Stolberg: Die Nacht der Nächte in und für Stolberg

Stolberg: Die Nacht der Nächte in und für Stolberg

Es war die Nacht der Nächte für die Freunde von Geschichte, Kunst, Musik, traditionellem und Kunsthandwerk - und auch für Stolberg. Schon der Blick auf die Parkplätze des Zinkhütter Hofs verdeutlichte das große Interesse vieler auswärtiger Gäste.

Kennzeichen aus den Niederlanden, Belgien, Düren, Krefeld oder Mettmann belegten, dass die neunte Stolberger Museumsnacht zahlreiche Gäste jenseits der Städteregion anzog. Auch wenn der Bernhard-Kuckelkorn-Platz wie eine Baustelle anmutete, war Petra Grüttemeier, Organisatorin der Museumsnacht, schon früh am Abend zufrieden, denn kurz nach dem Beginn um 19 Uhr bildete sich die erste Schlange vor dem Museum für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Die baustellenähnlichen rot-weißen Absperrungen indes dienten der Sicherheit, trennten parkende Fahrzeuge von den Fußgängern und bildeten den Halte- und Wendebereich für die Kleinbusse, die die Besucher kostenlos von einem Veranstaltungsort zum anderen „shuttelten”. Beginnen konnte die neunte Museumsnacht aber auch an der Burg, so wie es Birgit Oberst, Giovanna Werker und Dieter Heinen versuchten. Doch bei dem Versuch ist es für die drei geblieben: „Wir haben uns spontan einer Altstadtführung angeschlossen”, beschrieb Oberst aus Bad Münstereifel.

Und die von der Stolberg-Touristik angebotene Nachtwächterführung hat bleibenden Eindruck auf die Drei gemacht, sagte Heinen: „Die Altstadt ist wunderschön und voller interessanter Geschichte”, sagte der Schleidener, der mittlerweile mit seinen Begleitungen im Kupferhof Rosental Kunst, Livemusik und Kunsthandwerk genoss. Den Plan für die kommenden Stunden der Museumsnacht hatte das Trio bei aller Spontanität nun fest gefasst.

„Mit dem nächsten Shuttlebus fahren wir zurück zur Burg, um uns dort diesmal alles anzuschauen. Später fahren wir dann noch zum Zinkhütter Hof”, erklärte Giovanna Werker aus Nideggen. Ein guter Plan, denn das Areal rund um die Burg hatte weit mehr zu bieten als „nur” die Nachtwächterführungen. Der Kunsthandwerkerhof Rose lockte mit offenen Ateliers, Druckmanufaktur, Cocktails und stündlicher Feuerjonglage. Im Außenbereich des Museums in der Torburg war Kunst aus Blei, Glas und Stein zu bewundern, im Innern des pittoresken Museums konnte nicht nur Musik, sondern auch traditionelles Handwerk live erlebt, und die Ausstellungen zu den untrennbar mit der Kupferstadt verbunden Themen wie Bergbau, Mineralien oder Glas betrachtet werden.

In den Räumen der Pfadfinder präsentierte die Gruppe „In Love with Musicals” Kostüme und Requisiten sowie Kostproben ihrer Shows, und das Wahrzeichen Stolbergs wurde zu einem lebendigen Museum: Ritter, Gaukler, Templer und mehr ließen alte Zeiten aufleben, und die Burg zeigte sich von ihrer besten Seite. „Burgherrin” Monika Lück hatte das historische Gemäuer erneut in großem Ausmaß geöffnet, und die Gäste bevölkerten auch die Wehrgänge sowie Folter- und Waffenkammer. Im Rittersaal setzte sich das faszinierend bunte mittelalterliche Spektakel des Lagers auf dem Burghof fort, das den Sonntag anhielt.

Das „Epizentrum” der neunten Stolberger Museumsnacht indes war wohl am Zinkhütter Hof zu finden. Dort gab es gleich zwei „Museen im Museum”, denn das Zeitungsmuseum Aachen und das Museumssägewerk aus Zweifall waren unter den zahlreichen Ausstellern. Kunst, Industriegeschichte, Kunsthandwerk und mehr begeisterten in dem großen Stolberger Museum Hunderte von Besuchern. Je mehr der Abend der Nacht wich, wich auch die Zufriedenheit der Organisatorin und verwandelte sich in pure Euphorie.

„Diese Museumsnacht ist der absolute Wahnsinn. Im letzten Jahr nahmen noch rund 1300 Menschen teil, heute sind definitiv mindestens 500 mehr unterwegs”, freute sich Petra Grüttemeier. Mehr als 500 Gäste feierten dann auch das große Finale der Nacht im Multifunktionsraum des Museums Zinkhütter Hof. Die Livemusik der Formation „Lagerfeuer”, die Hits wie „Queens” „Bohemian Rhapsody” oder „Locomotive Breath” von Jethro Tull unnachahmlich interpretierte, sorgte für grandiose Stimmung.

Kurz nach Mitternacht sangen alle spätestens bei Simon and Garfunkels „The Boxer” mit, und das Finale spiegelte das Fazit der neunten Stolberger Museumsnacht wider: Qualitativ hochwertige Aussteller und Akteure, tolle Atmosphäre und viele interessierte Besucher.

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