Stolberg-Dorff: Die viertägige Kirmes ist halt „typisch Dorff“

Stolberg-Dorff : Die viertägige Kirmes ist halt „typisch Dorff“

Die viertägige Kirmes der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Dorff hat begonnen und trotz Baustelle wird bis einschließlich Montag, 20. August, in dem kleinen Stadtteil ganz groß gefeiert. Mit Martin Zeevaert, dem 2. Brudermeister der Dorffer Schützen, sprach Dirk Müller über das Fest und die Bruderschaft.

Am Freitagabend beginnt die Schützenkirmes in Dorff schon traditionell unter dem Motto „frei und locker“. Was verbirgt sich dahinter?

Zeevaert: Viel Tanz und Spaß. Im Festzelt am Dorfweiher feiern mehrere Generationen ganz ungezwungen gemeinsam, und DJ Nick Schuran füllt die Tanzfläche mit Rock- und Popmusik, Oldies, Schlagern und aktuellen Hits. Ob in Abend- oder Freizeitgarderobe spielt keine Rolle — die Stimmung ist immer großartig. Es freut uns besonders, dass viele junge Leute dabei mitfeiern.

Wie geht es bei der Dorffer Kirmes weiter?

Zeevaert: Der Samstag beginnt um 17.30 Uhr mit einem Festhochamt in unserer Dorffer Kirche St. Mariä Empfängnis. Danach erfolgt das Gedenken am Ehrenmal und ein kleiner Umzug durch Dorff. Ab 20 Uhr lädt das Schützenkönigspaar Klaus und Petra Weiss dann zum „Sommernachtsball“ in das Festzelt ein, und die Band „Celebration“ unterhält die Besucher mit guter Livemusik. Der Sonntag ist der Familientag. Ab 10.30 Uhr gibt es beim Frühschoppen im Zelt auch Speck und Ei, und etwa um 11.15 Uhr ehren wir unsere Vereinsmeister. Cafeteria und Kinderattraktionen starten um 15 Uhr, und um 16 Uhr geht der große Festumzug mit allen Ortsvereinen durch Dorff. Ab 17 Uhr freuen wir uns dann über viele Besucher beim Kirmesball im Zelt. Ein weiterer Höhepunkt steht am Montag an, wenn um 10.30 Uhr auf dem Lindenplatz die Ulkparade beginnt. Das ist eine absolute Kult-Veranstaltung.

Warum ist die Ulkparade so kultig?

Zeevaert: Weil sich auf dem Lindenplatz kontrollierte Anarchie abspielt. Schützenkönig und Gefolge müssen in einer Art Spiel ohne Grenzen skurrile Aufgaben meistern. Das Ulkparaden-Komitee denkt sich jedes Mal neue Herausforderungen aus, so dass Action und Spaß garantiert sind. Bei der humorvollen Show bleibt kein Auge trocken — und König, Gefolge und Schützenbrüder meist auch nicht.

Welche Rolle spielt die derzeitige Baustelle in Dorff bei der Schützenkirmes?

Zeevaert: Ein wenig mulmig war uns im Vorfeld schon, denn die Baustelle ist auf Höhe der Zufahrt zum Dorfweiher, also zur Schützenwiese, auf der das große Festzelt steht. Dank sehr guter Zusammenarbeit mit der Bauleitung war das aber überhaupt kein Problem: Am Mittwochmorgen kam der Transporter mit den Zeltelementen, die Zufahrt zur Schützenwiese war gewährleistet, und schon am Mittwochmittag war das Festzelt aufgebaut. Die Baustelle zur Kirmes ist zwar nicht optimal, aber grundsätzlich wohl nicht zu vermeiden. Letztendlich ist es sogar begrüßenswert, dass derzeit Gasleitungen erneuert werden, bevor sie kaputt sind, denn darunter würden die Dorffer wirklich leiden.

Werden die Umzüge durch Dorff von der Baumaßnahme beeinträchtigt?

