Stolberg: Erneuerbare Energien als Chance für Kommunen

Stolberg: Erneuerbare Energien als Chance für Kommunen

„Die Energiewende ist machbar und bietet insbesondere den Kommunen viele Chancen”, erläuterte Oliver Wagner in seinem Vortrag bei einer Mitgliederversammlung des SPD Ortsvereins Nord-Süd. Der Projektleiter am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sprach sich konsequent für Weiterentwicklung und Nutzung von erneuerbare Energie aus.

„Experten schätzen, dass wir weltweit in spätestens 200 Jahren über keine fossilen Energieträger mehr verfügen. Dies betrifft sowohl Öl, Erdgas und Kohle als auch Uran. Der Wechsel hin zu regenerativen Energien muss also zwingend erfolgen - unabhängig vom Atomausstieg”, betonte Wagner.

Keine Komforteinbußen

Vorbehalten wie Energieknappheit oder Kostenanstieg hielt er positive Effekte entgegen: 1998 waren in Deutschland die erneuerbaren Energien rund 66.000 Arbeitsplätzen verbunden, 2010 bereits mit mehr als 367.000. Dem standen im Vorjahr lediglich 100 000 Arbeitsplätze im Bereich Kohle- und Atomenergie gegenüber. Durch regenerative Energie könne bis zum Jahr 2030 der Ausstoß von Treibhausgasen um ein Drittel vermindert werden - ohne Komforteinbußen für die Bevölkerung.

Schon bis 2020 könnten 40 Prozent der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen, und die Kosten für die Verbraucher würden nur um 0,5 bis einen Cent pro Kilowattstunde steigen. Dabei könnten privat wie öffentlich ohnehin noch eine Menge unnötiger Energiekosten eingespart werden: „Nicht nur TV-Geräte und Musikanlagen, sondern auch Computer, Drucker, Modems, W-Lan-Router usw. verbrauchen oft 24 Stunden täglich Strom, auch wenn sie vermeintlich abgeschaltet sind.”

Diese Geräte auch in den kommunalen Verwaltungen, Schulen und Kindertagesstätten an ausschaltbare Steckdosenleiste zu koppeln und bei Dienstende tatsächlich abzuschalten, spare viel Energie und Geld. Die Verpachtung öffentlicher Dach- und Grundflächen zwecks Gewinnung von Strom aus Photovoltaik- beziehungsweise Windkraftanlagen könne für die Kommunen zudem eine willkommene Aufbesserung ihrer Haushalte sein. „Bisher geht das Geld aus den Kommunen raus, damit Energie rein kommt. Wird erneuerbare Energie vor Ort produziert, bleibt das Geld in den Kommunen, die außerdem von Mehreinnahmen durch die Gewerbesteuer profitieren”, bilanzierte Wagner.

Langfristige Einsparungen würden über die energetische Sanierung des öffentlichen Gebäudebestands entstehen. Für „klamme” Kommunen regte Wagner ein Finanzierungsmodell aus privaten Mitteln an, wie es das Wuppertal Institut bereits erfolgreich umgesetzt habe: „Durch die effektiven Einsparungen bei den Energiekosten tilgt die Kommune die Einlagen der Investoren und kann ihnen zwischen fünf und sieben Prozent Zinsen ausschütten. Es ist eine lonende Geldanlage für beide Seiten.”