Endspurt an den Haltestellen

EVS investiert eine Million Euro : Ab Samstag fährt die Euregiobahn wieder zur Altstadt

„Datt es de eenzige Baustell, bei d’r et vöran jeht“, sagt der Stolberger, der sich als Modellbahn-Fan outet, beim Blick von Überführung der Europastraße auf den Bahnsteig am Rathaus. Endspurt heißt es dort für die Truppe von Daniel Karpenko.

Am Samstag nimmt die Euregiobahn wieder ihren regulären Betrieb auf der Achse durch die Innenstadt auf. Am Freitagabend sollen die beiden Haltepunkte Schneidmühle und Rathaus verkehrssicher fertiggestellt sein.

Ein Zeitfenster von drei Wochen hat Karpenko und sein Team für Abriss, Entsorgung und Neubau der Bahnsteige der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH. Für den Bauleiter des Eisenbahnbau-Spezialisten Albert Fischer aus dem niedersächsischen Elze gehört ein eng gesteckter Terminplan zum beruflichen Alltag. Und Stolberg kennt Daniel Karpenko bereits bestens. Zumindest den Hauptbahnhof. Im Auftrag der DB hat seine Mannschaft im Juni 2018 an einem Wochenende die alten Unterführungen zum Mittelbahnsteig beseitigt und in einer Nacht des Januars 2017 den „filigranen Laufsteg“ über die vier Gleise gesetzt. Stets blieb Karpenko zumindest in der Kupferstadt innerhalb seines Zeitkorridors. Und so ist er auch zuversichtlich, dass die Kunden der Euregiobahn am Samstag wieder pünktlich und sicher in den Zug steigen können. „Das wird klappen“.

Ingrid Eisenburger und Daniel Karpenko sind zuversichtlich, dass am Samstag die Euregiobahn wieder pünktlich verkehrt. Foto: Jürgen Lange

Dabei sehen die Baustellen am Montag noch nach viel Arbeit aus. Immerhin werden bereits die Lampen und die Überdachungen der Wartehäuschen gesetzt. Am Dienstag stehen die ersten Elemente der blauen EVS-Ausstattung mit Mülleimern, Bänken und Vitrinen. Am Mittwoch werden die Scheiben in die Unterstände eingesetzt und am Donnerstag laufen die Arbeiten an den Rampen zur Herstellung der Barrierefreiheit sowie erste Asphaltarbeiten im Bauumfeld an der Schneidmühle.

Nur Details werden nach der Wiederaufnahme des Zugbetriebs montiert – bewusst. Beispielsweise die Geländer. Sie werden erst aufgemessen, wenn alles fertig ist. „Damit trotz der Bautoleranzen alles genau passt“, sagt Karpenko. Vorfertigen und anschließend Anpassen macht mehr Arbeit und ist teurer.

Sichtbare Unterschiede: Der Haltepunkt Rathaus am Montagnachmittag, ... Foto: Jürgen Lange

Rund 500.000 Euro investiert die EVS in jeden der beiden Haltepunkte. Projektleiterin Ingrid Eisenburger ist voll des Lobes für die Mitarbeiter von Daniel Karpenko. „Sie haben selbst bei der großen Hitze zu Beginn des Projektes durchgearbeitet“. Da kam Eisenburger auch einmal mit kühlen Erfrischungen vorbei. Und auch hübsche Damen einer Stolberger Beautybar brachten als „Sommerengel“ Anfang Juli den Arbeitern Wasserflaschen. Immerhin schuften die sieben Tage lang in der Woche vom frühen Morgen bis in den späten Nachmittag. Nur so lässt sich auch der enge Terminplan einhalten.

Erforderlich wurden die Arbeiten, um die Verkehrssicherheit der beiden 18 Jahre alten Haltepunkte weiterhin garantieren zu können. Aufgrund ihrer Bauweise konnte die EVS den Zustand der Eisenbewehrungen in den T-förmigen Betonträgern für die Bahnsteigsbasis nicht kontrollieren. Salzhaltiges Tauwasser zieht im Laufe der Jahre das Eisen in Mitleidenschaft.

... und der Haltepunkt Rathaus am Donnerstagvormittag. Foto: Jürgen Lange

„Wenn wir etwas machen, machen wir das richtig“, begründet EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil die Entscheidung zum kompletten Neubau. „Die Sicherheit geht bei uns immer vor.“ Allerdings musste sich die EVS nach den vorgegebenen eher engen Platzverhältnissen richten. Die neuen Haltepunkte haben die gleichen Abmessungen wie die alten – mit einer leicht verbesserten Komfortausstattung, Treppen an beiden Seiten und Rampen für die Barrierefreiheit.

Aber die Konstruktion der Bahnsteige ist jetzt eine andere. Herausragend ist dabei die am Rathaus, weil der Platz zwischen Straße und Schiene besonders eng ist, aber ein dicker Leitungskanal untergebracht werden muss. Deshalb hat sich Ingrid Eisenburger für eine Bahnsteigkante entschieden, wie sie eigentlich bei S-Bahnstrecken eingesetzt wird: ein U-förmiges Profil, das am Gleis als Schutzraum für Menschen dienen kann. Dort läuft nun der Versorgungskanal.

Am Donnerstagmorgen laufen an der Schneidmühle bereits die Asphaltarbeiten, während am Rathaus die Randsteine für die Rampe gesetzt werden. Foto: Jürgen Lange

Allerdings sind S-Bahnsteige 96 Zentimeter hoch, die Euregiobahn bedient 76 Zentimeter hohe Haltepunkte. Kurzerhand wird die vordere Bahnsteigkante etwas tiefer in den Boden eingegraben. Die hintere Kante bildet ein L-Profil – so wie es alle Seiten am Haltepunkt Schneidmühle begrenzt.

Der Trog wird mit einem Mineralgemisch aufgefüllt sowie mit den nötigen Stromleitungen und Wasserabflüssen versehen. Die Bahnsteigsausstattung wird in Beton gesetzt und der Bahnsteig gepflastert. Wobei ein graues Pflaster die zuvor hellen Steine ersetzt. Dadurch hebt sich das taktile Leitsystem zur Barrierefreiheit besser ab.

An der Schneidmühle hat der Bahnsteig die übliche Regionalbahnkante. Im Hintergrund ist erkennbar, dass die Stadt mit den Arbeiten an der neuen P+R-Anlage begonnen hat. Foto: Jürgen Lange

Zudem hat die EVS den Zeitraum genutzt, das vom Hauptbahnhof zur Altstadt abzweigende Gleisbett 27 im Bereich des Bahnübergangs Münsterbachstraße zu überholen, Betonschwellen zu ersetzen und die Strecke weiter frei zuschneiden, damit auch in stürmischen Zeiten die Euregiobahn sicher über die Gleistrassen der EVS rollen kann.

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