„Ein Fest mit Knalleffekt für alle Stolberger Jecken“

Interview zum Wochenende : „Ein Fest mit Knalleffekt für alle Stolberger Jecken“

In Vicht und in der gesamten Kupferstadt ist er bekannt – als Karnevalist, als Ehrenamtler, als Politiker und als Lehrer. Jetzt wird aus Jochen Emonds der Stolberger Burggraf, wenn er am Sonntag, 27. Januar, gegen 12 Uhr im Wahrzeichen der Stadt als Jochen I. proklamiert wird. Dirk Müller sprach mit dem designiertem Burggrafen im Wochenend-Interview.

Wie kam es, dass Sie nun Burggraf werden?

Emonds: Bei dem 2018er Burggrafenfest von Robert Voigtsberger hat Prof. Dr. Roland Fuchs, der „Chef des Burggrafen-Komitees“, mich gefragt, ob ich es mir vorstellen kann, diese Würde auszuüben. Das konnte ich, habe aber zuerst Rücksprache mit meiner KG, den Närrischen Lehmjöresen Vicht, gehalten. Denn es war mir einfach wichtig, dass die KG Vicht mich als Burggrafen unterstützt, und wir mit allen Stolbergern ein tolles Fest feiern.

Welche Rolle wird die KG Vicht denn beim Burggrafenfest spielen?

Emonds: Zunächst werden zahlreiche aktive Närrische Lehmjörese den Rittersaal der Burg füllen. Außerdem wird die KG Vicht das Programm des Burggrafenfestes mitgestalten, und die Burg wird in den Vichter Vereinsfarben rot-blau erstrahlen. Dabei möchte ich betonen, dass es nicht heißt „Vicht first“, sondern das Burggrafenfest traditionell eine Karnevalsparty für alle Stolberger ist. Alle Jecken aus dem gesamten Stadtgebiet sind herzlich eingeladen, bei freiem Eintritt mitzufeiern. Das Fest ist nach wie vor eine Veranstaltung der Ersten Großen Stolberger KG, und einer der Höhepunkte wird zweifelsfrei der Auftritt des Stolberger Karnevalsprinzen Ecki I. sein, der mit seinem Hofstaat und der Prinzengarde der Ersten Großen das Burggrafenfest bereichern wird. Und auch die Prinzengarde Brander Stiere wird in der Burg auftreten.

Was können die Narren von dem Fest in dieser Session noch erwarten?

Emonds: Das Burggrafenfest hat wieder den Anspruch, ein jeckes Highlight für alle Stolberger Karnevalsfreunde zu sein. Der Einlass in den Rittersaal beginnt ab 11.11 Uhr, und gegen 12 Uhr startet das Programm bereits mit einem Knalleffekt im wahrsten Sinne des Wortes: Die Breiniger Böllerschützenabteilung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft wird auf dem oberen Burghof dem Burggrafen mit Salven salutieren. Die teilnehmenden Karnevalsgesellschaften präsentieren dann im Rittersaal traditionelle Elemente unseres rheinischen Fastelovends, und für beste Partystimmung ist mit Livemusik von vier Formationen gesorgt. „Die Original Eschweiler“, die Band „Tästbild“, die „Oecher Troubadoure“ und die Band „De Frees“ werden die Gäste im Rittersaal der Burg unterhalten. Insgesamt haben wir ein mehr als fünfstündiges Programm auf die Beine gestellt.

Was bedeutet es Ihnen, Burggraf zu werden?

Emonds: Es ist definitiv eine große Ehre für mich. Die Würde des Burggrafen und das Burggrafenfest stellen eine großartige karnevalistische Tradition im einzigartigen Stolberger Fastelovend dar. Ich fiebere dem Tag des Festes entgegen. Dass mir diese Ehre zu Teil wird, freut mich so enorm, dass ich die Burggrafenwürde nicht nur an dem einen Tag des Burggrafenfestes ausüben werde. Die KG Vicht hat in der aktuellen Session diesmal keine Tollität, und daher werde ich meine KG bei ihren Veranstaltungen und ihren Auftritten als Stolberger Burggraf begleiten und auch als solcher in Erscheinung treten.

