Stolberg: Erfolge vom Bürgermeister erwartet

Stolberg: Erfolge vom Bürgermeister erwartet

Bei aller Sparsamkeit möchte das junge Paar — übrigens eine absolute Novität in der Stolberger Geschichte — etwas aufbauen, die Zukunft sichern für Kinder und Enkel. Angesichts der klammen Haushaltskasse müssen Prioritäten gesetzt werden.

Dazu gehört an erster Stelle die Bildung, wie Jochen Emonds und Arndt Kohn erläutern. „Ein breites Angebot unterschiedlicher Schulformen, ein umfassendes Angebot an Tageseinrichtungen und zeitgemäße Sportanlagen sind ein Standortfaktor“. So etwas wie eine „all inclusiv“-Betreuung von der Geburt bis zur Ausbildung, gestützt durch ehrenamtliches Engagement, unterstreicht den Stolberger Anspruch, in der Jugendpolitik eine Spitzenstellung in der Region einzunehmen.

Dabei haben SPD und CDU den demografischen Wandel fest im Blick. Die Entwicklung von Neubaugebieten soll nicht nur Geld in die Kassen spülen, sondern auch Familien mit Kinder anlocken, die hier eine Heimat finden und Steuern zahlen. Wohnraum soll preiswert und generationenübergreifend sein, Studenten wie Senioren ansprechen. Wohn- und Pflegeeinrichtungen sollen die Kupferstadt liebenswert erhalten bis ins hohe Alter hinein.

Mit den Klubs möchte die Koalition bis Jahresende Klarheit über das Vorgehen bei Sportplätzen schaffen. Um Zukunft gestalten zu können, setzt das Paar auf Wirtschaftsförderung. „Der Personalabbau in der Industrie ist für uns ein Schock“, sagt Dieter Wolf. Er trifft in erster Linie die Mitmenschen, aber bedeutet für die Stadt auch den Ausfall von Gewerbesteuer. „Es kann nicht sein, dass der Rat beim Wegzug der Krankenkasse Actimonda nicht rechtzeitig eingeschaltet wird“. Camp Astrid ist attraktiv, aber nur wenige Firmen sind angesiedelt; auch das belastet den Haushalt.

Dabei ist die Gewerbesteuer das tägliche Brot, von dem die Kupferstadt lebt. Damit da auch schon mal eine Scheibe Wurst drauf kommt und Stolberg die Mittel, Zukunft zu gestalten, „muss die Wirtschaftsförderung zum Top-Thema werden“, betont Wolf. Deshalb hat die Koalition personelle Konsequenzen gezogen und sie als Chefsache jetzt beim Bürgermeister angesiedelt. Von Ferdi Gatz­weiler werden Erfolge erwartet — und dass er dem Rat darlegt, wie er seine Aufgabe angehen möchte.

Geld verdienen und Gutes für das Klima tun möchte die Koalition mit der Forcierung von erneuerbarer Energie. In kommunalen Immobilien sollen die Energiekosten reduziert werden. Endlich angepackt werden soll das Entwicklungskonzept für die Innenstadt. Angesichtes des engen Korsetts müssen Fördergelder akquiriert und private Eigentümer motiviert werden. Im kommenden Jahr soll ein Zukunftskonzept für die Stadtbücherei erstellt werden.

Am Hauptbahnhof sollen mit einem Parkhaus Parkraum und eine barrierefreie Erreichbarkeit des Bahnsteigs an der Hauptstrecke geschaffen sowie das Umfeld dieses Eingangstores aufgewertet werden. Angesichts des engen Korsetts für das Budget des jungen Ehepaars gilt dieses Programm durchaus als Herausforderung.

Die soll gemeinschaftlich und verantwortet werden. Gemeinsam erschallt auch der Appell an Bund und Land, nicht nur über die Eurorettung, sondern auch über eine verbesserte Finanzausstattung der Kommunen zu reden. „Da ist es beängstigend ruhig geworden“, mahnen Grüttemeier und Wolf. „Die Kommunen brauchen neue Strukturen bei der Finanzierung zum Überleben.“

Und wie lange wird die junge Partnerschaft zwischen SPD und CDU überleben? Bis Ende 2014 ist sie fest verankert; dass es sie darüber hinaus nicht mehr geben könnte, mag sich heute angesichts der gut funktionierenden Zusammenarbeit keiner so recht vorstellen. Aber einen Treueschwur über den nächsten Wahltag hinaus mag das junge Paar dann doch nicht abgeben.