Vorprodukten beliefert wird. Derzeit kann das im Krieg zerstörte und nur provisorisch geflickte Viadukt aufgrund seines Zustandes nur in geringem Umfang und in Schrittgeschwindigkeit befahren werden.

Das soll sich mit dem Neubau ändern, der auf eine Geschwindigkeit von 60 km/h und eine Jahrestonnage von fünf Millionen Tonnen ausgelegt sein soll. Dabei steht die EVS unter zeitlichem Druck. „Aktuell gehen wir davon aus, dass wir im März mit dem Abriss beginnen können“, sagt Thomas Fürpeil. „Der Neubau soll dann im November fertiggestellt sein“, so der EVS-Geschäftsführer weiter. Ähnlich wie das heutige Viadukt soll die zukünftige Brücke auf zwei im Hang stehende Pfeiler ruhen, die allerdings ohne das geschwungene Mauerwerk mit drei Rundbögen der Gründerjahre auskommen wird.

Die Sanierung des Rüstbach-Viaduktes ist erforderlich, um das Etappenziel Breinig fahrplanmäßig bedienen zu können. Der Blick richtet sich bereits heute weiter nach Eupen. Foto: Roland Keller

1881 war die Strecke vom Hauptbahnhof nach Stolberg-Hammer in Betrieb genommen worden: Ein Teilstück vom Bahnhof zur Glashütte St. Gobain hatte man bereits 14 Jahre zuvor dem Verkehr übergeben. Doch Hammer (heute Altstadt) war nur für acht Jahre der vorläufige Endpunkt der Talbahn, wie die neue Strecke rasch genannt wurde. 1889 wurde die Verlängerung der Route über Breinig bis nach Walheim in Betrieb genommen.

Heute wie damals dient die Strecke nach ihrer Reaktivierung – in den vergangenen Jahren gab es lediglich Sonderfahrten zu Festivitäten – dem Personen- und dem Güterverkehr. So wurde bis 1922 das Erz aus der Grube Cornelia im Breiniger Bahnhof von einer Feldbahn auf normale Güterwaggons umgeladen. Bis Ende 1961 war noch zwischen Stolberg und Schmithof via Breinig Personenverkehr durchgeführt worden. Schmithof und als weiteres Ziel Eupen stehen weiterhin auf der Agenda ebenso der EVS wie auch der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Ihr Ministerpräsident Oliver Paasch hatte am 31. März 2017 in der „Stolberger Erklärung“ die Forderung nach „Wiedereröffnung der historischen Linie Eupen – Stolberg“ bekräftigt. Auf diesem Abschnitt muss ebenfalls ein Brückenbauwerk zumindest aufwendig saniert werden: Das achtbogige Falkenbach-Viadukt, das bei der Schlauser Mühle über 145 Meter und bis zu 23 Meter hoch eine Talsenke mit der Inde und der Landesstraße 12 überspannt, kann fahrplanmäßigen Bahnverkehr derzeit nicht verkraften.

Im Januar ist Premiere: In Aue hat die EVS den Güterbahnhof aufgewertet und für den Umschlag von der Schiene auf die Straße vorbereitet. Foto: Jürgen Lange

Für eine Förderung relevant, aber noch nicht bewertet und zurückgestellt hatte Mitte vergangenen Jahres der NVR bei seinen Budgetberatungen den Zuschussantrag der EVS über rund 8,8 Millionen Euro zur Befahrbarmachung der weiteren Route über Breinig hinaus bis zur Bundesgrenze. Mittel eingeworben werden sollen auch bei der EU. Wann eine Realisierung angegangen werden kann, ist noch offen.

Aber die Befahrbarmachung der alten Vennbahnstrecke nach Breinig wird von alles Beteiligten als erster Schritt in Richtung Eupen gewertet. Die EVS gilt gemeinhin als Meister der Salami-Taktik. Schritt für Schritt ist es ihr seit der Premierenfahrt der Euregiobahn im Juni 2001 gelungen, das Streckennetz immer weiter zu knüpfen. Und zur nächsten Masche werden die fünf Gleiskilometer nach Breinig geknüpft.

Der Abriss des Rüstbach-Viaduktes bedingt auch eine logistische Herausforderung. Bis dato erfolgt nahezu der komplette Wareneingang des Halbzeugwerkes Schwermetall über die Verladestation in der Rüst, die während der Arbeiten nicht von Zügen angefahren werden kann. Über Monate werden Tausende Tonnen Kupferbrammen am Hauptbahnhof entladen und von dort per Lastwagen zum Breinigerberg gekarrt. Das wird sich auf der Europastraße (L 238) bemerkbar machen.

Bislang werden die Vorprodukte für die Eschweiler Röhrenwerke im Stolberger Hauptbahnhof umgeschlagen. Foto: Jürgen Lange

Allerdings erfährt diese Landesstraße eine leichte Entlastung. Von Januar an werden die Vorprodukte für das Eschweiler Röhrenwerk ESW im Bahnhof Aue umgeladen. Dort hat die EVS ihren mehrgleisigen Güterbahnhof saniert und eine großflächige Verladezone geschaffen – im Grunde genommen ein weiterer Schritt hin zum Euregio-Railport mit Zweigstelle in Aue. Bis dato werden die aus Italien und Kroatien kommenden Vorprodukte im Stolberger Güterbahnhofsbereich an der Haldenstraße umgeschlagen und per Lkw ins Röhrenwerk geliefert.

Aber auch an weiteren Stellen im Stolberger Stadtgebiet wird die EVS aktiv. Einhergehend mit der Reaktiverung der Strecke nach Breinig wird nicht nur im dortigen Bahnhof der Haltepunkt ausgebaut, sondern auch ein zusätzlicher Bahnsteig am Übergang im Steg.

Darüber hinaus werden in der Innenstadt die beiden Haltepunkte Schneidmühle und Rathaus komplett ausgebaut. „Wir haben dort in Details ein paar Baumängel“, sagt Fürpeil. „Wenn wir die beheben, dann wollen wir die Haltepunkte auch richtig neu machen.“

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