Stolberg-Atsch: Die Atscher Mühle: Einst eine Pumpenanlage, heute ein Wohnhaus

Stolberg-Atsch : Die Atscher Mühle: Einst eine Pumpenanlage, heute ein Wohnhaus

Am Rande des Berthold-Wolff-Parks, an der Ecke von Rhenania- und Münsterbachstraße, liegt ein kleines, eingeschossiges Gebäude, das als Atscher Mühle bezeichnet wird. Mühle deswegen, weil die Produktionsanlagen des im späten 18. Jahrhundert errichteten Gebäudes von Mühlrädern angetrieben wurden. Es hat eine bewegte Geschichte.

Vorläufer der Atscher Mühle ist eine bereits um 1500 erwähnte Pumpenanlage zur Entwässerung einer benachbarten Steinkohlengrube. 1810 erwarb der Messingfabrikant Leonhard Schleicher die kleine Anlage, um dort ein Messingwalzwerk einzurichten.

In der Folgezeit wurde der Produktionsstandort, zu dem auch mehrere Glühöfen gehörten, um weitere Gebäudeteile erweitert. Die Glühöfen, zwei wurden 1980 restauriert und wenige Jahre später in die Baudenkmalliste der Stadt Stolberg aufgenommen, dienten dem Erhitzen des zuvor im Kaltverfahren gefertigten goldgelben Metalls.

Um dem Material seine Sprödigkeit zu nehmen und es weiter bearbeiten zu können, musste es zwischendurch erhitzt werden. Ein weiterer Glühofen ist in das kleine, eingeschossige Gebäude integriert.

Im Jahre 1873 ist der Standort der Messingfabrik Matthias Ludolf Schleicher Sohn im Berthold-Wolff-Park aufgegeben worden. An der Eisenbahnstraße wurden neue Betriebsteile errichtet, in der auch die anderen in Unterstolberg gelegenen, aus Kuhklau, Roderburg und Krautlade bestehenden Standorte, vereinigt wurden.

Der kleine Industriestandort im Berthold-Wolff-Park wurde danach von der benachbarten „Rhenania“ genutzt, die dort zur Abfüllung ihrer chemischen Produkte einer Fassbinderei einrichtete. Während des Zweiten Weltkrieges sind diese Gebäude von den Nazis als Arbeitslager und Unterkunft für Juden, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene genutzt worden. Juden waren dort bis 1942 untergebracht. Später wurden sie in die Vernichtungslager transportiert.

Danach dienten die Gebäude der Unterbringung von russischen, ukrainischen und polnischen Zwangsarbeitern. Sie hatte man im benachbarten Chemiewerk mit gesundheitsschädlichen und gefährlichen Produktionsmethoden konfrontiert. Diese erbärmliche Unterkunft gehört inzwischen der Vergangenheit an.

Bestand hatten nur die Glühöfen und das alte Mühlengebäude. Dieses wurde in den Nachkriegsjahren zu einem schmucken Wohnhaus umgebaut. Im hinteren Bereich liegt auch der inzwischen verlandete alte Mühlgraben. Er hatte die Wasserräder der Atscher Mühle einst mit Antriebsenergie versorgt.

Der Mühlgraben ist eine Ableitung des Münsterbaches. Auf seinem Weg zur Atscher Mühle versorgte er auch den am Dreieck liegenden Weiher. Dieser Weiher war einer von insgesamt zwei unterschiedlich großen Wasserreservoiren der Atscher Mühle. Ein weiterer kleiner Weiher lag zudem in unmittelbarer Nähe der Glühöfen.

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