Den Schlüssel für die Burg besitzen Sie ja schon. Was hat es damit auf sich?

Emonds: Bei der Vichter Dorfsitzung der Närrischen Lehmjörese hat KG-Präsident Ralf Schiffler mir als designiertem Burggrafen mit einem Augenzwinkern, einen alten, handgeschmiedeten Schlüssel überreicht. Der Schlüssel soll aus dem Fundus der KG Vicht stammen, und kein lebender Närrischer Lehmjöres weiß mehr, wozu dieser Schlüssel in Wirklichkeit zu gebrauchen ist. Mal sehen, ob er auf das Schloss der Burg passt.

Die Burggrafenwürde ist für Sie die Krönung eines bereits längeren Karnevalistenlebens, denn in dieser Session werden Sie als aktiver Jeck „volljährig“...

Emonds: Stimmt. Vor 18 Jahren bin ich Mitglied der KG Vicht geworden und in die Prinzengarde eingetreten. Ab 2002 habe ich mich dann auch an der Vorstandsarbeit beteiligt, war zunächst Beisitzer, dann stellvertretender Vorsitzender und schließlich zehn Jahre lang Vorsitzender der Närrischen Lehmjörese, bis ich dieses Amt im Frühjahr 2016 an Ulrich Laschet abgegeben habe, der fantastische Arbeit leistet. Aktiver Gardist in der KG Vicht bin ich selbstverständlich immer noch und stehe auch dem Vorstand weiterhin beratend zur Seite.

Das närrische Engagement bei der KG Vicht ist aber nicht Ihre einzige ehrenamtliche Tätigkeit. Was machen Sie noch?

Emonds: Ich bin stellvertretender Vorsitzender des Vereins Vichter Dorfladen und des Fördervereins der Kita Mäuseburg in Vicht und Vorsitzender des Rates der Tageseinrichtung. Auch im Pfarreirat von St. Johannes Baptist bin ich aktiv und organisiere das Vichter Pfarrfest. In der Interessengemeinschaft Schönes Vicht bin auch Mitglied und Schriftführer im Förderverein der Städtischen Gesamtschule Auf der Liester.

Was ist Ihre Motivation für diesen vielfältigen ehrenamtlichen Einsatz?

Emonds: Hauptsächlich geht es darum, Vicht lebenswert zu erhalten, noch lebenswerter zu gestalten und vor allem die Dorfgemeinschaft zu stärken. Vicht ist mein Heimatdorf in meiner Heimatstadt Stolberg – beides ist mir sehr wichtig. Hinzu kommt der nicht unerhebliche Aspekt, dass mir das Ehrenamt sehr viel Spaß macht.

Sie sind auch politisch aktiv – sehen Sie als designierter Burggraf in der Session mit Europawahl und Wahl des Stolberger Bürgermeisters dahingehend Berührungspunkte mit dem Karneval oder gar Konfliktpotenzial?

Emonds: Ganz und gar nicht. Auch weil ich davon ausgehe, dass der Wahlkampf in Stolberg erst nach dem Aschermittwoch beginnen wird. Vor allem aber ist der Karneval in erster Linie der Karneval. Und der rheinische Fastelovend, wie wir ihn in der Stadt Stolberg feiern, hat viele Qualitäten. Aus meiner Sicht ist eine ganz wichtige Qualität des Karnevals, dass der die Menschen zusammenbringt. Jung und Alt feiern gemeinsam, soziale Stellungen spielen keine Rolle, und auch politisch aktive Menschen verschiedener demokratischer Parteien feiern zusammen Fastelovend. So wollen wir es auch in diesem Stolberger Wahljahr halten: Erst wird bis Aschermittwoch tüchtig Karneval gefeiert, danach kann der Wahlkampf kommen. Vorher gibt es aber am Sonntag mehr als fünf Stunden Karnevalsfeier.