Stolberg: DRK schließt Seniorenheim in der Stadthalle

Stolberg: DRK schließt Seniorenheim in der Stadthalle

Mitarbeiter, Betreuer Bewohner und Angehörige sind informiert, am Donnerstag bestätigt der DRK-Kreisverband der Städteregion die Nachricht: Das DRK-Pflegeheim „Am Kupferhof Rosental“ wird zum 30. Juni 2015 schließen.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Ingo Kohnen. „Doch das Haus hat seit Jahren eine zu geringe Auslastung“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende. Derzeit leben nur 46 betagte Frauen und Männer in der für 60 Bewohner ausgelegten Einrichtung.

Das schlägt sich auch in der Bilanz nieder. Seit der Eröffnung des Heims nach dem Umbau der Stadthalle im Jahr 2000 muss der DRK-Kreisverband ein Defizit von insgesamt 2,5 Millionen Euro verkraften. „Das können wir uns einfach nicht mehr leisten“, legt Geschäftsführer Hans-Dieter Vosen ganz transparent die Karten auf den Tisch.

Seit Bestehen konnte die Einrichtung selten komplett ausgelastet werden. Auch ein Grund für das DRK, sich mehrfach für erweiterte Nutzungen zu interessieren. Als die Geschwister Annegret und Monika Lück vor acht Jahren den Kupferhof Rosental erwarben, wurde eine Ausweitung des Angebotes für Senioren geprüft. Thema war auch eine Erweiterung um eine Tagespflegeeinrichtung. Vor einem Jahr lehnte das DRK den Vorschlag der Stadt ab, die Trägerschaft für ein solches Angebot in der Villa Lynen zu übernehmen. Die Probleme mit dem Baudenkmal erschienen zu groß für ein wirtschaftliches Betreiben.

Über Gründe einer nicht ausreichenden Auslastung kann man nur spekulieren. Die Arbeit des DRK und seiner Mitarbeiter vor Ort wurde jedenfalls mehrfach durch den Ombudsmann Werner Wolf mit Gütesiegeln gewürdigt. Gewichtiger dürfte das gelittene Image der Stadthallen-Passage wiegen, die nach dem Auszug des Rewe-Marktes Reinartz im März 2013 durch Leerstand glänzt; lediglich ein Eiscafé hält neben dem DRK die Stellung.

Der Kreisverband konstatiert zudem einen „hohen Sanierungsbedarf in dem angemieteten Heim, um die gesetzlichen Anforderungen erfüllen zu können“, unterstreicht Ingo Kohnen. „Es hapert an der Barrierefreiheit, und auch Doppelzimmer sind nicht mehr zeitgemäß“. Zwar hätte das DRK das Pflegeheim „gerne weitergeführt, aber aufgrund der geringen Belegung und der baulichen Situation lässt es sich langfristig nicht rentabel führen“, unterstreicht der stellvertretende Vorsitzende.

Nun verbleibt dem Team noch ein gutes halbes Jahr, „um die Belastungen für die Bewohner, aber auch für die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten“. Geschäftsführer Hans-Dieter Vosen kündigt umfassende Hilfestellungen an. Für die Bewohner, etwa bei der Suche nach neuen Plätzen und beim Umzug, ebenso wie für die aktuell 47 Mitarbeiter.

Soweit möglich könne einigen von ihnen eine alternative Stelle in anderen Einrichtungen des Kreisverbandes angeboten werden. Vom Gros werde sich das DRK aber trennen müssen, bedauert Vosen. „Angesichts der Nachfrage von Pflegekräften auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt dürfte für sie kein Grund zur Sorge bestehen“. Ein speziell gebildetes Team aus Vorstand, Betriebsrat und Mitarbeitern werde den Prozess begleiten und gemeinsam daran arbeiten, gute Lösungen für alle zu finden. „Ich bin sicher, dass uns das gelingen wird, denn wir haben ausreichend Zeit“, zeigt sich Kohnen optimistisch. Seinen Secondhand-Laden in der Passage wird das DRK vorerst weiter betreiben. Weitere Details sollen auf einer Pressekonferenz am kommenden Mittwoch erläutert werden.

Allerdings kommt nach Informationen unserer Zeitung mittlerweile auch Bewegung in eine Vermarktung der Passage als mittleren Teil des Stadthallen-Komplexes zwischen Festsaal und Hotel. Demnach soll ein Investor aus der Schweiz Interesse an einer Übernahme zeigen.

Details konnte Dietgrim Stark als Beauftragter der Eigentümerfamilie aus Aachen zwar noch nicht bestätigen, aber „es gibt neue Entwicklungen“, sagt Stark ohne aber in Einzelheiten gehen zu wollen.

Am Donnerstag wurde durch das DRK über die Aufgabe des Pflegeheims der Bürgermeister informiert. „Ich bedauere diese Entscheidung“, sagt Tim Grüttemeier, „aber wir werden alles unternehmen, um das DRK bei der Unterbringung der Bewohner und ausscheidender Mitarbeiter zu unterstützen“. Eine weitere Herausforderung für die Verwaltung werde „die Entwicklung der Immobilie in der Mitte unserer Stadt“ sein.

Sollten sich die Informationen unserer Zeitung konkretisieren, dass ein potenter Investor in der Stadthallen-Passage zum Zuge komme, könne dies zu einer deutlichen Belebung der Innenstadt beitragen. „Die Verwaltung würde einen interessierten Investor jedenfalls in allen Belangen nach Kräften unterstützen“, so Grüttemeier weiter.

Dem Verlust von 60 Pflegeheimplätzen in der Stadtmitte steht ein bemerkenswerter Ausbau von Senioreneinrichtungen im Stadtgebiet gegenüber. In Breinig soll bis Ende nächsten Jahres das Itertalklinik Seniorenzentrum mit 15 Tages- und 73 Pflegeplätzen in Einzelzimmern sowie 30 barrierefreien Wohneinheiten entstehen.

Anfang 2016 möchte die Gesellschaft für Altenhilfeeinrichtungen der AWO in Süssendell ein neues Modellprojekt zur Betreuung von 80 dementiell betroffenen Senioren in Betrieb nehmen.

In Büsbach erweitert und saniert grundlegend die Katholische Stiftung Marienhospital das Marienheim. Bis 2016 sollen 76 Pflegeplätze und zusätzlich neun Wohnungen für betreutes Wohnen an der Bischofstraße zur Verfügung stehen. Der erste Bauabschnitt kann bereits im kommenden Jahr in Betrieb gehen.

Derweil ist die Ordensgemeinschaft der Christenserinnen noch mitten in den Planungen für eine Sanierung und Erweiterung des Samaritanerheims in der Innenstadt; derzeit stehen dort 56 Pflegeplätze bereit.