Die Zahl der Touristen, die Stolberg besuchen, ist gesunken

Reiseverkehr : Weniger Touristen kommen nach Stolberg

Im vergangenen Jahr sind weniger Touristen nach Stolberg gekommen. Das zeigen die aktuellen Zahlen des Landesbetriebs Information und Technik NRW (IT.NRW). Auf der internationalen Reisemesse in Berlin stellten Vertreter aus Stolberg und der Städteregion nun neue Möglichkeiten vor, um die Kupferstadt für Gäste attraktiv zu gestalten.

Doch zunächst ein Blick auf die Zahlen: Im vergangenen Jahr besuchten insgesamt 21.661 Gäste Stolberg, was einen Rückgang von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Bei den Gästen aus dem Ausland steht noch ein größeres Minus vor der Zahl: Knapp 17 Prozent Unterschied zum Vorjahr vermerkt IT.NRW hierbei. Das entspricht 5016 Gästen aus dem Ausland.

Ähnlich, aber nicht ganz so drastisch, sieht es bei den Gästeübernachtungen aus. Waren es 2017 noch 47.896 Übernachtungen, so sind es im vergangenen Jahr drei Prozent weniger, also 46.450 Nächte, die in Stolberg verbracht wurden. Gäste aus dem Ausland blieben insgesamt 11.067 Nächte, was einen Rückgang zum Vorjahr um 15,8 Prozent bedeutet. Keinen Unterschied gab es bei der durchschnittlichen Verweildauer der Touristen, die 2,1 Tage in Stolberg bleiben.

Allerdings muss man Vorsicht walten lassen bei der Interpretation dieser Ergebnisse. Das weiß auch Jürgen Gerres, Leiter der Abteilung Tourismus in Stolberg. Auch wenn die Zahlen rückläufig sind, so wurden nur Betriebe mit mindestens zehn Betten untersucht. Für Stolberg, wo zurzeit 36 Anbieter von Ferienwohnungen insgesamt 150 Betten vermieten, geben diese Zahlen also kein ganzheitliches Bild über den Tourismus in der Kupferstadt ab. Die Zahlen über die Auslastungen der Ferienwohnungen seien derzeit in Arbeit, sagt Gerres.

Acht Betriebe in Stolberg (und damit einer weniger als noch im 2017) mit mindestens zehn Betten haben im vergangenen Jahr Gäste aufgenommen und insgesamt 385 Betten angeboten, fünf weniger als im Vorjahr. Auch die mittlere Auslastung hat abgenommen um 0,4 Prozentpunkte auf 33,1 Prozent. Das Hotel „Stille Liebe“ hat von 2017 auf 2018 keine Betten mehr angeboten. Auch das „Hotel zum Walde“ hat den Betrieb Ende vergangenen Jahres eingestellt, was sich aber erst auf die Statistik im nächsten Jahr auswirken wird.

Die Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) meldet für ihren Bezirk mehr Gäste, aber weniger Übernachtungen. Von den 1,4 Millionen Gästen in der Region Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg kamen bei rund 450 Beherbergungsbetrieben rund 362.000 Menschen aus dem Ausland. Die Zahl der Übernachtungen verringerte sich im IHK Gebiet um 0,8 Prozent leicht auf 3,3 Millionen. „Das zeigt uns: Steigende Übernachtungszahlen sind kein Selbstläufer“, sagt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting. Niemand sollte sich auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. In Zeiten der Digitalisierung verändert sich das Reise- und Buchungsverhalten rasant. Darauf müssen sich sowohl das touristische Marketing als auch die Leistungsträger einstellen.“

Die Zahlen bezogen auf die Städteregion verweisen auf einen minimalen Zuwachs bei den Gästen aus dem Ausland. Zwar waren es mit 801.000 weniger Besucher insgesamt (minus ein Prozent) bei 181 Betrieben, aber mit 251.000 Gästen aus dem Ausland kamen 0,2 Prozent mehr.

Radtourismus mehr in den Fokus

Der Radtourismus soll in der Städteregion Aachen stärker in den Fokus rücken. Das wurde jetzt auch im Rahmen der weltweit wichtigsten Tourismusmesse, der ITB in Berlin, deutlich.

Dort stellte unter anderen Stolbergs Beigeordneter Robert Voigtsberger und Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier die Pläne für den Radtourismus vor. Im Mittelpunkt des Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramms „Erlebnisraum Aachen/Eifel“ (RWP Aachen/Eifel) steht die Ausgestaltung von mindestens fünf Erlebnisschleifen in den Kommunen Aachen, Roetgen, Simmerath, Monschau und Stolberg. Diese Erlebnisschleifen sollen zahlreiche Orte von Interesse (Points of Interest) in der Städteregion Aachen miteinander verbinden. Die Erlebnisschleife mit dem Titel „Die Wiege der Industrialisierung“ teilt sich in eine Ostschleife (Kupferstadt Stolberg) und eine Westschleife (Aachen, Stolberg).

Laut Städteregion will sich Stolberg dabei auf die Burg konzentrieren. Der Außenbereich soll Besucher einladen, dort länger zu verweilen. Ein Kinderspielplatz sowie Stationen, die die Geschichte unter anderem mit Virtual-Reality-Brillen verdeutliche, sollen neben einer verbesserten Infrastruktur die Radler anlocken. In der Torburg soll eine Touristen-Information entstehen und ein Burgherr aus dem 19. Jahrhundert soll als Figur durch das historische Gebäude führen, heißt es.

Die Bezirksregierung Köln hat für das RWP Aachen/Eifel bereits Mittel in Höhe von 3,14 Millionen Euro bewilligt. Die Städteregion Aachen wird die Maßnahmen zunächst vorfinanzieren und dann einen Eigenanteil in Höhe von 10 Prozent der tatsächlich angefallenen Kosten mit den Städten und Kommunen abrechnen.

(anne, se, ag)
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