Stolberg: Der Fingerzeig am Fettdonnerstag wird nicht zur Spaßbremse

Stolberg: Der Fingerzeig am Fettdonnerstag wird nicht zur Spaßbremse

Kamelle, Kostüme, „Komasaufen“? Im Jugendtreff „Westside“ haben diese drei vermeintlichen Karnevalseigenschaften kein Dreigestirn gebildet. Mit alkoholfreien Cocktails, belegten Brötchen, einem Kicker-Turnier und natürlich jeder Menge Karnevalshits verkürzten die Schüler der Kogelshäuserschule am Fettdonnerstag ihren Schultag, anstatt die Zeit im Klassenzimmer abzusitzen.

Einen Grund anzustoßen — mit nichtalkoholischen Getränken, versteht sich — hatten auch Jugendpfleger Michael Bosseler und sein Team. Denn das alkoholfreie Karnevalsangebot von Jugendamt und Suchtberatung feierte mit seiner elften Ausgabe ein wahrhaft jeckes Jubiläum. Den Alkoholkonsum gänzlich zu tabuisieren, sei dabei nie das Ziel gewiesen, unterstrich Wolfgang Hundt von der Eschweiler Suchtberatung. „Viele Schülerinnen und Schüler werden nach der Veranstaltung sicherlich etwas trinken. Aber es geht darum, seine Grenzen zu kennen und vernünftig mit Alkohol umzugehen.“

Um für die Folgen von Alkoholexzessen zu sensibilisieren, machte die Suchtberatung im Jugendheim mit Postern und Karten aufmerksam, die auf provokative und gleichsam unterhaltsame Art die Konsequenzen für Körpergewicht und Sexualität bei jungen Menschen veranschaulichten.

Aber natürlich kam der Spaß nicht zu kurz. Dafür zeichnete auch DJ Marc-David Kloep verantwortlich, der die rund 150 Gäste mit einem Mix aus Karnevalsklassikern und aktuellen Charthits bei Laune hielt. Auch den Wünschen der Schülerschaft nach einem Freigetränk und einem Kicker-Turnier samt Preisen waren die Initiatoren nachgekommen. Dem Wunsch nach Alkohol hingegen nicht. „Uns ist bewusst, dass das einige Schüler doof finden“, so Markus Stork, Sozialarbeiter der Kogelshäuserschule. „Umso wichtiger war es uns, die Schüler bei der Veranstaltungsplanung mit einzubeziehen.“

Auch Katharina Sonntag hätte gerne um 11.11 Uhr schon etwas getrunken. „Zumindest die Schüler, die alt genug sind, sollten etwas trinken dürfen.“ Doch obwohl sie in diesem Punkt anderer Meinung ist, hat sie gerne beim Aufbau geholfen. Ihre Mitschülerin Sandra Uthe, Klassen- und stellvertretende Schülersprecherin, versichert derweil: „Auch wenn es keine Pflichtveranstaltung für uns wäre, wäre ich gekommen.“

Immerhin verteilen die Lehrer keine Noten, sondern höchstens Kamelle, und schwingen mit ihren Schülern das Tanzbein, bevor diese um 13 Uhr in den Straßenkarneval entlassen werden.

(lkf)
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