Stolberg: Die neuen Sozialarbeiter nehmen ihre Arbeit auf

Stolberg: Die neuen Sozialarbeiter nehmen ihre Arbeit auf

„Das Bildungs- und Teilhabepaket muss sich in den Köpfen festsetzen. Vielleicht wird es dann irgendwann eine Selbstverständlichkeit sein.” Willi Seyffarth kann sich das durchaus vorstellen.

Aber der städtische Fachbereichsleiter weiß auch, dass bis dahin noch ein weiter Weg zu beschreiten ist. Begleitet werden Stadt und Bürger auf diesem zukünftig von sechs Sozialarbeitern.

Ihre exakt 4,54 Stellen konnten dank der Fördermittel des Bundes zunächst befristet bis Mitte 2014 geschaffen werden, um den Menschen eben jenes Bildungs- und Teilhabepaket näherzubringen und somit Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu bieten, die Abhängigkeit des persönlichen Werdegangs von der sozialen Herkunft zu reduzieren.

„Schulsozialarbeiter” werden die neuen Fachkräfte im Allgemeinen genannt. Doch dass das Stolberger Jugendamt mit „Kinder- und Jugendsozialarbeiter” eine andere Begrifflichkeit gewählt hat, ist bereits ein deutlicher Hinweis darauf, dass man in der Kupferstadt auch konzeptionell etwas von dem Ursprungsgedanken des Geldgebers abweichen will.

Denn während in Aachen und in vielen anderen Städten die neu gewonnenen Fachkräfte ganz konkret und verbindlich Schulen zugeordnet sind, orientieren sich Seyffarth und sein zuständiger Abteilungsleiter Josef Offergeld an den Sozialräumen im Stadtgebiet. „Wir haben eine Prioritätenliste aufgestellt, wonach die Zuständigkeiten und auch die zukünftigen Sprechzeiten geregelt sind. Maßgeblich war dabei die Einschätzung, wo in unserer Stadt besonders viele Familien wohnen, die antragsberechtigt sind”, berichtet Offergeld.

Die Kurzformel lautet: Wo hoher Bedarf vermutet wird, gibt es eine starke Präsenz. Und das soll nicht erst ab dem Schulalter der Kinder gelten, sondern bereits früher. Anlaufstellen der Sozialarbeiter werden deshalb auch die Familienzentren sein. „Uns geht es darum, die Betroffenen über die Möglichkeiten zu informieren, die das Bildungs- und Teilhabepaket bietet”, sagt Willi Seyffarth und ergänzt: „Aber wir wollen auch Lehrer, Erzieher und Ehrenamtler ansprechen. Denn für uns sind sie wichtige Multiplikatoren.”

Als solche sollen sie Bestandteil eines Netzwerkes sein, das an bereits vorhandene soziale Strukturen anknüpfen kann, dabei aber immer seine eigentliche Zielsetzung im Auge haben muss. „Die Mittel vom Bund sind schließlich zweckgebunden”, gibt Josef Offergeld zu bedenken. Deshalb sei der von manchem Schulleiter vielleicht erhoffte Einsatz als klassicher Schulsozialarbeiter ebenso tabu wie die Betätigung im eigentlichen Themenfeld des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD). Offergeld betont: „Die neuen Kollegen können da lediglich als Kontaktpersonen und Lotsen tätig werden. Ihr Thema ist das Bildungs- und Teilhabepaket.”

Über die Beratung und Vermittlung hinaus soll es noch einen dritten Schwerpunkt geben. „Wir wollen eigene Angebote schaffen”, kündigt Willi Seyffarth an. Zum Auftakt ist in den Sommerferien eine zweiwöchige „Akademie” geplant, bei der angehende Erstklässler mit spannenden Themen und Projekten auf den Schulstart vorbereitet werden sollen. Für 2013 ist eine erweiterte Fortsetzung vorgesehen - ein Sprachencamp, differenziert nach Altersklassen.

Wie es anschließend weitergeht, ist noch offen, da die Bundesförderung auf drei Jahre begrenzt wurde. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen, ist aus Sicht von Josef Offergeld aber an eine Bedingung geknüpft: „Wenn die Pilotphase evaluiert wird, müssen wir eine Erfolgsbilanz aufweisen können.”