Ehrenamtler engagieren sich in Stolberger Stadtbücherei

Vorbildliches Engagement : „Eine unverzichtbare Einrichtung“

Die Stolberger Stadtbücherei ist mehr als nur ein Ort, an dem man Bücher ausleihen kann. Die Stadtbücherei ist ein Ort der Begegnung. Menschen mit verschiedenen Interessen, die aus verschiedenen Kulturen stammen und unterschiedlich alt sind, kommen in den Räumen an der Frankentalstraße zusammen. Das beobachten nicht nur die Angestellten Tag für Tag, sondern auch etliche Ehrenamtler.

Zu ihnen gehören unter anderem Beatrix Esser, Helene Heiter und Marita Kämmerer-Valentin. Jeden Donnerstagnachmittag verwandeln sie die Stadtbücherei von 15.45 bis 17 Uhr in ein Paradies für kleine Lese- und Bastelfreunde. Zunächst wird eine Geschichte vorgelesen, dann wird passend zum Motto gebastelt. Das kommt bei den Kindern und auch bei ihren Eltern gut an. Bis zu 20 Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet nehmen das Angebot in Anspruch. Und auch den Ehrenamtlern macht die Arbeit sehr viel Spaß.

Sie haben erreicht, dass die meisten Eltern nach der Lese- und Bastelstunde noch in der Bücherei verweilen und Bücher aussuchen, die sie ihrem Nachwuchs dann zu Hause vorlesen. Eine wichtige Entwicklung – schließlich haben die drei Frauen die Erfahrung gemacht, dass in den eigenen vier Wänden immer seltener vorgelesen wird.

Selbstlernzentrum

Die Angebote in der Stadtbücherei richten sich allerdings nicht nur an Kinder, sondern auch an Erwachsene. Ein Beispiel dafür ist das Selbstlernzentrum für Geflüchtete. Mit einem Selbstlernprogramm können Interessierte nach einer entsprechenden Einweisung selbstständig Deutsch lernen. Vor allem für Teilnehmer der Integrationskurse an der Volkshochschule ist das eine gute Möglichkeit. Sie erhalten automatisch eine Führung durch die Bücherei und eine Einführung in das Programm. Dies wurde übrigens vom Lions-Club Eschweiler-Stolberg unterstützt.

Klappt es mit dem Deutschlernen alleine doch nicht so gut, kommt Rolf Ahlendorf ins Spiel. Vor rund vier Jahren wurde er vom Verein Frauen für Frauen in Stolberg angesprochen, ob er ehrenamtlich Deutschunterricht geben könnte. Ahlendorf überlegte nicht lange und stimmte zu. Los ging der Kurs in der „Kugel“. Mittlerweile unterrichtet er in den Räumen der Stadtbücherei und wurde nun auch mit einer Tafel ausgestattet. Ahlendorf betont, dass das Lerntempo in seinem Unterricht ein wenig langsamer sei. Zudem gehe es in seinem Kurs auch immer lustig zu. Sieben Teilnehmer besuchen diesen momentan regelmäßig. „Von Analphabeten bis zu Akademikern ist alles dabei“, sagt Ahlendorf. Er will sich auch weiterhin engagieren. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange bei der Stange bleibe“, sagt er und lacht.

Für die Menschen, die nicht mehr bis zur Stadtbücherei kommen können, ist Dr. Rudi Theißen da. Im Rahmen des mobilen Bücherdienstes versorgt er Stolberger jeden Alters mit ausreichend Lesestoff. Einmal pro Monat stattet er den Lesern einen Besuch ab. Dann werden Bücher und CDs getauscht.

Eine Menge zu tun gibt es auch in der Bücherei. Sylvia Drescher und Sarwan Mohmand sorgen dafür, dass Inventur und die technische Buchbearbeitung problemlos funktionieren. Sylvia Drescher arbeitet vor allem am Computer. Seit August arbeitet sie ein Mal in der Woche in der Bücherei. Sarwan Mohmand ist schon seit 2008 Teil des Teams und nahezu jeden Tag am Vormittag in der Bücherei zu finden. Unter anderem kümmert er sich um die technische Buchbearbeitung, stempelt die Bücher und schlägt sie in Folie ein.

