Euregiobahn-Halt im Steg oder Anschluss von Schmidthof

Haltepunkt nur als Plan : Der „Geisterbahnsteig“ an der Schützheide

Der angedachte Haltepunkt am Bahnübergang im Steg wird nicht gebaut. Die Fahrzeit der Euregiobahn für einen Halt dort reicht nicht aus.

Zudem wäre das selbst dann ein K.-o.-Kriterium, wenn die Strecke der Regionalbahn 20 elektrifiziert ist: entweder der Haltepunkt am Rande der Schützheide oder eine Reaktivierung der Strecke bis Schmidthof, sagt der NVR. Die Beschreibung ist präzise: „Die Zuwegung des Haltepunktes „Im Steg“ soll über die Straße „Im Steg“ aus über einen 2,00 m breiten und ca. 20,00 m langen gepflasterten Weg führen, der mit einer für Rollstuhlfahrer geeigneten Längsneigung von ca. 3 Prozent Längsneigung und einem benötigten Zwischenpodest von 2,00 m x 1,50 m geplant ist ...“, heißt es noch in der Vorlage der Verwaltung für den Ausschuss für Stadtentwicklung.

Der hatte noch kurz vor dem beginnenden Straßenkarneval nicht nur eine positive Stellungnahme im Rahmen des bei der Kölner Bezirksregierung laufenden Plangenehmigungsverfahren auf Basis des Allgemeinen Eisenbahngesetzes abgegeben. Darüber hinaus hat er die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) als Investor und Betreiber der Bahninfrastruktur den umfangreichen Ausstattungskatalog für Bahnhaltepunkte des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR) noch einmal wärmstens ans Herz gelegt. Mit 51.900 Euro werden die Kosten der Mindestausstattung beziffert: B+R-Anlage, Dynamische Fahrgast-Information, Notrufsäule, Stele, Uhr und Wegweiser.

„Anschluss an Zugverkehr in Umsetzung (lnbetriebnahme 2020)“, steht in dem Mobilstationskonzept des NVR geschrieben.

Bahnhof Breinig zu nah

Nur in Betrieb genommen wird der Haltepunkt gar nicht. Er wird nicht einmal gebaut. Denn im Fahrplan der Euregiobahn, die ab Dezember dieses Jahres planmäßig über den Haltepunkt Altstadt hinaus den Breiniger Bahnhof anfahren soll, fehlt einfach die Zeit, um mal kurz neben dem Bahnübergang im Steg Schützheide anzuhalten. Der Haltepunkt an der Schützheide ist erst einmal nur ein „Geisterbahnsteig“, der lediglich als Plan existiert.

Die Idee ist, ein Angebot zu schaffen insbesondere für die Siedler im Bereich des Neubaugebietes sowie die Nutzer und Besucher des Breiniger Sportzentrums. Sie ist fast vergleichbar mit der Vision, für Touristen einen Bedarfshalt zwischen Hauptbahnhof und St. Jöris nahe der beliebten Ausflugsziele Steinbachshochwald und Forsthaus Weiden einzurichten.

Aber dort im Wald wird die Euregiobahn aus Sicht des NVR absehbar nie halten. „Der Fahrplan auf der Ringbahn ist bereits heute so eng getaktet, dass für die Anschlüsse etwa nach Stolberg-Altstadt und in Richtung Aachen nur wenige Minuten Umsteigezeit zur Verfügung stehen“, sagt Jessica Buhl. „Ein weiterer Haltepunkt lässt sich im Fahrplan nicht abbilden“, erklärt die Sprecherin des NVR, der den Personenzugverkehr in Auftrag gibt. Nicht einmal mit der bis 2025 geplanten Elektrifizierung der Euregiobahn-Strecken, durch die die Züge schneller und flexibler verkehren können, werde ein Haltepunkt Steinbachshochwald realisierbar.

Lediglich der Bahnsteig im Breiniger Bahnhof wird in diesem Jahr für den Anschluss an die Euregiobahn ausgebaut. Foto: Jürgen Lange

Selbst ohne diesen Halt wird dann „der geplante Fahrplan nur mit sehr leistungsstarken elektrischen Fahrzeugen fahrbar sein“, sagt Buhl. Immerhin könnte der Ausbau des Oberleitungsnetzes einen kleinen Hoffnungsschimmer für einen Bahnsteig an der Schützheide mit sich bringen – mit einem ganz großen Vielleicht versehen.

Gut fünf Millionen Euro – 3,62 Millionen davon steuert der NVR bei – stehen derzeit zur Verfügung für die jetzt anlaufenden Investitionen in den fünf Kilometer langen Abschnitt zwischen Altstadt und Breinig. Den Großteil der Investition fließt dabei in den Abriss und Neubau des Rüstbach-Viaduktes, das auf eine Geschwindigkeit von 60 km/h ausgelegt werden soll.

„Der mit der EVS abgestimmte Ausbau der Strecke lässt keine allzu großen Geschwindigkeiten auf dem Abschnitt zu“, erläutert Jessica Buhl. Die EVS selbst spricht immer nur bescheiden von einer „Befahrbarmachung“. Buhl: „Ein zusätzlicher Halt ,Im Steg’ würde den Fahrplan insgesamt und wertvolle Bus-Anschlüsse für die Fahrgäste in Breinig gefährden“. Angesichts der geringen räumlichen Entfernung zum Bahnhof Breinig – es sind rund 500 Meter – bestehen beim NVR „generell Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Halts“ am Rande der Schützheide.

