Ein als Einhorn verkleideter Rehbock lebt bei Stolberg im Wald

Mit Wildkamera fotografiert : Ein Einhorn streift durch Wald und Wiese

Einhörner gibt es doch. Ein Exemplar treibt in Mausbacher Gärten umher. Statt Regenbogenfarben verziert, kleidet es sich aber mit dem Fell eines gewöhnlichen Rehbocks. Ein Anwohner ist dem mystischen Wesen auf der Spur.

Jürgen Tillmann wohnt nicht weit weg vom Waldrand in Mausbach. Weil ihm vor fast einem Jahr Brennholz aus dem Garten gestohlen wurde, hat er eine Wildkamera installiert, die auf Bewegung reagiert, um die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Menschen hat er nicht vor die Linse bekommen, dafür aber jede Menge Getier aus Wald und Wiese. „Die Kamera steht jetzt da, um zu sehen, was es so gibt. Ich habe schon Bilder von Dachsen und Wildschweinen.“ Mitte Januar kam dann der Schnappschuss hinzu, der Tillmann hat zweimal hinschauen lassen. Ein Einhorn. Genauer gesagt ein Rehbock, der offenbar nur ein Horn mitten auf der Stirn trägt.

„Ich hatte schon die Befürchtung, dass es doch einen größeren Riss bei Tihange gibt“, sagt Tillmann scherzhaft und lacht. Tatsächlich hat das Horn weniger mit radioaktivbedinger Mutation zu tun, sondern mit dem Wachstumsrichtung der sogenannten Rosenstöcke, so die Erklärung vom Stolberger Förster Theo Preckel. Als Rosenstöcke bezeichnet man die Basis am Kopf, woraus sich beim Rehbock das Geweih bildet. Bei dem Mausbacher Exemplar sei eine Unregelmäßigkeit aufgetreten: Die Hörner wachsen gemeinsam zur Mitte und es sieht so aus, als sei es nur ein Horn, was aus dem Kopf ragt.

„Ich habe auch mit einem Tierarzt gesprochen. Wir vermuten, dass die Stellen, an denen die Hörner austreten, relativ eng zusammen stehen, was das ‚Einhorn’ begünstigen kann“, sagt Tillmann. Der Mausbacher vermutet, dass der Rehbock etwa ein Jahr alt ist. „Wer weiß, ob er im nächsten Jahr noch da ist und wieder nur ein Horn auf der Stirn trägt. Ich jedenfalls freue mich über den tierischen Besuch. Es ist toll, so etwas Seltenes zu sehen.“ Bisher war das allerdings nur auf dem Foto der Fall, live hat sich der namenlose Rehbock noch nicht gezeigt.

Bisher hat sich der noch namenlose Rehbock nur der Kamera gezeigt. Foto: Jürgen Tillmann

Vielleicht ändert sich das demnächst. Tillmann wertet alle paar Tage neue Bilder aus. Zuletzt habe das „Einhorn“ ihm anfang der Woche einen nächtlichen Besuch abgestattet. Er ist als Wiederholungstäter im Garten von Tillmann „Ich werde versuchen, weiterhin viele Bilder von ihm zu machen. Ich bin gespannt, wie sich der Rehbock weiterentwickelt und was noch passiert.“ Es sei möglich, dass das Tier im nächsten Jahr ein reguläres Geweih trägt – wenn er denn noch da ist. Eine Sorge Tillmanns ist nämlich, dass „das Einhorn“ von Jägern erlegt wird. „Vielleicht wird er eher verschont, wenn er einen Namen hat“, sagt Tillmann. Bisher hat er noch keinen gefunden. Er freue sich aber über Vorschläge.

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