Dioxin-Werte in der Inde und Münsterbach

Dioxin-Werte im Münsterbach: Großes Untersuchungsprogramm in 2019

Es gibt klare Handlungsempfehlungen für die von Dioxinfunden betroffenen Pächter und Eigentümer entlang des Münsterbaches, und die bezüglich der Schwermetallbelastung vor drei Jahrzehnten herausgegebenen Anbau- und Verzehrsempfehlungen in Stolberg gelten ohnehin. Zusätzlich könnte man auf Kürbisse verzichten, denn sie reichern Dioxin an.

Aber im Grunde genommen liegen aufgrund der derzeit vorliegenden Ergebnisse keine Anhaltspunkte für eine Gefährung der Menschen durch die entdeckte Dioxinbelastung im Boden vor. Das erläuterten Thomas Pilgrim und Dirk Urbanke vom städteregionalen Umweltamt im Stolberger Umweltausschuss.

Zumindest nicht unter der Berücksichtigung der geltenden Grenzwerte, bei denen Maßnahmen ergriffen werden müssten. Sie liegen für Kinderspielflächen bei 100 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm Trockenmasse, für Wohngebieten und Parks bei 1000 ng/kg sowie bei Gewerbegrundstücken bei 10.000 Nanogramm. Zumindest der Maßnahmenwert für Wohngebiete wird in allen Proben deutlich unterschritten.

Hälfte der Proben belastet

In wie weit Kinderspielplätze betroffen sein könnten, will die Städteregion gemeinsam mit den Verwaltungen von Stolberg und Eschweiler klären. Zumindest für die Kupferstadt aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen wegen der Schwermetallbelastung geht das Umweltamt derzeit nicht von einer Gefährdung aus. Zudem liegen sie nicht in Überschwemmungsbereichen der Bachläufe.

Genau in diesen Gebieten – sowohl die aktuellen wie die historischen – hat die Städteregion Proben ziehen lassen. Anlass waren auffällige Dioxinfunde im Bereich der dortigen Indeauen bei turnusmäßig beprobten Futtermitteln, in diesem Fall Heu, sowie bei Überprüfungen von Hühnereiern und Rindfleisch. Daraufhin hat die Städteregion in ihrem Bereich zwischen der Grenze zur Stadt Aachen und der Dürener Kreisgrenze Grünlandflächen entlang von Münsterbach bzw. Inde Bodenproben gezogen: 20 Stellen in zwei unterschiedlichen Tiefen lieferten 40 Proben.

Davon lagen 14 Probestellen innerhalb der Überschwemmungsgebiete von Münster-, Vicht- und Omerbach sowie sechs außerhalb davon. Der Richtwert für Grünlandflächen zur Veranlassung weiterer Prüfungen in Höhe von 15 ng/kg wurde in 20 Proben überschritten. In zwei Fällen auf Eschweiler Stadtgebiet lagen stark erhöhte Werte – 155 bzw. 88 ng/kg – vor. Der überwiegende Teil der Überschreitungen bewege sich in einer Größenordnung, die laut Landesumweltamt in industrialisierten Gebiete an Rhein, Ruhr und Wupper vorkomme und nun eben auch am Münsterbach entdeckt wurde: Besagte 18 Dioxin-Gehalte am Münsterbach liegen zwischen 20 und 60 ng/kg. Auffällig waren Proben in Büsbach und in der Velau.

„Punktuell wurden auch Belastungen in dieser Größenordnung außerhalb des Überschwemmungsgebiete festgestellt“, berichtete Pilgrim. Am Vichtbach liegen die Werte nur geringfügig über dem Prüfwert. Am Omerbach wurden zwar keine Dioxine festgestellt, dafür liegen dort stark erhöhte Werte für Blei und Zink vor. Das führt der Leiter des Umweltamtes auf die bekannten durch die Geologie und durch Menschen verursachte Schwermetallbelastungen des Stolberger Raumes zurück.

Klar ist, dass nun weitere Proben folgen müssen. Das wird durch die Überschreitung des Prüfwertes von 15 ng/kg ausgelöst. Und darauf legen Ministerium und Fachbehörden ausdrücklich Wert.

Überschwemmung vor 50 Jahren

Noch in den nächsten Wochen sollen acht weitere Flächen im Umfeld der stark erhöhten Werte untersucht werden. In diesem Jahr gibt die Städteregion für die Untersuchungen etwa 30 000 Euro aus.

Nach der Bewilligung von Landesmitteln soll im kommenden Jahr eine groß angelegte Untersuchungsaktion – die Kosten werden auf 200.000 Euro geschätzt – folgen, bei der neben Grünlandflächen auch Siedlungsbereiche, Hausgärten und Spielplätze beprobt werden sollen. Eine Aufnahme in die Dringlichkeitsliste für die Förderung ist bereits beantragt. Ministerium und Landesbehörden sicherten ihre Unterstützung zu. Über weitere Maßnahmen kann erst nach dem Vorliegen der Ergebnisse beraten werden.

Verursacher der Dioxinbelastung gelten als nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich im Verdacht stehen Chlor verwendende Industrie sowie Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel mit Chlorverbindungen aus früheren Zeiten, Klärschlämme und Abwässer. „Die letzte große Überschwemmung der Indeauen liegt 50 Jahre zurück“, sagte Dirk Urbanke. Möglich ist, dass die Belastung aus diesen Zeiten stamme und früher höher war. Regelmäßige Bodenproben schreibe der Gesetzgeber nicht vor, so Urbanke weiter. Im Gegensatz dazu werden Futter- und Lebensmittel kontinuierlich überprüft. Dies führte jetzt auf die Spur der Dioxine.

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