Eckhard Braun wird Stolberger Karnevalsprinz

Interview der Woche : Eckhard Braun: „Die höchste Ehre im Kupferstädter Karneval“

Es ist die bedeutsamste jecke Metamorphose des neuen Jahres: Am kommenden Freitag, 4. Januar 2019, verwandelt sich der ehrbare Bürger Eckhard Braun in den Stolberger Karnevalsprinzen Ecki I., um fortan das Kupferstädter Narrenvolk zu regieren.

Dirk Müller sprach mit der designierten Tollität über seine Liebe zum Karneval und zu betagten Zweirädern, über seinen jecken Werdegang und über seine Erwartungen hinsichtlich der Karnevalssession.

Damit Sie als Stolberger Karnevalsprinz inthronisiert werden können, erfolgte zunächst die Prinzentaufe am 11. November in der Altstadt. Was halten Sie von dieser noch recht jungen Kupferstädter Tradition?

Eckhard Braun: Die Prinzentaufe ist großartig. Bevor es sie gab, fand am 11. November in Stolberg gar nichts statt. Und nun quasi von 0 auf 100. Am 11. Novemer um 11.11 Uhr mit Städten wie Köln oder Eschweiler konkurrieren zu wollen, wäre sicher äußerst schwierig. Um 18 Uhr aber die Prinzentaufe zu zelebrieren, bringt trotzdem den Auftakt der Karnevalssession nach Stolberg, und die urige Veranstaltung im Fackelschein und in dem historischen Ambiente der Altstadt ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Kupferstädter Karnevals. Dass es für mich persönlich ein tolles Erlebnis war, steht dabei außer Frage. Ich habe die Prinzentaufe sehr genossen.

Nach der Taufe folgte die Prinzenvorstellung des Stolberger Karnevalskomitees. Bei dieser haben Sie Furore gemacht, indem Sie als bisher einzige designierte Tollität mit einer NSU Quickly, einem Moped-Oldtimer, in des Saal des Münsterbuscher Jugendheims gefahren sind. Wie kam es dazu?

Braun: Seit sechs Jahren restauriere ich leidenschaftlich gerne alte Kleinkrafträder. Inzwischen habe ich fünf Mopeds wieder aufgebaut: eine NSU Quickly und vier Kreidler Florett aus den Baujahren 1956 bis 1978. Bei den Vichter Moped-Treffen bin ich mittlerweile ein Stammgast. Da in den vergangenen Jahren die Stolberger Prinzen mit ihrem jeweiligen Hofstaat die Jecken von der Prinzenvorstellung bis Aschermittwoch mit tollen Shows unterhalten und für grandiose Stimmung gesorgt haben, war meine Überlegung: Bei der Prinzenvorstellung des Komitees kann ich vielleicht mit meinem Hobby als Clou punkten. Also bin auf meiner Quickly in den Saal gefahren und glaube, die Überraschung war gelungen.

Was macht den Reiz Ihres Oldtimer-Hobbys aus?

Braun: Zunächst fasziniert mich die einfache und zugleich sehr robuste Technik, an der man viel selbst arbeiten kann. Dabei sieht man seine Fortschritte und trägt einen kleinen Teil dazu bei, dass diese rollenden Kulturerbe nicht aussterben. Nach fertiger Restaurierung ist das Erfolgserlebnis schön, und dann folgt noch das besondere Fahrerlebnis. Mit den Oldtimern bewegt man sich auch in unserer schnelllebigen Zeit eher entschleunigt fort. Man nimmt die Umgebung bewusster wahr und fährt ohne Schnickschnack, aber mit ganz viel Genuss. Deshalb habe ich auch schon ein neues Projekt im Auge: Ich restauriere seit einem Jahr einen kleinen Lkw Marke Unimog aus dem Baujahr 1961 – allerdings mache ich damit Pause wenn ich Stolberger Prinz bin.

Wann und wie ist denn eigentlich ihre Liebe zum Fastelovvend erwacht?

