Stolberg: Euregiobahn steht ab 2017 unter Strom

Stolberg: Euregiobahn steht ab 2017 unter Strom

Die Technik ist installiert, die Möbelpacker leisten ganze Arbeit und völlig planmäßig nimmt die EVS ihre neue Zentrale im Stolberger Hauptbahnhof am Freitag in Betrieb, nachdem sie am Donnerstag ihren Sitz in Weisweiler geräumt und sich in dem Denkmal eingerichtet hat.

Dessen äußere Hülle wird zwar weiterhin saniert und im Inneren muss an Service-Punkt und Toiletten noch letzte Hand angelegt werden, doch nicht überall läufts so rund beim Ausbau der Strecke für die Euregiobahn, was aber nicht die EVS zu verantworten hat.

Erneut ist der Zeitpunkt für den Ringschluss zwischen Alsdorf und Stolberg verschoben worden - zum mittlerweile dritten Mal. „Der für Dezember geplante Termin ist einfach nicht mehr zu halten”, verweist EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil auf die im vergangenen November gescheiterte Trennung der Netze der Deutschen Bahn von dem des Stolberger Infrastrukturbetreibers. Im August waren noch eigens per Hubschrauber die letzten Signale gesetzt worden, doch gescheitert war das Projekt, weil Subunternehmer Siemens eine erforderliche Genehmigung nicht eingeholt hatte. Jetzt erfolgt vom 17. bis 26. Mai ein erneuter Anlauf, um einen sauberen Schnitt zwischen der Technik für Signale, Weichen und Strecken der Deutschen Bahn und der EVS im Hauptbahnhof zu vollziehen. Er ist die rechtliche und technische Voraussetzung für die Realisierung des Ringschlusses.

„Die Panne im November hat uns insgesamt ein Jahr Verspätung beschert”, verweist Fürpeil nicht nur auf die Folgen für den Personenverkehr. Neben den 28 Gleisen im westlichen Güterbahnhof sollten 14 weitere im östlichen in Betrieb genommen werden. Der Einbau von Weichen ins DB-Gleis am Bahnsteig 2 musste unterbrochen werden. Bereits zwei Mal um ein Jahr verschoben werden musste der Ausbau des Ringschlusses wegen Verzögerungen beim Ankauf des Bahnhofsgebäudes und der Netztrennung sowie Schwierigkeiten beim Ausbau von Bahnübergängen im Nordkreis.

Jetzt wirds wohl 2014 werden, bis die Euregiobahn so richtig rundläuft. Denn eine weitere Hürde gilt es zu nehmen. Zwar soll ab Frühjahr 2013 der bis Alsdorf-Begau fertiggestellte Abschnitt bis St. Jöris verlängert werden, aber eine Fortführung der Strecke nach Stolberg hängt ab von einer Förderzusage des Bundes und des Landes zu einer Elektrifizierung des EVS-Netzes. Rund 20 Millionen Euro werden für die von der Euregiobahn genutzten Strecken kalkuliert. „Dazu muss jetzt zuerst eine Machbarkeitsstudie erstellt, der volkswirtschaftliche Gewinn in einer standardisierten Berechnung nachgewiesen und der Förderantrag gestellt werden”, sagt Fürpeil, der bereits positive Signale zu dem Vorhaben aus Berlin erhalten hat.

Sportliche Herausforderung

Das Projekt ist durchaus eine sportliche Herausforderung für das Team der EVS, denn bis Ende 2016 sollen alle Gleise, über die die Euregiobahn rollt, mit Oberleitungen versehen sein. Das ist bislang mit wenigen Ausnahmen im Stolberger und im Herzogenrather Bahnhof lediglich auf den Abschnitten der DB der Fall. Begründet ist der Zeitdruck in einer Ausschreibung, die Hans-Joachim Sistenich, der Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes und der Nahverkehr Rheinland GmbH, spätestens im kommenden Jahr veröffentlichen will: Ab 2017 soll der Schienengebundene Öffentliche Personennahverkehr in der Region nur noch mit strombetriebenen Zügen erfolgen.

„Das ist ökologisch und ökonomisch sinnvoller”, sagt Sistenich. Schon heute werden mehr als 60 Prozent der Betriebsleistungen der Euregiobahn auf elektrifizierten Strecken abgewickelt, aber mit Dieseltriebzügen. Die belasten die Umwelt mit Schadstoffen und Lärm, die Treibstoffpreise steigen und angesichts steigender Anforderungen im Streckennetz reiche die Fahrdynamik nicht aus. Mittelfristig sei der Dieselbetrieb nicht mehr zu verantworten.

Dagegen seien Elektrotriebzüge kostengünstiger zu beschaffen und zu betreiben; und sie hätten bessere fahrdynamische Eigenschaften, wodurch die Fahrplan- und Betriebsqualität deutlich verbessert werde. Darüber hinaus würden bei einer Elektrifizierung der Strecken von Stolberg nach Herzogenrath sowie nach Langerwehe Bypass-Lösungen für den Fall geschaffen, wenn es auf den DB-Hauptstrecken zu Störungen komme.

Sistenich rechnet damit, dass ein Anbieter etwa 20 neue Zug-Garnituren für die Euregiobahn beschaffen müsste. Derzeit verkehrt im Auftrag des AVV die Deutsche Bahn mit dem Talent auf dieser Regionalbahnstrecke 20. Bei einer Neuausschreibung der Beförderungsleistung für die nächsten 15 bis 22 Jahre wird sich die DB dem Wettbewerb stellen müssen.

Soll das ehrgeizige Elektrifizierungsziel bis Ende 2016 erreicht werden, müssen die Finanzierungszusagen von Bund und Land noch in diesem Jahr eintreffen. Dann können auch die Arbeiten an der Fortsetzung des Ringschlusses zwischen St. Jöris und dem Hauptbahnhof in Stolberg weitergeführt werden. Denn auf diesem Abschnitt steht das große Sorgenkind im „Lehmsief”: Kurz hinter dem Bahnübergang an der Steinbachstraße unterquert die Euregiobahn die Hauptstrecke zwischen Aachen und Köln durch eine Unterführung. Um sie mit Oberleitungen ausrüsten zu können, müssten die Gleise mindestens einen Meter tiefer gelegt werden, um die für eine Durchfahrt erforderlichen Höhen zu erreichen.

Aber dort ist das Naturschutzgebiet Saubachtal eine ziemlich sumpfige Angelegenheit. Zum sicheren Betrieb der Bahnstrecke sollen die Gleise in einer Betonwanne verlegt werden, erklärt Thomas Fürpeil. Heute wäre es wenig wirtschaftlich, die Strecke fortzubauen, um sie anschließend unter Betrieb nachträglich zu elektrifizieren. Bei den bereits aktivierten Strecken nach Herzogenrath, Altstadt und Langerwehe wäre das allerdings erforderlich.

Mit Spannung erwartet wird das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zur Anbindung von Baesweiler an das Schienennetz der Euregiobahn, das Ende Mai avisiert ist. Zur Diskussion steht unter anderem eine Streckenführung über Merkstein in Richtung Carl-Alexander-Park oder von Alsdorf über Kellersberg und Siersdorf nach Baesweiler, wo aus früheren Zeiten Bahnanlagen noch teilweise vorhanden sind. Noch nicht ganz so weit sind EVS und AVV bei einem immer wieder diskuierten Anschluss von Breinig an die Stolberger Altstadt-Strecke. „Aber auch das ist nicht aus den Augen verloren”, versichert Thomas Fürpeil.

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