Driton Beqiri im Interview der Woche

Interview der Woche : Viel Disziplin und das Herz eines Kämpfers

Mit Disziplin und viel Herz will Driton Beqiri es nach ganz oben schaffen. Seinen ersten Kampf als Profi hat der K1-Sportler nun hinter sich.

„Wir sind ein Team, eine Familie“ hallt es durch die Räume der Bodyguard Team Akademie. Es ist der Leitspruch des Stolberger Sportvereins, zu dem auch Driton Beqiri gehört. Der 16-Jährige besucht die zehnte Klasse der Kupferstädter Gesamtschule und scheint auf den ersten Blick ein ruhiger Typ zu sein. Doch in seiner Freizeit kommt sein wahres Gesicht zum Vorschein. Dann bandagiert Driton seine Hände, streift sich die Handschuhe über und steigt in den Ring. Seine große Leidenschaft ist das Kickboxen bzw. die Sportart K1. Jeden Tag trainiert er zwei Stunden – mit Erfolg. Elf Amateurkämpfe hat er bereits hinter sich gebracht. Acht davon hat er gewonnen. Zwei sogar durch K.o. Sein erster Profikampf folgte. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Sonja Essers verrät der junge Stolberger, wie dieser ausgegangen ist und erklärt, warum er auch im Schulalltag von seinem sportlichen Engagement profitiert.

Driton, erst einmal zum Verständnis. Was ist der Unterschied zwischen K1 und Kickboxen?

Beqiri: Beim K1 kämpft man mit Knien. Beim Kickboxen ist der Einsatz der Knie verboten.

Wann hast Du mit dem Sport begonnen?

Beqiri: Ich habe mit fünf Jahren angefangen – aber mit Selbstverteidigung. Mit 13 Jahren habe ich dann mit K1 angefangen.

Warum gerade dieser Sport?

Beqiri: Man hört immer wieder, dass heutzutage Menschen ohne Grund mitten auf der Straße angegriffen werden. Es ist wichtig, dass man sich selbst verteidigen kann, damit man sich wohlfühlt und keine Angst hat, wenn man unterwegs ist. Außerdem wollte ich im Sport etwas erreichen. Ich habe ein Kämpferherz.

Gehen wir noch einmal zurück an die Anfänge. Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Kampf erinnern?

Beqiri: Ja, der war am 9. April 2016. Ich habe damals in Eilendorf gegen einen 18-Jährigen gekämpft und gewonnen.

Warst Du damals nicht unglaublich nervös?

Beqiri: Doch. Man ist vor jedem Kampf nervös. Aber man darf einfach keine Angst haben, sondern muss das, was man gelernt hat, auch umsetzen.

Ende 2016 hast Du dann noch einen weiteren Kampf gewonnen. Deinen dritten Kampf, der im Februar 2018 stattfand, hast Du dann verloren.

Beqiri: Genau. Ich habe nicht umgesetzt, was mein Vater – also mein Trainer – mir gesagt hat.

Gar nicht so einfach, oder?

Beqiri: Ich versuche immer mir vorzustellen, dass ich eigentlich beim Training bin. Wenn man gewinnen will, dann muss man dafür viel tun. Aber man muss auch daran glauben, dass man gewinnt.

Und wenn man dann doch verliert?

Beqiri: Verlieren kann man gar nicht. Entweder man gewinnt oder man lernt daraus. Aber Verlieren gibt es im Kampfsport nicht.

Du sagtest, dass man sehr viel tun muss, um einen Kampf zu gewinnen. Wie sieht Dein Training in der Vorbereitung aus?

Beqiri: Die Vorbereitung auf einen Kampf dauert normalerweise drei Monate. Dabei geht es vor allem darum Kondition aufzubauen. Das ist im Kampf das Wichtigste. Wenn man nämlich keine Luft bekommt, ist das gar nicht gut (lacht). Und die braucht man vor allem in einem Titelkampf. Der geht nämlich über fünf Runden.

Was braucht man noch – außer eine gute Kondition?

Beqiri: Es ist wichtig, dass man die verschiedenen Kombinationen gut erarbeitet. Dafür muss man jeden Tag trainieren. Ich trainiere immer mit Älteren. So wird man nämlich stärker. Außerdem muss man seine Stärken kennen. Ich bin zum Beispiel in den Beinen stärker als in den Armen. Also muss ich wissen, wie ich damit arbeite.

Wie oft trainierst Du denn, wenn Du Dich nicht auf einen Kampf vorbereitest?

Beqiri: Ich trainiere trotzdem jeden Tag. Wenn ich zum Beispiel nur drei Mal in der Woche trainiere, dann fehlt mir einfach was. Ich habe zwischendurch auch mal drei Jahre Fußball gespielt. Aber auch da hat mir einfach was gefehlt.

Und mittlerweile bist Du Profi.

Beqiri: Genau. Ich kämpfe in der sogenannten B-Klasse. Das heißt, dass ich gegen Leute antrete, die auch schon Erfahrung gesammelt haben.

Wie ist Dein ersten Profikampf gelaufen?

Beqiri: Gut (lacht). Der hat in der Schweiz stattgefunden. Mein Gegner war zehn Jahre älter und sieben Kilo schwerer als ich. Das war so eigentlich nicht geplant.

Warum?

Beqiri: Eigentlich sollte ich gegen jemand anderes antreten. Am Tag selbst wurde mein Gegner aber dann ausgetauscht. Ich habe versucht, mich davon nicht beeinflussen zu lassen und mich auf den Kampf konzentriert. Ich habe auf das gehört, was mein Vater mir gesagt hat, und gewonnen.

Herzlichen Glückwunsch! Welche Rolle spielt Dein Vater in Deinem Leben?

Beqiri: Mein Vater trainiert mich seit ich fünf Jahre alt bin. Er ist mein größtes Vorbild. Ich möchte auch etwas erreichen, um ihn stolz zu machen.

Du hast noch drei jüngere Geschwister, die auch alle sportlich aktiv sind. Bist Du ihr Vorbild?

Beqiri: Sie gucken sich viele Dinge von mir ab. Und wenn mein Vater mal nicht da ist, leite ich das Training. Dann kann ich ihnen auch noch einige Sachen beibringen. Als ich meinen Kampf in der Schweiz gewonnen habe, habe ich damit meine ganze Familie stolz gemacht.

Und wie wirkt sich Dein sportliches Engagement auf die Schule aus?

Beqiri: Durch den Sport habe ich gelernt diszipliniert zu sein und das wirkt sich auch auf die Schule aus.

Was willst Du denn in der Zukunft erreichen?

Beqiri: Ich möchte Champion werden und am liebsten bei einer angesehenen Organisation kämpfen. Erstmal mache ich aber die Schule zu Ende und im nächsten Jahr fange ich eine Ausbildung als Maler und Lackierer an.

Und wann steht Dein nächster Kampf an?

Beqiri: Das steht noch nicht fest. Aber ich trainiere fleißig. Wenn man das Training nicht ernst nimmt, ist man im Kampf nicht selbstbewusst genug. Wie alt oder wie schwer meine Gegner sind, ist mir auch egal. Ich werde jede Herausforderung annehmen.

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