Stolberg: Enwor will der EWV die Erdgas-Kunden streitig machen

Stolberg: Enwor will der EWV die Erdgas-Kunden streitig machen

Der Kunde ist König, und der war noch nie so umworben wie heute.

Nun auch beim Erdgas, bei dem sich jetzt auch regionale Anbieter den Markt streitig machen.

Stolberger Wasserkunden der Enwor staunten nicht schlecht, als ihnen jetzt der Kohlscheider Versorger seinen „Heimvorteil” per Anschreiben nebst Vertragsformular anbietet: „Um die Versorgung aus einer Hand komplett zu machen, bieten wir jetzt auch Erdgas in ihrer Stadt an”, schreibt das Unternehmen, das erst seit 2004 mit der Übernahme des Wasserwerks von der EWV in der Kupferstadt präsent ist.

Nun akquierieren die Kohlscheider im Stammgebiet der EWV auch Erdgas-Kunden - pünktlich zum 1.April mit der im Februar angekündigten Preissenkung. Mit einjähriger Vertragslaufzeit bietet der Tarf einen „Heimvorteil” von 0,3 Cent, so dass der Arbeitspreis bei 5,17 Cent/kWh liegt.

„Jeder kann verkaufen, wo er will”, erklärt Unternehmenssprecher Wolfgang Fischer.

Die Bindung an einst existierende Konzessionsgebiete sei gefallen. Auf dem Strommarkt habe der Wettbewerb längst Einzug gehalten, nun folge auch der Gasmarkt.

Und mit ihrem Rundschreiben informiere die Enwor ihre Wasserkunden über das neue Erdgas-Angebot. „Das ist ganz normaler Wettbewerb”, sagt Fischer.

„Wettbewerb ist nicht verboten”, stimmt EWV-Kollege Andreas Ihrig zu. „Nur gewinnt er jetzt an neuer Qualität.” Bereits vor zwei Jahren habe die Enwor bei EWV-Kunden im Nordkreis gewildert.

Nun wolle das Herzogenrather Unternehmen wohl in den Südkreis vorstoßen. Eigene Akquisen im Enwor-Verbreitungsgebiet plant die EWV derweil nicht.

Allerdings informiert sie am Mittwoch per Rundschreiben ihre Kunden mit variablen Tarifverträgen.

Enwor erwecke den Eindruck, „Sie könnten im Verhältnis zur EWV Geld sparen. Das stimmt nicht”, erklärt Udo Müllenberg, Leiter des Vertriebs Privatkunden der EWV, und hält den eigenen Tarif „regioerdgas-fix” mit zweijähriger Laufzeit dagegen. Und dann kostet Erdgas 5,01 Cent/kWh.

Gleichzeitig kündigte das Stolberger Unternehmen seine dritte Preissenkung für dieses Jahr an. Nachdem die EWV zum 1. Februar seine Preise um 7,8 Prozent und zum 1. April um 16,5 Prozent gesenkt hatte, soll zum 1.Juli oder 1.August erneut eine „deutliche Absenkung erfolgen”, so Ihrig. „Details stehen aber noch nicht fest.”

Die Expansionsgelüste des Kohlscheider Versorgers, der ebenso wie Mitbewerber EWV vorwiegend in kommunaler Trägerschaft ist, sehen Kenner der Szene vor dem Hintergrund der Städteregion.

In deren Rahmen soll auch eine Fusion der regionalen Versorgungswirtschaft angestrebt sein.

Für die scheint man sich im Nordkreis schon zu rüsten, auch wenn die Enwor Fusionspläne dementiert. „Einen Zusammenschluss planen wir nicht”, sagte Fischer.

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