"Deux Ponts" schließt

Restaurant „Deux Ponts“ schließt : Die nächste Kapitulation in der Stolberger Gastro-Szene

Knapp fünf Jahre lang haben sie versucht, sich in Stolberg zu etablieren in einer der schönsten Locations am Fuße der Altstadt. Christoph und Harald De Brabander haben kapituliert. Zum 28. Juni schließen sie ihr Restaurant „Deux Ponts“ am Heinrich-Böll-Platz und Stolberg wird um ein weiteres gastronomisches Angebot ärmer.

Ebenfalls der „Heidewirt“ auf dem Donnerberg und „Angie’s Bistro“ in Büsbach schließen zum Monatsende, und das Restaurant Kreuzberg hat das Wochenende und den täglichen Außerhaus-Service konzentriert. Bereits im Frühjahr 2016 schloss das „Landhaus Solchbachtal“ als Restaurant.

Freilich ist die Ausgangslage am Oberstolberger Markt eine andere. Schon das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte. Kurz vor 1600 wird der Kupferhof als Doppelhofanlage erbaut. 1719 zieht eine Tuchmacherfabrik ein. 1874 fällt der Kupferhof an die Stadt, dient als Wohnanlage, als „Kinderverwahranstalt“, Stadtbücherei und Schule. Im Rahmen der Altstadtsanierung erfolgt die Privatisierung und 1986 eine grundlegende Sanierung.

Seitdem dient das Eckgebäude der Gastronomie. Anfangs lockt an der Schart-Seite noch zusätzlich eine Cocktail-Bar dort, wo heute die Küche des Restaurants eingerichtet ist, während an der Bachseite ein Lokal unter dem Namen „Due Ponti“ vornehmlich italienische Speisen anbietet – übrigens mit der Küche im ersten Stockwerk. 2010 kommt zwischen den beiden Brücken das Aus, als Mieter und Vermieter sich nicht über die zukünftige Pacht einigen können.

Einen Traum erfüllt

Vier lange Jahre liegt das einst gut besuchte Restaurant brach, während unter anderem der verschärfte Nichtraucherschutz und ausbleibende Gäste der Kupferstadt eine Schließungswelle beschert. Dem „Due Ponti“ traurige Gesellschaft leisten in diesen Tagen der Grieche „Thassos“, der Asiate „Lucky Moon“ auf dem Parkdeck des Burg-Centers und der traditiosreiche „Burgkeller“ sowie die Kneipen „Schwarzes Schaf“, „Café Orange, „Klimbim“ und „Blue Note“.

Just in dieser Zeit setzen Christoph und Harald De Brabander ein Ausrufezeichen in Oberstolberg, als sie am 6. September 2014 im Kreise von Freunden und der Stolberger Prominenz das „Deux Ponts“ eröffnen. Sohn und Vater erfüllen sich mit dem eigenen Restaurant einen Traum. Vater De Brabander betreibt zu dieser Zeit Tankstellen in Stolberg und Umgebung und ist leidenschaftlicher Hobbykoch. Sohn Christoph hat eine kulinarische Ausbildung genossen und sechs Jahre Essensgenüsse gezaubert im Eupener Restaurant „Delcœur“, wo er bereits mit 26 Jahren als Küchenchef fungiert. Mit einer modern interpretierten französischen Küche mit mediterranen und asiatischen Einflüssen laden sie die Stolberger zum „Essen wie Gott in Frankreich“ am Vichtbach ein.

Offensichtlich sind die Stolberger in der Überzahl bescheidenere und sparsamere Genießer als Götter. Es gibt gute und ruhigere Wochen in dem Lokal mit gemütlicher Außengastronomie im eigenen Innenhof und einer saisonal wechselnden Speisekarte. Einige Stolberger kommen regelmäßig, gelegentlich sind Hotel-Gäste unter den Kunden, die auch eigens aus Belgien und Holland zum „Deux Ponts“ kommen. Aber letztlich bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück.

„Die immer schlechtere Auftragslage“, so die De Brabanders zum Abschied, ist aber nur einer von mehreren Gründen zum Rückzug. Der Vermieter wechselte, und mit dem neuen Eigentümer kommt der Zwist über größere und kleinere Mängel in dem alten Kupferhof. Der Ärger über den Ärger wiegt so schwer, dass die Inhaber schon längere Zeit hadern. Dennoch kommt die Entscheidung zur Geschäftsaufgabe zu diesem Zeitpunkt überraschend.

Eine historische Aufnahme: Zur Eröffnung bekocht Christoph De Brabander am 6. September 2014 Freunde und lokale Prominenz. Foto: Jürgen Lange

Von städtischer Seite fühlen sich die Restaurant-Betreiber nicht unterstützt. Nach dem Eröffnungsabend lassen sich führende Vertreter der Kupferstadt vorsichtig gesagt selten bis gar nicht mehr im Restaurant sehen. Bei touristischen Besuchern und anderen städtischen Aktivitäten sieht „Deux Ponts“ Mitbewerber bevorzugt. „Wir wurden nie gefragt“, sagt De Brabander, wenn es beispielsweise darum ging, Bustouristen oder Besuchergruppen zu bewirten. Nicht einmal bei der Stadtparty 2016 sei das Restaurant angefragt oder einbezogen worden. Stattdessen verbarrikadierte ein Streetfood-Event mit drei Dutzend Ständen an dem September-Wochenende den Eingang zum „Deux Ponts“. Es gibt bei den De Brabanders viele solcher Nadelstiche, die die Enttäuschung über die Kupferstadt nähren.

Problem Parkplätze im Umfeld

Und der Ausblick auf die Neugestaltung des Heinrich-Böll-Platzes verheißt dem Restaurant mit treuem internationalen Publikum wenig Gutes: Es mag zwar Aufenthaltsqualität geschaffen werden, nicht aber Parkplätze. Von 34 auf 22 reduziert sich die Anzahl für konventionelle Fahrzeuge. Dafür gibt es aber zwölf Fahrrad- und zwei E-Lade-Stellplätze. „Wenn heute die Gäste nicht mit dem Auto vor dem Lokal einen Parkplatz finden, fahren die wieder“, sagt Harald De Brabander. Und die Chance, einen freien Parkplatz auf dem Platz oder im nahen Umfeld zu finden, sind heute schon gering genug.

Da vergraule einem schon der Ausblick auf die Bauphase den Appetit. Denn während dieser Zeit wäre das Restaurant nur mit erheblichen Schwierigkeiten erreichbar gewesen. Erfahrungen dieser Art haben die Inhaber bereits mit anderen Baustellen vor der Haustüre sammeln dürfen.

Unter dem Strich überwiegt die Enttäuschung. „Wir haben nun fast fünf Jahre versucht, uns in Stolberg zu etablieren“, resümieren Christoph und Harald De Brabander: „Leider mit geringem Erfolg“. Einige private Entwicklungen tragen bei zu dem nun schnell gefassten Entschluss zur Geschäftsaufgabe. „Dennoch ist es eine schöne Zeit gewesen, die in Erinnerung bleiben wird“, sagt die Familie De Brabander. Zum Abschied von den treuen Kunden öffnen der 31- und der 56-Jährige während der letzten Juni-Woche täglich.

Die weitere berufliche Entwicklung der Inhaber ist derzeit noch offen. Aber fraglich ist, ob eine Gastronomie in Zukunft wieder in dem alten Kupferhof anzutreffen sein wird. Der Vermieter hat das „Deux Ponts“ gebeten, das komplette Inventar von Restaurant und Küche auszuräumen.

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