Stolberger Ansichten | Damals und Heute: Disput mit der Stadt über Steinbruch Rotsch

Stolberger Ansichten | Damals und Heute : Disput mit der Stadt über Steinbruch Rotsch

Der 173. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“ beschäftigt sich heute mit dem Steinbruch Rotsch und dem dort ansässigen Unternehmen Klüttgens.

Auf dem 1972 entstandenen historischen Vergleichsfoto sind die in den 1950er Jahren errichteten Bauten der Firma Klüttgens zu sehen. Im Hintergrund ist der Abhang des ehemaligen Steinbruchs Rotsch abgebildet. Der westlich der Burg liegende Steinbruch Rotsch ist schon Mitte des 16. Jahrhunderts als „Steinkuyl“ bezeichnet, auf dem 1548 entstandenen Walschaple-Plan zu sehen. Aus diesem und dem nordöstlich der Burg liegenden Steinbruch Gehlen („Gehlens Kull“) stammte vermutlich auch das Baumaterial für den Neubau der Burg um 1450 unter Wilhelm von Nesselrode.

Der industrielle Abbau zur Herstellung von Kalk begann im 19. Jahrhundert. Um 1840 erhielt der Bergbauunternehmer Reiner Ahren die Konzessionsrechte zum Abbau von Kalkgestein im Steinbruch Rotsch: Ursprung der Bezeichnung Rotsch ist das französische Wort „roche“ für Felsen.

Der erste Kalkofen

1863 wurde dort der erste Kalkofen errichtet. Einen eigenen Gleisanschluss bekam das dort entstandene Kalkwerk im Jahr 1893. Um die Jahrhundertwende wechselte das Kalkwerk den Besitzer. Neuer Besitzer wurde der in Aachen ansässige „Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde“, der das Kalkwerk mit mehreren großen Schachtöfen ausstattete. Der dort hergestellte Kalk diente als Zuschlagstoff für die Stahlerzeugung. 1928 wurde das Werk geschlossen und die Aufbauten in der Folgezeit entfernt. Nur zwei Jahre zuvor hatte es erneuten Besitzerwechsel gegeben. Die in der Rüst ansässige Firma „Westdeutsche Kalkwerke“ hatte das Kalkwerk Rotsch zwischenzeitlich übernommen. Schon 1927, die wenig später erfolgte Werksschließung war absehbar, hatte die Stadt Stolberg einen Plan entwickelt, der den Steinbruch Rotsch in der Folgezeit zu einer Grünzone und einem Naherholungsgebiet machen sollte.

1958 wurde das dreistöckige Gebäude mit dem Flachdach errichtet. Foto: Toni Dörflinger

Als 1950 die Schrotthandlung Klüttgens, die sich in den ersten Nachkriegsjahren mit der Entsorgung und dem Wiederverkauf der aus Metall bestehen Kriegshinterlassenschaften einen Namen gemacht hatte, ihr Interesse bekundete, den Steinbruch als neues Betriebsgelände zu erwerben, kam es zu einem Disput mit der Stadt Stolberg. Wie zuvor erwähnt wollte die Kommune auf dem stillgelegten Steinbruchterrain eine Grünfläche einrichten. Aber die Firma Klüttgens, die zuvor ihren Standort an der Bierweiderstraße hatte, konnte die Reibereien mit der Stadt zu ihren Gunsten entscheiden und errichtete im Steinbruch Rotsch in den frühen 1950er Jahren eine Montagehalle: diese Halle ist auf unserem historischen Foto zu sehen.

Nicht durchsetzen konnte sich die Firma Klüttgens bei der Anlegung eines Gleisanschlusses. Im spitzen Winkel sollte ein Bahngleis die Von-Werner-Straße queren und direkt in den ehemaligen Steinbruch führen. Das historische Gleis, das ein Abzweigung von der Talbahnstrecke war, hatte man bereits 1932 entfernt. Die Wiederbelebung dieses Gleisanschlusses scheiterte letztendlich an dem hohen Verkehrsaufkommen in der unteren Von-Werner-Straße. Denn laut Stadt und Kreis Aachen war das geplante Gleis eine Gefahr für die Verkehrssicherheit in der Von-Werner-Straße.

1958 wurde das dreistöckige Gebäude mit dem Flachdach errichtet. Es dienst bis heute der Firma, die sich später dem Schwertransport und dem Geschäft mit Autokranen zuwandte, als Büro- und Wohngebäude. Inzwischen wird die Firma Klüttgens von der Familie Petry geleitet.,Der Abhang des ehemaligen Steinbruchs Rotsch ist inzwischen reich bewaldet, wie man unschwer auf dem aktuellen Vergleichsfoto erkennen kann.

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