K.-o.-Kriterium für Walheim

Mehr noch: „Darüber hinaus würde der zusätzliche Halt die perspektivisch erwogene Erschließung über Walheim bis nach Schmithof verhindern“, erklärt die VR-Sprecherin und weiter: „Diese mögliche Streckenverlängerung wird im Rahmen des Bedarfsplanes des Landes NRW neu bewertet.“ Immerhin ist erst im Januar der komplette Stolberger Zweig der Vennbahn vom Hauptbahnhof über Altstadt und Breinig nach Walheim und Schmithof sowie darüber hinaus bis ins belgische Eupen mit dem Vermerk „Sonderfinanzierungsprogramm Verkehr“ im Szenario für den deutschen Kohleausstieg aufgeführt. Übrigens wie alle Zukunftspläne für den weiteren Ausbau der Euregiobahn und ihrer Strecken auch.

Ein Bahnsteig im Steg wird beim NVR offensichtlich als K.-o.-Kriterium gewertet: „Aus Gründen der Fahrzeit ist nach derzeitiger Übersicht nur eines von beiden möglich“, so Buhl weiter: entweder eine Verlängerung über Walheim hinaus nach Schmidthof oder der Halt im Steg.

Selbst wenn die Euregiobahn ab 2025 elektrisch betrieben wird, würde aus Sicht des NVR ein Halt am Rande der Schützheide die Verbindung über Breinig hinaus nach Schmithof gefährden. Foto: Jürgen Lange

Für die Macher des schienengebundenen Personennahverkehrs zählen die Fakten. „Hier ist eine Abwägung zwischen der Erschließungswirkung von Schmithof und des Haltepunktes am Steg vorzunehmen“, betont Jessica Buhl: „Für Schmithof spricht neben der besseren Erschließung, dass dort zusätzlich eine weitere Möglichkeit der Verknüpfung mit dem Busnetz in Richtung Eifel besteht.“

Und gegen den Haltepunkt im Steg wiegt zudem die Tatsache schwer, dass der Abstand zum Breiniger Bahnhof sehr kurz ist und „damit die zusätzliche Erschließungswirkung begrenzt ist.“

Angesichts dieser Einschätzung des Zweckverbandes mit Dienstsitz in Köln räumt im Stolberger Hauptbahnhof selbst Thomas Fürpeil ein: „Wir werden den Haltepunkt im Steg jetzt nicht ausbauen“, so der Geschäftsführer der EVS. „Wer baut schon ein Haus, in dem niemand wohnt?!“ Neben dem Neubau des Rüstbach-Viaduktes und der Befahrbarmachung der Strecke bis Breinig werde ausschließlich der Haltepunkt im dortigen Bahnhof realisiert.

Im vergangenen August war der Breiniger „Geisterbahnhof“ noch fest in der Hand der Natur. Foto: Jürgen Lange

Aber dennoch liegen für den Bahnsteig am Rande der Schützheide fertige Entwürfe vor, die Bestandteil aller für die Reaktivierung der Strecke erforderlichen Antragsverfahren sind. Bezirksregierung, Städteregion und Stadt beschäftigen sich mit dem „Geisterbahnsteig“ ebenso fachlich wie mit all den anderen Bestandteilen der Strecke. Sogar der Naturschutzbeirat wurde bemüht, weil 40 von 180 Quadratmeter Bahnsteig das angrenzende Naturschutzgebiet tangieren.

„Das ist eine Planung auf Vorrat“, sagt Fürpeil dazu. Der Stolberger Infrastrukturbetreiber, auf dessen Gleisen die Euregiobahn nur fährt, schätzt eine Realisierung des Haltepunktes ganz offensichtlich anders ein als der NVR, der den Verkehr ja bestellt. Anderenfalls würde die für ihre „Salami-Taktik“ bekannte, privatrechliche EVS die Planungskosten erst gar nicht stemmen.

Ausschreibung nicht publiziert

Derweil arbeitet der NVR mit Hochdruck an einer Interimsausschreibung, mit der der Betrieb der Euregiobahn bis Ende 2024 sichergestellt werden soll. Nachdem zuerst die Vergabe eines elektrischen Zugangebotes zum internationalen Fahrplanwechsel im Dezember 2020 angestrebt war, war zwischenzeitlich der Vertrag mit der DB Region mit den Dieseltriebwagen um ein Jahr bis Ende 2021 verlängert worden. Nun soll eine ergebnisoffene Neuvergabe mit Dieselfahrzeugen für weitere vier Jahre erfolgen. „Die Ausschreibungsunterlagen für die Interimsvergabe werden aktuell finalisiert“, sagt Jessica Buhl dazu. Sie sollten ursprünglich bereits im vergangenen Sommer veröffentlicht werden.

euregiobahn, HP Im Steg, Bhf Breinig. Foto: Jürgen Lange

Derzeit rechnet der NVR damit, dass erst ab 2025 die Euregiobahn mit Elektrofahrzeugen betrieben werden kann. Dann soll auch der heute fehlende Anschluss dieser Regionalbahn 20 von der Eschweiler Talbahn in Richtung Stolberg zu allen Verkehrszeiten hergestellt werden. Das hatte die Verbandsversammlung zumindest im Oktober 2017 so beschlossen.

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