Autorenlesungen

Eng verbunden mit der Stolberger Stadtbücherei ist auch der Förderverein. Vor rund 20 Jahren wurde dieser gegründet und hat momentan etwa 60 Mitglieder. Unter anderem veranstaltet der Förderverein um seinen Vorsitzenden Gottfried Frings und Kassierer Hans Klinkhammer regelmäßig Autorenlesungen und unterstützt die Bücherei natürlich auch in finanzieller Hinsicht, oder aber personell bei der Sommer-Lese-Rallye.

Ein Projekt, das zwar nicht direkt mit der Stadtbücherei in Verbindung steht, allerdings auch im Kulturzentrum an der Frankentalstraße untergebracht ist, ist die Holzwerkstatt. Josef Walter Schumacher arbeitet dort mit bis zu fünf Mitstreitern. „Wir sind ehrenamtlich arbeitende Senioren“, sagt Schumacher und lacht. Die Ehrenamtler unterstützen die Bücherei vor allem mit handwerklichen Arbeiten. Die von der Bastelarbeit in Mitleidenschaft gezogenen Tische wurden bereits abgeschliffen und neu lackiert. Auch einige Stühle wurden bearbeitet. Momentan wird der Papagei, der sonst über dem Rondell in der Bücherei wacht, restauriert.

Neben den regelmäßigen Angeboten gibt es auch noch punktuelle Aktionen, die in der Stolberger Bücherei stattfinden und die ohne das ehrenamtliche Engagement so nicht umsetzbar wären. Jahr für Jahr findet beispielsweise der Vorlesewettbewerb der vierten Klassen statt, bei dem die besten Vorleser gekürt werden.

In den Sommerferien haben die Schüler der ersten bis sechsten Klassen zudem die Möglichkeit, an der Sommer-Lese-Rallye teilzunehmen. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 170 Kinder mit rund 500 Büchern beteiligt. Die Aufgabe der Ehrenamtler, die zwischen 18 und 79 Jahre alt sind: Sie stellten den Schülern Fragen zum Inhalt der Bücher und erfuhren so, ob die Kinder die Werke auch wirklich gelesen hatten.

Ein weiteres Projekt, das regelmäßig in der Bücherei stattfindet, sind die Lesewürmchen. Jeden Donnerstag zwischen 9.30 und 10.30 Uhr bieten Dorothea Voigtsberger und Sabine Viethen vom Familienbüro der Stadt Stolberg Bilderbuchspaß für Kinder bis zu drei Jahren und ihre Eltern. Im Rondell der Bücherei, das sich in der unteren Etage befindet, werden Bilderbücher geschaut, Geschichten vorgelesen, und es wird gesungen. In diesem Rondell soll sich übrigens bald noch eine ganze Menge tun, verrät Bücherei-Leiter Thomas Meirich. Das Rondell soll renoviert werden und sich in einen Zirkus verwandeln. Zudem soll es für die kleinen Stolberger einen Wettbewerb geben. In diesem werden sie dazu aufgerufen, sich einen Namen für den Zirkus zu überlegen. Mehr will Meirich allerdings nicht verraten.

Fest Ende Juni

Die Renovierung ist aber nicht das einzige Highlight, das in diesem Jahr ansteht. Am Samstag, 29. Juni, findet zum zweiten Mal das Fest des Kulturzentrums statt. Schließlich feiert die Volkshochschule in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag, und das Stolberger Kulturzentrum wird 30 Jahre alt.

Das Kulturzentrum habe eine ganze Menge zu bieten, meint auch Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger. Gemeinsam mit der Ehrenamtsbeauftragten Hildegard Nießen dankte er jetzt den Ehrenamtlern für ihr Engagement. Schließlich sei das attraktive Angebot der Bücherei ohne ihre wertvolle Arbeit nicht möglich. „Die Stadtbücherei ist eine unverzichtbare Einrichtung der kulturellen Bildung der Menschen – auch im digitalen Zeitalter“, betonte Nießen.