Stolberg: Ein Blick über den Tellerrand am 1. Mai

Stolberg: Ein Blick über den Tellerrand am 1. Mai

Die Ansage war deutlich: „Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, das ist unser Tag”, erklärte Helmut Wirtz am Sonntagnachmittag auf dem Kaiserplatz. Doch wenn auch die IG Metall, die IG BCE und die Stolberger SPD ihre Anliegen auf und neben der Bühne bei der traditionellen Maikundgebung kämpferisch ansprachen, so blickten die Redner auch über den Tellerrand hinaus.

Allen voran IGM- Geschäftsführer Wirtz, der den Bogen über Nordafrika und Japan spannte, um sich abschließend auch dem zentralen bundesweiten Thema dieses Jahres zu widmen: „Faire Löhne, gute Arbeit, soziale Gerechtigkeit.”

„Die Welt um uns herum ändert sich grundlegend und in rasanter Geschwindigkeit”, stellte Wirtz fest und erinnerte an die Menschen in vielen Ländern Nordafrikas. „Sie wollen ihre korrupten und autoritären Regime loswerden und stattdessen Freiheit und Demokratie haben.” Der Gewerkschafter prangerte an, „dass die Reichtümer Nordafrikas und der Golfstaaten nur einer kleinen Elite vorbehalten und Millionen junger Menschen ohne jede Zukunftsperspektive sind”. Europa dürfe diesem Elend nicht einfach zuschauen, forderte Helmut Wirtz und rief die Regierungen auf, Verantwortung zu übernehmen. „Und zwar schnell!”

Erdbeben und Tsunami in Japan hätten unterdessen gezeigt, „wie unbeherrschbar die Atomkraft ist”. Wirtz sprach von „Wahnsinn” und von der dringenden Notwendigkeit, „so schnell wie möglich aus der Atomenergie auszusteigen und massiv in erneuerbare Energien zu investieren”.

Investieren sollten auch die Unternehmen - in einen Mindestlohn und in eine gleiche Bezahlung für Stammpersonal und Leiharbeiter. Aber auch im Bereich der Ausbildung gebe es akuten Handlungsbedarf, betonte der Gewerkschafter: „Der so genannte Fachkräftemangel in Deutschland ist weitgehend hausgemacht. Nur noch 24 Prozent der Betriebe bilden aus.”

Nicht nur aus diesem Grund sprach Peter Alt von „Wildwest-Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt”, die es zu bekämpfen gelte. Wie der stellvertretende Stolberger IG BCE-Vorsitzende plädierte auch Martin Peters dafür, „dass alle am Wohlstand teilhaben müssen”. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende forderte zudem eine „offene Gesellschaft” und knüpfte damit an die Rede von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler an, der sich - auch noch unter den Eindrücken der jüngsten Neonazi-Demonstrationen in der Kupferstadt Anfang April - verbal für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben starkmachte.

Politik war nur ein Bestandteil der Maikundgebung, die nicht ohne Grund offiziell den Namen „Familienfest” trug. Erwachsene wie Kinder kamen dank des abwechslungsreichen Programms gleichermaßen auf ihre Kosten. Und weil auch das Wetter mitspielte, waren die Veranstalter am Ende mehr als zufrieden.

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