DLRG Stolberg: Ehrenamtler werden dringend gebraucht

DLRG in Stolberg : „Wir brauchen immer Hilfe in allen Bereichen“

Zum 105. Geburtstag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zeigt die Ortsgruppe Stolberg auf, was gut läuft, wo es Probleme gibt und was Eltern tun können, um ihre Kinder frühzeitig ans Wasser zu gewöhnen.

Es kursieren immer wieder Meldungen darüber, dass viele Kinder heutzutage nicht mehr schwimmen können. Einen Rücklauf in Anmeldungen zu Schwimmkursen kann die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) in Stolberg nicht verzeichnen, wohl aber klare Einbußen im aktiven Ehrenamt.

„Wir haben in den letzten Jahren immer mehr Mitglieder“, berichtet Dirk Köttgen, Leiter der Ortsgruppe Stolberg, „diese sind meist jedoch passiv“. Zurzeit sind es etwa 330 Mitglieder insgesamt, davon knapp 100 Kinder und Jugendliche, etwa 50 Mitglieder sind jedoch ehrenamtlich aktiv.

Die Schwimmkurse hingegen werden überdurchschnittlich gut besucht, „das merken wir vor allem seit der Einführung des Offenen Ganztages“, so Köttgen. Auf drei Bahnen und im Lehrschwimmbecken des Stolberger Hallenbades betreuen zehn Jugendtrainer etwa 45 Kinder und Jugendliche, jeden Dienstagabend arbeiten die Teilnehmer an Schwimmstil, Technik und Ausdauer. Für die Bahnen, die sich nach dem Können der Schwimmer richten, gibt es aufgrund der hohen Nachfrage sogar Wartelisten. „Mehr als 45 Teilnehmer gleichzeitig können wir momentan einfach nicht stemmen“, erzählt Namik Luffy, Beauftragter des Jugendvorstandes.

Der 16-Jährige ist selbst seit vier Jahren bei der DLRG, seit diesem Jahr ist er auch im Jugendvorstand und als Jugendtrainer tätig. Er kümmert sich um die Frühschwimmer, also die erste Bahn nach dem Lehrschwimmbecken. „Zumindest auf dieser Bahn machen eigentlich alle noch weiter“, sagt er zufrieden. Bis zu diesem Stadium werden die Kinder meist noch von den Eltern geschickt. Wer danach noch am Ball bleibt, kommt dann aus eigenem Antrieb. „Etwa die Hälfte bleibt längerfristig, die haben dann auch wirklich Spaß daran“, weiß Luffy aus eigener Erfahrung.

Auch Dirk Köttgen hat früh angefangen, seine Laufbahn bei der DLRG begann mit sechs Jahren. Seit 2007 ist er Leiter der Ortsgruppe in Stolberg, die vor allem zwei zentrale Aufgaben bewältigt. „Die Schwimmausbildung vor Ort und der Wachdienst am Rursee sind die größten Einsatzgebiete“, so Köttgen. Dazu seien allerdings aktive Mitglieder nötig: „Alle, die an den Schwimmkursen teilnehmen, sind im Grunde passive Mitglieder.“

Namik Luffy (l.) und Dirk Köttgen von der Ortsgruppe Stolberg verzeichnen reges Interesse an den Schwimmkursen im Stolberger Hallenbad. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Doch damit kann die Arbeit der DLRG nicht getragen werden. „Wir brauchen immer Hilfe in allen Bereichen“, gibt der Ortsgruppenleiter zu. Dazu sei der Schwenk von der Schwimmausbildung zum Wachdienst nötig, „doch das erfordert letzten Endes Zeitengagement“, so Köttgen. Er könne eine klare Diskrepanz zwischen Teilnehmerzahlen der Schwimmkurse und Ehrenamtlern erkennen.

Auch wenn er sich mehr aktive Mitglieder wünscht, so ist Köttgen doch froh über die gute Annahme der Schwimmkurse, denn „wir können Kindern nur etwas beibringen, wenn sie zu uns kommen“. Er sieht eindeutig die Eltern in der Verantwortung, auch bereits vor den Kursen: „Die Wassergewöhnung ist ein Punkt, den die Eltern übernehmen können. Ebenso ist es wichtig, die Gefahren des Wassers zu vermitteln.“ Das gehe zum Beispiel durch Babyschwimmkurse oder gemeinsame Besuche im Schwimmbad.

Den richtigen, allgemeingültigen Zeitpunkt, um mit dem Schwimmenlernen anzufangen, gibt es laut Köttgen und Luffy aber nicht. „Es kommt definitiv aufs Kind an, aber ich finde, so früh wie möglich“, meint Luffy. Köttgen ergänzt: „Mit der Schulreife sollte man das Thema aufgreifen.“

Auch 105 Jahre nach Entstehen der DLRG ist deren Arbeit nicht weniger relevant – im Gegenteil. „Wir stehen vor der Herausforderung, die Zahlen der Ertrinkungstode zu minimieren und möglichst präventiv auszubilden“, sagt Köttgen. Dabei steht auch die Jugendarbeit und besonders der Vereinsgedanke im Vordergrund: „Uns ist wichtig, dass der Spaß bei der ehrenamtlichen Arbeit nicht zu kurz kommt. Für uns ist die Gemeinschaft wichtig.“ Dass die Arbeit bei der DLRG nicht nur Zeit kostet, sondern vor allem Spaß bringt, kann Namik Luffy eindeutig bestätigen. Die Jugend kann ihre Arbeit selbst gestalten und darüber hinaus entstehen oft Freundschaften, die bei den gemeinsamen Aktivitäten vertieft werden können.

Eine Besonderheit, die die DLRG in Stolberg noch auszeichnet, ist das Kompaktwochenende für die Rettungsschwimmerausbildung. Mit 50 Ausbildern und bis zu 120 Teilnehmern ist es das größte Event in der Region, „das ist in der Städteregion einmalig“, so Köttgen. Wer Interesse hat, sollte sich frühzeitig um einen Platz kümmern, denn Schwimmkurse der DLRG sind allgemein beliebt. Vielleicht bleibt ja der ein oder andere dann dem Verein treu – das zumindest erhoffen sich Köttgen und Luffy.

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