Braun: Schon als Kind war ich jeck. Aufgewachsen bin ich in Zweifall, wo ich als kleiner Junge im Trommler- und Pfeifer-Corps gespielt habe und auch im Rosenmontagszug op d‘r Zwievel mitgegangen bin. So bin ich auch zu einem begeisterten Freund des Straßenkarnevals geworden, der ich übrigens bis heute bin.

Und dann sind Sie im Jahr 2013 schon einmal Prinz gewesen ...

Braun: Stimmt. Zusammen mit Ralf Peters als Jungfrau Rafaela und Osman Vurgun als Bauer Ossi waren wir das Lindenstraßen-Dreigestirn, das mit einem fantastischen Hofstaat unglaublich viel Spaß hatte. Es ist eine unvergessliche Zeit gewesen, aber Prinz im Lindenstraßen-Dreigestirn und Stolberger Karnevalsprinz zu sein, lässt sich selbstverständlich nicht vergleichen. Was mich jetzt erwartet, hat schon einen viel größeren Stellenwert.

Wieso?

Braun: Es ist schlichtweg die höchste Ehre, die jemandem im Kupferstädter Karneval zuteil werden kann, Stolberger Karnevalsprinz zu sein und begleitet von der Prinzengarde der Ersten Großen KG die Session zu erleben. Das Lindenstraßen-Dreigestirn hingegen wurde zwar vom damaligen Ehrenpräsidenten des Stolberger Karnevalskomitees, Hans-Josef Wellmann, unterstützt, war aber eine reine private Spaß-Initiative. Und es war wie der Name schon sagt das Dreigestirn einer Straße. Der Kupferstädter Prinz ist jedoch die Tollität für ganz Stolberg samt der Stadtteile, die keinen eigenen Prinzen stellen – also fast alle. Die Anzahl der Auftritte ist wesentlich höher, und als Stolberger Prinz Mittelpunkt des Rosenmontagszugs in der Stadt sein zu dürfen, ist ohnehin unvergleichlich. Umso mehr freue ich mich darüber, dass Teile des Hofstaats vom Lindenstraßen-Dreigestirn jetzt auch meine Hofstaat als Stolberger Prinz angehören, und vor allem dass auch die ehemalige Jungfrau Ralf Peters und der einstige Bauer Osman Vurgun mit dabei sind.

Am kommenden Freitag werden Sie in der Burg-Galerie vor geladenen Gästen inthronisiert, und anschließend sind alle Jecken zum Proklamationsball in den Rittersaal eingeladen. Was halten Sie von diesem Veranstaltungskonzept?

Braun: Das ist meiner Meinung nach eine sehr runde Sache. Die Proklamation ist eine Stolberger Tradition, die so, wie sie ist, meiner Meinung nach bewahrt werden sollte, da sie eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal des Kupferstädter Karnevals ist. Im Anschluss von der Burg-Galerie in den Rittersaal zu wechseln, um dort dann beim Proklamationsball mit allen Karnevalsfreunden, die kommen möchten, zu feiern, finde ich großartig. So bleibt die Tradition erhalten und gleichsam können viele Jecken den Abend genießen – und das unter dem Dach der Stolberger Burg, dem tollen Wahrzeichen unserer Stadt.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Session und ihre närrische Regentschaft?

Braun: Ich freue mich sehr auf viele besondere Stunden voller guter Laune und bester Stimmung mit den Stolberger Jecken, die hoffentlich in Scharen die närrischen Säle bevölkern und sich den Stolberger Rosenmontagszug anschauen. Dabei zähle ich auf meinen Prinzenadjutanten Reiner Hewing, die Prinzengarde der Ersten Großen und meinen gut aufgelegten Hofstaat, die mich bei allen Veranstaltungen begleiten. Sie stärken mir nach Außen sichtbar den Rücken, und hinter den Kulissen bin ich äußerst dankbar für den Rückhalt meiner Familie, den ich schon im Vorfeld hatte. Wenn meine Frau Iris und mein Sohn Daniel mich nicht unterstützen und voll hinter meiner Ambition, Stolberger Prinz zu werden, stehen würden, wäre es gar nicht möglich, dass ich als Tollität der Kupferstadt proklamiert werde.

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