Stolberg: Dr. Gottfried Niedeggen lässt sein Haus regelmäßig renovieren

Stolberg: Dr. Gottfried Niedeggen lässt sein Haus regelmäßig renovieren

Es sprudelt aus Dietmar Vondeberg förmlich heraus: „Es macht richtig Freude, an einem Haus zu arbeiten, dass so gut instand gehalten wird, wie dieses hier”, schwärmt der Malermeister, der den Auftrag hat, die Fassade des unter Denkmal stehenden Hauses im oberen Steinweg neu zu streichen.

„Das ist Jugendstil”, erklärt er und zeichnet mit dem Finger behutsam die geschwungenen Konturen der Stuckarbeit nach. „So etwas wird heute gar nicht mehr gemacht. Um so schöner, dass es noch Hausbesitzer wie Dr. Niedeggen gibt, die diese Arbeit bewahren wollen. Das machen aber nur wenige hier im Steinweg, da brauchen Sie sich nur mal umzuschauen”, sagt Vondeberg und macht eine ausladende Handbewegung.

Hier oben vom Gerüst, das an der Fassade des mehrgeschossigen Hauses hochgezogen ist, hat man einen guten Ausblick. Ein Ausblick, der das Auge allerdings nicht gerade erfreut. Aus dieser Perspektive werden die Bausünden und der Verfall der Häuser entlang des Steinwegs nur allzu deutlich. Gleich gegenüber steht ein Gebäude, das einen sehr verwahrlosten Eindruck macht. Vom Balkon bröckelt der Putz, und die Konstruktion wirkt so baufällig, dass man gar nicht Idee käme, einen Fuß auf den Balkon zu setzen.

Die Bausünden durchziehen wie ein roter Faden den Steinweg: Anstatt den Charme der Architektur des Jahrhundertbeginns herauszustellen, wurde dieser im wahrten Sinne des Wortes zubetoniert oder mit 70er-Jahre-Fliesen zugedeckt.

Für Hausbesitzer Dr. Gottfried Gino Niedeggen ist es angesichts der schlecht gepflegten Bausubstanz der Häuser nicht verwunderlich, dass viele Ladenlokale im Steinweg leer stehen. Was nicht nur daran liege, dass ein ungepflegt wirkendes Haus für Geschäftsinhaber wenig attraktiv ist. „Die Mieten, die im Steinweg verlangt werden, sind oftmals zu hoch angesetzt.” Wenn der Geschäftsinhaber quasi nur für die Miete arbeiten muss, sei die Sache im Vorfeld zum Scheitern verurteilt.

Günstig in einem schönen Haus wohnen bzw. sein Ladenlokal zu haben, das klingt zu schön, um wahr zu sein. „Während meiner Studienzeit habe ich sehr günstig in Aachen gewohnt. Davon will ich etwas zurückgeben.” Aber auch rein finanztechnisch machte seine Einstellung Sinn, denn nur so bekomme man Mieter, die ordentlich mit fremden Eigentum umgehen und dauerhaft im Haus wohnen bleiben. Damit künftig weniger Ladenlokale verwaist bleiben, müssen aber nicht nur der Mietspiegel stimmen und Häuser saniert werden.

Niedeggen sieht vor allem in der Parksituation ein Problem. „Wenn ich im Steinweg einkaufe und bei der Rückkehr einen Strafzettel an der Windschutzscheibe vorfinde, ist doch klar, dass ich kein zweites Mal hierher komme”, fordert Niedeggen, der in Aachen arbeitet und in Belgien wohnt, eine Lockerung. In Eupen etwa sei die erste Stunde Parken während der Vorweihnachtszeit gratis, nennt er ein Beispiel.

Die Idee mit der Brötchentaste - die erste Viertelstunde ist kostenfrei - sei ein Ansatz, „aber in der Praxis sieht es doch so aus, dass 15 Minuten nicht ausreichen, um flott etwas zu erledigen. Man muss erst zum Parkautomaten ein Ticket ziehen, den Parkschein ins Auto legen und wenn dann noch eine Schlange an der Kasse ist, ist es schnell passiert, dass die freie Parkzeit überschritten ist und man einen Strafzettel bekommt.”

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