Ein Jahr integriertes Handlunsgkonzept: „Die Strategie wird gut angenommen“

Ein Jahr integriertes Handlunsgkonzept : „Die Strategie wird gut angenommen“

47 Projekte zusammengefasst auf 235 Seiten: Das ist das integrierte Handlungskonzept der Stadt Stolberg. Ein sperriger Begriff, den die Verwaltung mit Leben füllen wollte. Und was ist ein Jahr später von diesem Vorhaben übrig geblieben?

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her. Damals sorgte ein dicker Hefter mit insgesamt 235 Seiten für Aufsehen. Warum? Ganz einfach: In Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg sollte sich in den nächsten Jahre eine ganze Menge verändern. Soziales und Städtebau sollten miteinander verbunden werden. Unter dem Begriff integriertes Handlungskonzept (IHKo) „Berg- und Talachse – Miteinander für Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg“ wurden allerhand Projekte zusammengetragen.

Das Gesamtfördervolumen sollte knapp 22 Millionen Euro betragen. Und wo steht das Mammutprojekt knapp ein Jahr später? Welche Projekte konnten bereits angegangen werden? Wo hapert es? Und welche Aufgaben müssen in den kommenden Monaten erledigt werden? Wir haben den aktuellen Sachstand einmal zusammengefasst.

Angesprochen auf das integrierte Handlungskonzept können Bürgermeister Patrick Haas und Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm eine Menge Positives berichten. Es habe kein geplantes Projekt gegeben, das im vergangenen Jahr nicht anlaufen konnte, sagt Haas. „Die Projekte, die wir machen wollten, funktionieren gut. Man hat schnell gemerkt, dass die IHKo-Strategie sehr gut angelassen wurde“, so Röhm.

Zwei Projekte, die schon laufen: Oberstark richtet sich an Kinder bis 14 Jahre. Foto: ZVA/Sonja Essers

Zum Hintergrund: Das IHKo wurde bereits in einem Vorentwurf im Mai 2018 von einer interministeriellen Kommunikation des Landes Nordrhein-Westfalen als förderwürdig bewertet. Das fertige Konzept wurde im September des vergangenen Jahres in Fachausschüssen und Rat vorgestellt und verabschiedet. Vereinfacht ausgedrückt, ist das IHKo ein Maßnahmenpaket von 47 Projekten in fünf Handlungsfeldern, um die Stadtteile Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg zu fördern. Und das in mehrfacher Hinsicht nämlich städtebaulich, sozial, ökologisch und ökonomisch. Diese Projekte sollen integriert – also zusammengeführt – wirken. Das IHKo gliedert sich in zwei Stufen – über einen Zeitraum von fünf bis acht Jahre. Die erste Stufe umfasst Maßnahmen mit dem Gesamtumfang von 21,8 Millionen Euro und 17,1 Millionen Euro Förderung sowie 3,6 Millionen Euro Eigenanteil der Kommune und einen Anteil Dritter in Höhe von 0,7 Millionen Euro.

Für die zweite Stufe seien bereits Maßnahmen definiert, diese müssten allerdings noch genauer ausgearbeitet und kalkuliert werden, damit sie in einer weiteren Phase antrags- und umsetzungsreif werden könnten.

Mit dem IHKo wechselte die Stadt ab Januar dieses Jahres in der Städtebauförderung vom Programm „Stadtumbau West“ in „Soziale Stadt“ und erweitere das bisherige Fördergebiet der Innenstadt. Die bereits bewilligten Maßnahmen aus dem Programm „Stadtumbau West“ werden in den kommenden zwei Jahren zu Ende gebracht. Dazu gehören unter anderem der Umbau der Rathausstraße, der Quartiersplatz Stielsgasse/Steinweg, der Willy-Brandt-Platz sowie das Beleuchtungskonzept und die Aufwertung des Mühlener Bahnhofs, das Fassadenprogramm und der Verfügungsfonds.

Und welche Projekte aus dem integrierten Handlungskonzept wurden mittlerweile schon eingereicht oder bewilligt? Besonders die sozialen Projekte sind schon an den Start gegangen. Dazu zählen vor allem die drei Projekte „Viertel Lab“, „Oberstark“ und „Zoom“.

