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Archivale des Monats August: Die neuen Stolberger Feuerwehr-Uniformen von 1909

Archivale des Monats August : Die neuen Stolberger Feuerwehr-Uniformen von 1909

Ämterweise stellt das Stadtarchiv Stolberg Archivalien vor, die aus den unterschiedlichen Ämtern und Abteilungen der Kommunalverwaltung überliefert sind. Das amtliche Schriftgut stellt den Kernbestand öffentlicher Archive dar und bildet somit den Hauptteil archivischer Überlieferung und historischer Forschung.

Oberbrandmeister Artur Schleicher richtete als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr am 21. Januar 1909 ein Schreiben an die Verwaltung, das als Dokument der Akte ST 948 das Archivale des Monats August darstellt. Seit 1888 war er persönlich Mitglied der Feuerwehr und seit 1897 in leitender Funktion. An den offiziellen Chef der Feuerwehr Bürgermeister Walther Dobbelmann schrieb er, „Wie Ihnen bekannt, ist für alle freiwillige Feuerwehren eine einheitliche Uniformierung vorgeschrieben, welche beschafft werden muss.“

Für September des Jahres war ein großes „Jubelfest“ anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Wehr geplant, und man wollte sich entsprechend präsentieren. „Da die vorhandenen Uniformen als Paradeuniformen kaum noch in Betracht kommen“, beantragte er die ohnehin anvisierte Neubeschaffung vorzuziehen und die Kosten durch die Stadtverwaltung begleichen zu lassen. Die Anschaffung wurde auf 3000 bis 3500 Mark geschätzt (etwa 20.000 Euro).

Handwerker und Arbeiter

Etwa fünfzig Mann gehörten zu dieser Zeit der Freiwilligen Feuerwehr an. Überwiegend Handwerker und Arbeiter, geleitet stets durch Träger prominenter Namen wie Schleicher, Prym, Peltzer, Stoltenhoff, Wirtz, Brückmann oder anderer, die in Stolbergs Industrie und Gewerbe Firmeneigner, Direktoren oder alteingesessene Inhaber waren. Die Offiziere der Feuerwehr erhielten gemäß der Uniform-Ordnung der Rheinprovinz Waffenröcke „von etwas hellerem blauen Tuch“, während für Mannschaften „ gutes, dem Militärtuch ähnliches Tuch von dunkelblauer Farbe“ empfohlen wurde.

„Für Brände und Übungen werde ich die bisherige Uniform so lange beibehalten, bis dieselbe gänzlich aufgebraucht ist, was wohl erst in 5 bis 6 Jahren der Fall sein wird“, gab Artur Schleicher weiter an. Die Uniformen der Firma Mohr & Speyer in Köln wurden für 28,25 Mark (etwa 180 Euro) angeschafft. Mannschaften und Offiziere trugen schwarze Lederhelme, die der Letzteren waren mit weißem Adler und farbigem Provinzwappen hervorgehoben. In polizeilicher Tradition gehörte zur Offiziersuniform ein Säbel, beispielsweise „Polizeidegen“, der im Branddienst durch ein Beil ersetzt wurde.

Neben den Uniformröcken und -hosen sollten zwar keine neuen Geräte angeschafft, aber „die sämmtlichen Geräthe (sollten) angestrichen werden“ und auch „die eisernen Schlauchhäuser sowie das Wellblechhaus in Oberstolberg“ sollten wegen Rosts an vielen Stellen einen neuen Anstrich erhalten. „Etwaige Ersatztheile können dann ja nach und nach den neuen Vorschriften entsprechend angeschafft werden“, führte der Feuerwehrchef weiter aus.

Im Gasthof zum Römer

Am 18. September 1909 fand die Feierlichkeit statt, wie der Oberbrandmeister ankündigt hatte. „Samstag Abend die offizielle Feier“, die im Gasthof zum Römer (Salmstraße) stattfand, zu der unter anderem „die Herren des rheinischen Feuerwehr Verbandes eingeladen“ wurden. Am folgenden Sonntag fand eine „Schauübung auf dem Marktplatz zu Oberstolberg“ (Willy-Brandt-Platz) statt. Von dort führte der „Festzug der Stolberger Feuerwehr durch die Stadt“ und endete am Hotel Scheufen (Steinweg), wo zuerst ein Gartenkonzert und abends ein geschlossener Ball stattfanden.

Die Chronik verrät für das Jahr 1909 ein Großfeuer in der Stielsgasse, ein Mittelfeuer, sieben Kleinfeuer sowie zehn Kaminbrände, die durch die Freiwilligen Wehrleute bekämpft und gelöscht wurden.