Zeevaert: Wir sind zuversichtlich, sowohl am Samstag, als auch beim großen Umzug am Sonntag wie gewohnt gehen zu können, da die Baumaßnahmen dann ruhen. Der Zugweg führt also von der Pfarrer-Gau-Straße über die Krauthausener Straße und dann Am Hahnenkreuz hoch und wieder herunter zum Festzelt am Dorfweiher, und wir würden uns über viele Zuschauer an den Straßenrändern freuen. Wir Dorffer Schützen gehen unsere Umzüge ja auch bei sengender Hitze oder im Regen. Und jetzt gehen wir halt zum Teil durch eine Baustelle, was kein Problem für uns ist, denn Staub und Dreck vom Bau sind wir momentan gewöhnt.

Was meinen Sie damit?

Zeevaert: Unsere eigene Baumaßnahme im Schützenheim. Dort hat die Stadt Stolberg die Wasserleitungen und die Heizungsanlage erneuert. Und wir haben uns gedacht: Wenn schon Baustelle im Vereinsheim, dann machen wir auch mit. Die in die Jahre gekommenen Sanitäranlagen haben wir vollständig entkernt und sind im Begriffe, sie zu erneuern. Auch das Umfeld der Theke wird komplett runderneuert. Bis September wollen wir mit den Arbeiten fertig sein, und ganz toll war das Zusammenspiel bei der Baumaßnahme.

Was für ein Zusammenspiel war das?

Zeevaert: Der Vorstand der Schützenbruderschaft hat zunächst beschlossen, dass wir im Vereinsheim tätig werden. Dann haben sich bei der anschließenden Generalversammlung zahlreiche Freiwillige für die groben Arbeiten gefunden. Ganz wichtig war, dass wir auch zwei qualifizierte Helfer für die Arbeiten haben, bei denen Laien nichts ausrichten können. Besonderer Dank gilt daher unserem amtierenden Schützenkönig Klaus Weiss und seinem Sohn Dominik. Die beiden waren und sind noch tüchtig im Einsatz, um fachgerecht zu fliesen und zu verputzen. Bedanken möchten wir uns zudem bei der Stadtverwaltung, die wohlwollend auf unsere Eigenleistung reagiert und das Material für die baulichen Maßnahmen zur Verfügung gestellt hat. Dieses Zusammenspiel war sehr gut, wie wir es in unserem kleinen Stadtteil nicht anders gewohnt sind. „Typisch Dorff“ eben.

Bitte erklären Sie „typisch Dorff“.

Zeevaert: Das Miteinander der Dorff-Vereine und auch der Dorffer, die keinem Vereinen angebunden sind, ist seit vielen Jahren großartig. Wir helfen uns gegenseitig bei allen Veranstaltungen, was besonders bei unserer viertägigen Schützenkirmes deutlich wird: Dorff hat knapp 600 Einwohner, und bei der Kirmes sind nahezu 100 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Man muss ganz klar sehen, dass wir ohne die starke Unterstützung aus Dorff den Menschen aus Stolberg und Umgebung unsere Kirmes bei komplett freiem Eintritt in dieser Form nicht anbieten könnten.

Was steht für die Dorffer Schützen nach der Kirmes an?

Zeevaert: Jetzt feiern wir erst einmal unseren Schützenkönig Klaus Weiss, bis am Montag ab 17.30 Uhr die Kirmes begraben wird. Und schon am folgenden Wochenende machen wir uns auf die Suche nach einem neuen Schützenkönig: Am Samstag, 25. August, geht es um 18 Uhr am Vereinsheim an der Pfarrer-Gau-Straße los. Bei Getränken und Grillgut sind dann Geselligkeit und auch Spannung angesagt. Zuerst beim Geld-Vogelschuss und dann beim Königs-Vogelschuss. Spannend wird es, weil niemand vorher weiß, wer den Vogel abschießt, um Dorffer Schützenkönig zu werden. Und auch wie widerspenstig der Holzvogel ist, kann man nicht vorhersehen.

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