Stolberg: Erzieher sind in Kitas weiterhin in der Minderheit

Stolberg: Erzieher sind in Kitas weiterhin in der Minderheit

Einige Eltern sind erst einmal überrascht, wenn sich Daniel Hennigs als Erzieher vorstellt. Ein Mann im Kindergarten? „Aber nach der ersten Verwunderung sind die Reaktionen eigentlich durchweg positiv“, sagt Hennigs. Er arbeitet in der integrativen Kindertagesstätte im Familienzentrum an der Franziskusstraße.

Die frühkindliche Pädagogik ist in Deutschland noch überwiegend Aufgabe von Frauen. Laut einer Statistik des Bundesamts für Familie lag der Anteil männlicher Erzieher in Kindertagesstätten 2011 bei 2,9 Prozent. Einerseits zeigt der Zuwachs männlicher Erzieher von 92 Prozent zwischen 2001 und 2011, dass die Kindererziehung auch im Bewusstsein männlicher Mitbürger an Bedeutung gewinnt, und die typischen Berufsmuster zwischen Männer- und Frauenberufen nach und nach weiter Aufweichen.

Andererseits weist der vergleichsweise fast verschwindend geringe Anteil von Männern in der Gruppen- und Einrichtungsleitung der Kindertagesstätten darauf hin, dass die professionelle Kindeserziehung immer noch ein Frauenberuf ist. Auch ein allgemeines Problem in den sozialen Berufen könnte den geringen männlichen Anteil in Erzieherberufen mit beeinflussen: Die Ausbildung ist schlecht oder gar nicht bezahlt. Das Gehalt später nach Abschluss der Ausbildung ist nicht unbedingt üppig, und die Aufstiegschancen sind eher gering.

Daniel Hennigs hat sich davon nicht einschüchtern lassen. Ein Pflichtpraktikum zu Schulzeiten hat er im Kindergarten absolviert. Nach der Schule hat Hennigs sein Fachabitur im Sozial- und Gesundheitswesen gemacht. Das Fachabitur war begleitet von Berufspraktika, die er alle im Kindergarten absolvierte. „Ich hätte auch welche im Heimbereich machen können. Ich habe mich aber damals dazu entschlossen, im Bereich der Kindergärten zu bleiben.“ Schlechte Reaktionen oder Vorurteile sind Hennigs bei seiner Berufswahl nicht begegnet. „Die eine oder andere Mutter oder mancher Vater hat anfangs schon komisch geguckt“, lacht er, „aber das hat sich schnell gelegt.“ Die Reaktionen der Eltern sind überwiegend positiv. Damit einher geht ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung des männlichen Anteils in der Kindererziehung. „Die Kinder sind acht Stunden am Tag hier. Dabei merkt man schon, dass sie auf Männer anders reagieren als auf Frauen“, erklärt Hennigs. „Ich bin eben eher Derjenige, der mit den Kindern draußen Fußball spielt und mit ihnen herumtollt.“

Viele Eltern wüssten noch gar nicht, dass es überhaupt Männer in diesem Beruf gibt, sagt Hennigs. Auch gäbe es noch immer starke Vorurteile gegenüber der Berufsgruppe der Erzieherinnen und des Erziehers im Allgemeinen: „Viele Menschen denken eben, man säße hier nur rum, würde mit den Kindern ‚Mensch ärgere dich nicht‘ spielen und mit den Kolleginnen Kaffee trinken.“

Dabei sei der Beruf fordernd und oft auch anstrengend. Rückenbeschwerden seien keine seltene Begleiterscheinung bei Kindergärtnern, aber auch der hohe Lärmpegel verlange Durchhaltevermögen. „Außerdem fordert Kinderbetreuung auch ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit. Diese Punkte kennt eigentlich jeder, der schon mal einen Kindergeburtstag ausgerichtet hat“, sagt Hennigs. Trotzdem macht ihm der Beruf viel Spaß. „Strahlende Kinderaugen sind eben durch nichts zu ersetzen!“ Der Beruf sei sehr abwechslungsreich, erklärt er. Besonders die Zusammenarbeit mit den Familien mache ihm Spaß und auch die integrative Leistung die das Familienzentrum vollbringt: „Ich lerne hier viel über verschiedene Kulturen. Vor allem ist aber die Stimmung der Kinder immer unterschiedlich. Jeder Tag ist anders und eine neue Herausforderung.“ Nicht nur Hennigs ist begeistert von seiner Arbeit in der Kindertagesstätte, auch die Kinder und Kollegen sind froh über die männliche Unterstützung. „Wir arbeiten gerne und auch gut mit Daniel Hennigs zusammen“, betont die Leiterin der Kindertagesstätte, Christa Haupts. „Es ist schön zu sehen, dass sich das Berufsbild verändert und auch für Männer attraktiv sein kann.“