Stolberg: „Ensemble van Beethoven”: Außergewöhnliches im Zinkhütter Hof

Stolberg: „Ensemble van Beethoven”: Außergewöhnliches im Zinkhütter Hof

Der Kammermusikabend des „Ensembles van Beethoven” mit Mitgliedern des Beethoven Orchesters Bonn bot im Zinkhütter Hof drei Raritäten.

Beim „Klarinettenquintett B-Dur” für Klarinette und Streichquartett von Anton Reicha, dem „Flötenquintett h-Moll” für Klarinette und Streichquartett von Ferdinand Ries sowie der „Sinfonie Nr. 3 Es-Dur” für Flöte, zwei Violinen, zwei Violas, Violoncello und Kontrabass des gleichnamigen Komponisten stellte sich mancher am Ende die Frage, warum sie einem Publikum so lange vorenthalten wurden?

Schon nach den ersten Tönen stand fest, dass man es mit außergewöhnlichen Interpreten zu tun hatte, die sowohl kultivierte Streicherklänge wie auch klangintensive Bläsertöne im besten Dialogstil und in jenem Respekt vortrugen, den gutes Handwerk immer und überall verdient.

Das Ensemble machte seinem Namen alle Ehre. Alles nur Erdenkliche an Stil- und Ausdrucksmitteln, an gestalterischer Intensität und tonlicher Expressivität, an spielerischer Eleganz und Brillanz wurde eingesetzt, um die relativ selten gespielten Stücke zu „adeln” und in den Rang von herausragenden, bedeutenden Kunstwerken zu erheben.

Das Ensemble mit Günter Vallry (Flöte), Henry Paulus (Klarinette), Wolfram Lehnert (Violine), Sonja Wiedebusch (Violine), Thomas Plümachen (Viola), Martin Wandel (Viola), Ulrich Havenith (Violoncello) und Robert Grondzel (Kontrabass) schöpfte alle Reserven an klanglichen Schattierungen überzeugend aus.

Während die Klangfülle eines großen Sinfonieorchesters in der dritten Sinfonie von Ries durch das transparente Klangbild eines nur siebenköpfigen Ensembles ersetzt wurde, spielten beim Eingangsstück nur eine Klarinette und ein Streichquartett. Der Beifall am Ende für dieses „Miniaturorchester” war gewaltig. Als Zugabe wurde das cantable Larghetto aus der dritten Sinfonie von Ferdinand Ries wiederholt.

Über die Hintergründe und den Zusammenhang mit Beethoven berichtete Primarius Wolfram Lehnert vor Beginn des Konzertes:

Anton Reicha, ein französischer Komponist und Musiktheoretiker böhmischer Herkunft, wurde von seinem Onkel adoptiert und folgte ihm, einem Violoncellisten und Konzertdirektor, nach Bonn wo er Ludwig van Beethoven kennenlernte und ihn das Geigenspiel lehrte. Bis an ihr Lebensende blieben sie befreundet. Als Musiktheoretiker und Lehrer von Adolphe Adam, Hector Berlioz, Franz Liszt , Cäsar Franck und Charles Gounod gewann Reicha bleibende Bedeutung wogegen seine Bläserquintette und Streichquartette noch relativ unbekannt sind.

Die Bekanntschaft mit der Familie Ries machte Beethoven im jungen Alter als er bei Ferdinands Vater (Anton Ries) eine Zeitlang Klavierunterricht erhielt. In Wien bekam dann Jahre später Ferdinand Klavierunterricht bei Beethoven.

Als deutscher Pianist und Komponist blieb er relativ unbekannt, aber als Sekretär Beethovens, der sich um die Verlegung und Verbreitung seiner Werke kümmerte, machte er sich einen Namen. Von 1834 bis 1836 leitete Ferdinand Riesa das städtische Orchester Aachen und zwischen 1825 und 1837 die Niederrheinischen Musikfeste. Ries gilt als Wegbereiter der Romantik, denn Robert Schumann studierte als junger Mann die Sinfonien von Ferdinand Ries.

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