Erinnerung an die Nazi-Verbrechen

Holocaust-Gedenktag : Erinnerung an die Nazi-Verbrechen

Der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist ein deutscher wie internationaler Gedenktag für die Toten des Holocaust und die Opfer des Nationalsozialismus. Auch Stolberg muss Geschichte aufarbeiten.

Millionenfaches Morden und unsägliches Leid hatten am 27. Januar 1945 ein Ende, und die Erinnerung ist das Unterpfand, dass die Menschheit nie wieder einen vergleichbaren Tiefpunkt an Barbarei und Negierung von humanen Werten zulassen wird. Stolberg hatte eine kleine jüdische Gemeinde, vollständig ausgelöscht durch das Wüten der Nazis. Einige konnten fliehen aus ihren Wohnorten in der Innenstadt und in Gressenich, die meisten wurden ermordet. Genannt seien beispielsweise die Familien Imdorf, Zinader oder Wolff. So wie das Leid auf der untersten, kleinsten Ebene von Kommunen, Ortsteilen, in Familien stattfand, liegt dort auch etwas von der Verantwortung für das Erbe, das kurz mit einem „Nie wieder!“ formuliert werden kann.

Verfolgung auch in Stolberg

Der Nationalsozialismus, der Faschismus, der Rassenwahn waren und sind totalitäre, menschenfeindliche Ideologien, mit Toleranz unvereinbar. Sechs Millionen jüdische Bürgerinnen und Bürger fielen ihnen zum Opfer, dazu viele weitere Menschen, die im Wahn der Nazis keinen Platz haben sollten. Sinti und Roma wurden auch in Stolberg verfolgt, deportiert und ermordet, aber auch homosexuelle Menschen, psychisch Erkrankte, körperlich Behinderte. Und für ihren Glauben mussten Zeugen Jehovas, Katholiken sterben, für ihre politische Überzeugung Sozialdemokraten, Kommunisten, Freimaurer.

Kaplan Joseph Dunkel war ein katholischer Geistlicher in Stolberg und im Widerstand aktiv, Fritz Keller, Pfarrer in Atsch, bezahlte sein Engagement mit dem Leben. Zwangsarbeiter wurden aus ihrer Heimat verschleppt, in Stolberger Betrieben eingesetzt. Viele kamen zu Tode. „Stolpersteine“; Straßennamen und Gedenkstätten erinnern an viele Namen. Nicht alle Verfolgten wurden dauerhaft in Lager verschleppt und umgebracht.

Viele Menschen, die nicht ins ideologisch enge Weltbild der Nazis passten, wurden terrorisiert, diskriminiert, menschlich gebrochen oder ruiniert. In Stolberg beispielsweise Wilhelm Sybertz als Stadtverordneter der Zentrumspartei, Juliane Decker als KPD-Politikerin, die bis 1945 im KZ Ravensbrück eingesperrt war, oder Ludwig Philipp Lude als Widerstandskämpfer aus den Reihen der SPD. Viele weitere wären zu nennen.

Viele Menschen bedroht

Jeder, der ein selbst bestimmtes Leben führen wollte, war bedroht. Es gab viele Einzelschicksale von unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern, die zu Opfern des Nationalsozialismus wurden. Viele Menschen verloren ihre Arbeit, wurden strafversetzt oder kaltgestellt. Viele weitere Schicksale sind noch aufzuarbeiten, um den totalitären Wahn der Nazis ganz zu beschreiben.

1945 begann die Aufarbeitung und Wiedergutmachung der Verbrechen des NS-Regimes. Auch „ganz unten“ auf kommunaler Ebene, wie Unterlagen des Stadtarchivs Stolberg dokumentieren. Die Akte 731 der Gressenicher Gemeindeverwaltung enthält die besonderen Fürsorgemaßnahmen für politisch Verfolgte, derer es gemäß einer Liste von 1946 bspw. in der ehem. Gemeinde mindestens dreißig gab. In Zeiten großer materieller Not waren es Erleichterungen, dass diese Menschen besondere Leistungen an Kleidung, Schuhen, Lebensmitteln und Unterstützung zur Existenzgründung oder zum Erhalt des Lebensunterhaltes bekamen.

Am 8. Februar wurden bspw. fünf Personen knapp fünf Kilogramm an Printen zugeteilt. Heute banal wirkend, in dieser Situation bemerkenswert. Auch beschlagnahmte Zigaretten und Tabak wurden an Opfer ausgegeben. Und nicht zu vergessen sind auch die vielen kleinen guten Taten an Juden, Verfolgten und Zwangsarbeitern, die gute Menschen begingen, um Leid zu lindern und dabei ihr eigenes Leben in Gefahr brachten. Der Gedenktag am 27. Januar erinnert an Auschwitz und muss vor allem die Erinnerung wachhalten, dass es nicht mit Auschwitz anfing.

Heute werden für einige „Gutmenschen“ zum Feindbild, „Linksgrünversiffte“ seien eine Gefahr fürs deutsche Volk, „Flüchtlinge“ seien die Mutter aller Probleme, „Biodeutsche“ hätten mehr Rechte als andere Menschen. In diesen Zeiten tun Agitatoren erste Schritte in einem neuen ideologischen Wahn, der in Diskriminierung, Verfolgung und Schlimmerem gipfeln kann und wird, wenn die Verantwortung für Menschen – und Bürgerrechte nicht verteidigt wird. Es gibt keine Alternative dazu, wenn man die freie, demokratische Gesellschaft nicht der Willkür von Demagogen, Rechtspopulisten und Neonazis aussetzen will.