Ehrenamt in Stolberg: Projekte am Kelmesberg und im Weißen Rössl

Ehrenamt in Stolberg : Neues und altes Projekt für hungrige Hilfsbedürftige

„Was mich beeindruckt hat, ist der Gedanke, dass Essen mehr ist als Sättigung, es hat auch eine soziale Funktion“, sagt Hildegard Nießen, Ehrenamtsbeauftragte der Stadt. Sie stellte ein Projekt vor, das Obdachlosen auf dem Kelmesberg Gemeinschaft schenken soll.

Es wurde von einem ehemaligen Bewohner und Hobbykoch ins Leben gerufen. Aber auch ein weiteres Projekt wurde geehrt, dass es bereits sehr lange in Stolberg gibt.

Die Idee zum Vorhaben am Kelmesberg hatte Bernd Ücker. Der 50-Jährige war selbst Bewohner dort und hat gemeinschaftliches Essen vermisst. „Ich habe gesehen, dass nirgendwo mehr ein Treffpunkt war“, berichtet er. So hat er zu Beginn auf eigene Faust eine Art Sozialküche gestartet, bis er Unterstützung von Dieter Brockmann erhalten hat. Er ist Profikoch und auf das Angebot von Ücker aufmerksam geworden. „Da ich die ganze Organisation in einer Küche kenne und die sozialen Kontakte habe, entschied ich mich, von heute auf morgen zu helfen“, erzählt Brockmann.

Im November vergangenen Jahres war das, da steckte das Vorhaben noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile wird es sehr gut angenommen. „Das ist wunderbar, in unserem Sinne ist der Platz schon fast zu klein geworden“, sagt Ücker. Rund 60 Personen nehmen das Angebot über den Tag verteilt war, allein mehr als 30 Mittagessen gehen täglich über die Theke. Dazu braucht es natürlich eine gewisse finanzielle Förderung, damit die Hilfsbedürftigen kostenfrei eine Mahlzeit genießen können. „Ich werbe bei den Stolbergern im Moment um Patenschaften, mit denen sie für zehn Euro monatlich ein Essen ermöglichen können“, erklärt Brockmann (siehe Infobox).

Er engagiert sich gern am Kelmesberg: „Ich sehe den Menschen, alles andere ist für mich sekundär.“ Bernd Ücker ist mittlerweile nicht mehr Bewohner, er hat eine eigene Wohnung in Weisweiler. Deshalb aus dem Projekt auszusteigen, kam für ihn allerdings nie infrage. „Ich fahre gerne den weiteren Weg für meine Mitmenschen“, betont er und fügt hinzu: „Außerdem ist das unser Projekt, Dieter und ich sind ein Herz und eine Seele geworden.“

Was gekocht wird, entscheiden die beiden spontan, denn sie sind auf Essensspenden angewiesen. „Diese ganze Arbeit dort oben funktioniert nur, weil andere soziale Träger dieses Projekt unterstützen“, freut sich Brockmann. Unter anderem helfen die Tafel, die Wabe und auch das Ehepaar Blumberg vom Weißen Rössl.

Engagement ausgezeichnet

Manfred und Livia Blumberg stehen einmal im Jahr allerdings noch aus einem anderen Grund im Fokus: Sie richten alljährlich ein kostenloses Weihnachtsessen für Bedürftige aus. „Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ein Wirtsehepaar das über zwölf Jahre macht“, hob Hildegard Nießen hervor. Gemeinsam mit Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter der Stadt, zeichnete sie dieses besondere Engagement deshalb mit einer Urkunde aus. „In finanziellen Mitteln ist das gar nicht auszugleichen, was sie tun“, lobte Voigtsberger.

Jedes Jahr an Heiligabend finden bis zu 70 Menschen im Lokal der Blumbergs Platz. „Wir wollen mit Leuten zusammen feiern, die es sich nicht leisten können“, erzählt Manfred Blumberg. Entstanden sei das Weihnachtsessen damals aus Dankbarkeit für das gesunde Enkelkind, bis heute kommt auch die Familie zum gemeinsamen Festmahl. „Ich kann das Ganze aber nur machen, weil das gesamte Personal mitzieht“, sagte er.

Über den Zusammenhalt freuen sich Nießen und Voigtsberger besonders. „Es sind zwar unterschiedliche Projekte, aber die Menschen dahinter sind verbunden, das ist schön zu sehen“, stellte Nießen fest. Sie erhoffte sich außerdem, dass noch mehr Menschen die Projekte unterstützen. Gutes tun sei ansteckend, so ihr Wunsch. Voigtsberger zeigte sich stolz und dankbar, dass „wir Menschen in Stolberg haben, die daran denken, wie man anderen helfen kann.“ Das Ehrenamt habe für die Gesellschaft eine enorme Bedeutung.

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