Meilenstein

Das „Viertel Lab“ hat bereits im Januar begonnen und eine Laufzeit von vier Jahren. Erst in der vergangenen Woche konnte ein besonderer Meilenstein unter die Lupe genommen werden: ein Pop-up-Store in der Sonnentalstraße. Ebenfalls seit Januar läuft das Projekt „Oberstark“ Schwimm- und Kochkurse sowie Angebote in den Ferien wurden bereits umgesetzt. Seit April läuft zudem das Projekt „Zoom“, das sich an Jugendliche richtet. Der Bescheid für den Umbau des Begegnungshauses Grüntalstraße 5 werde in Kürze erwartet. Die Arbeiten sollen 2020 beginnen. Gleiches gilt für den Umbau des Geschwister-Scholl-Platzes. Im so genannten abschließenden Bewilligungsverfahren befinden sich die Projekte „Naturnahe Schulhöfe“, „Grüne Trittsteine“ und „Obstwiesenpatenschaften“. Die Jugendarbeit in Münsterbusch soll zum Jahresende aufgenommen werden. Das Projekt „Teilhabe am Arbeitsleben“ hat seine Pilotphase hinter sich und ist nun ein Thema im Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit, der am Dienstag, 24. September, tagt. Insgesamt acht Millionen Euro wurden 2019 bereits bewilligt.

Das sind allerdings noch nicht alle Projekte, die in diesem Jahr an den Start gehen sollen. Im November soll noch ein Projekt zur vorbereitenden Quartiersarbeit starten, um den Bürgerfonds und ein langfristiges Quartiersmanagement vorzubereiten. Zwei Quartierbüros sollen eingerichtet werden. Eins davon soll auf der Mühle entstehen, ein weiteres ist für den Geschwister-Scholl-Platz geplant. Die Ausschreibung für die Stelle des Quartiersmanagers laufe bereits, der Startschuss soll im November fallen. Eine Stadtteilzeitung sei ebenfalls in Planung und soll 2020 starten, verrät Patrick Haas.

Die Projekte, die in der nächsten Antragsphase starten sollen, stehen ebenfalls schon fest. Die Umgestaltung des Heinrich-Böll-Platzes gehört genauso dazu wie Bürger- und Innenstadtfonds, ein Haus- und Hofflächenprogramm, das sich an Eigentümer richtet, die Machbarkeitsstudie für das Areal rund um St. Hermann-Josef sowie die Machbarkeitsstudien zur Mühle, zum Kulturzentrum und zum Kaplan-Dunkel-Platz.

Ein Pop-up-Store wurde auch eröffnet. Foto: ZVA/Sonja Essers

Angetan sind Haas und Röhm auch von der Beteiligung der Bürger, die eine ganz eigene Dynamik entwickelt habe – auch wenn dies in der Vergangenheit nicht immer einfach gewesen sei. Erinnert sei an die Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes. Die Anwohner wurden direkt angesprochen und so schaffte man es letztlich, dass sich doch etliche Bürger an der Ideenwerkstatt beteiligten. „Aus solchen Prozessen lernt man natürlich auch“, erklärt Haas.

Deutlich werde zudem auch, dass mittlerweile nicht nur die Projekte des IHKos im Fokus stehen. Mit und mit kommen durch bürgerschaftliches Engagement weitere Projekte zustande. Beispiele dafür sind das Straßenfest auf der Liester, das an diesem Samstag, 21. September, stattfindet oder auch der Pop-up-Store in der Sonnentalstraße, der am vergangenen Freitag Eröffnung feierte. Und damit nicht genug. Die Demokratie-Werkstatt gibt es bereits seit Herbst 2018, das Projekt „Auffallen – Wabe Netzwerk Frauen & Wohnen“ hat seit diesem Jahr seinen Sitz auf der Mühle. Ende des Jahres soll zudem noch ein weiteres Projekt an den Start gehen. Stadtchecker ist ein Kunst- und Beteiligungsprojekt mit Jugendlichen, das vom Berufsverband Bildender Künstler Aachen und der Jugendberufshilfe Stolberg durchgeführt werden soll.

Mit dem Start des IHKos sind Haas und Röhm zufrieden. „Das integrierte Handlungskonzept ist gut gestartet. Es bringt Menschen in Bewegung und schafft neue Initiativen“, bringt Haas es auf den Punkt.

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