Stolberg: Den Schützen geht der Nachwuchs aus

Stolberg: Den Schützen geht der Nachwuchs aus

Schützen haben nicht immer den besten Ruf. Amokläufer an Schulen haben das Image der Schießsportler und ihrer Vereine nicht gerade gestärkt. Den Schützenverein Zweifall hat es schon hart getroffen, der Schießstand in der Schule wurde dichtgemacht. Und auch das verschärfte Waffengesetz macht den Schießsportlern zu schaffen.

Viele Schützenvereine werden von Zukunftssorgen geplagt. Die Nachwuchsarbeit gestaltet sich als wahre Herausforderung. „Wir trauen uns ja gar nicht mehr richtig für unseren Verein zu werben”, klagt Sabine Schröder, Brudermeisterin der Münsterbuscher Schützen. Schützen würde heutzutage eher im Verborgenen agieren, um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Schützen wünschen sich aber, dass die Bevölkerung in ihren Vereinen mehr sieht. „Hier lernen Kinder doch viel mehr als nur Schießen”, betont Stefan Doncks, Brudermeister der Sebastianus-Schützen Stadtmitte. „Wir legen Wert auf Disziplin. Beim Schießen muss man sich unheimlich konzentrieren, das hat auch positive Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder.”

Das Schießen mit dem Luftgewehr sei nicht umsonst eine olympische Disziplin, fügt Eberhard Nußbaum von den Sebastianus-Schützen Vicht hinzu. „Wie sollen wir Nachwuchssportler für diese Disziplin begeistern, wenn sie nicht trainieren können?” Das neue Gesetz schreibt vor, das Kinder unter zwölf Jahren nur mit Lasergewehren schießen dürfen. Die kann sich bei einem Preis von etwa 3000 Euro aber bei weitem nicht jeder Verein leisten.

Die Sebastianus-Schützen Stolberg Stadtmitte haben so ein Lasergewehr. Marie (10) hält das Gewehr voll konzentriert, zielt und drückt ab. Der Blick auf den Computer neben ihr verrät: So ganz zufrieden ist sie nicht. Der nächste Versuch: „Prima”, lobt Trainerin Anita Nießen. Auf dem Monitor schauen sich die beiden den Schuss genau an. Der Computer hat jede Bewegung von Marie aufgezeichnet. Zunächst laufen die Punkte quer über das Bild, dann sammeln sie sich und Schuss. „Wichtig ist es, danach nicht sofort zu verreißen, das kann den Schuss noch beeinflussen.”

An der Laseranlage kann ganz genau erklärt werden, was super war, und wo noch geübt werden muss. Und wer einen besonders guten Treffer gelandet hat, kann sich den Ausdruck sogar als Andenken mit nach Hause nehmen. Jetzt ist Nico an der Reihe. Nico ist erst sechs Jahre alt. Marie hilft ihm, das Gewehr anzusetzen. Dann sind alle still. „Man muss sich ganz stark konzentrieren”, erklärt Marie. Sonst treffe man daneben. „Cool, ich hab ins Schwarze getroffen”, freut sich Nico, dann trainiert er konzentriert weiter. „Eine wichtige Regel bei unserem Training ist, das kein Kind schießen muss. Wer keine Lust hat, kann toben oder etwas basteln”, erklärt Nießen. Für die anderen geht es an die Laseranlage.

Die Mausbacher und viele andere Schützen haben ein solches Gewehr nicht und infolge dessen können sie auch keine Schützenjugend aufbauen. „Wenn die Kinder zwölf Jahre alt sind, wird es schwierig, sie noch für den Verein zu begeistern”, weiß Schröder aus Erfahrung. „Schließlich bekommen sie die Debatten auch mit und sie wissen ja auch, das wir häufig belächelt werden.” Der Nachwuchs komme mittlerweile fast nur noch aus Schützenfamilien. „Eltern, die nicht mit den Schützen verbunden sind, sind meistens sehr skeptisch.”

Von den Schützen ist zunehmend Kreativität gefragt: Die Sebastianus-Schützen schießen ihren Mini-Prinzen schon seit Jahren mit Korkgewehr aus.

Schwerer hat es die Kleinkaliber-Schützen getroffen, da sind die Sicherheitsanforderungen enorm verschärft worden. Ein Verein aus dem Nordkreis musste gar das Vogelschießen absagen.

Trotz aller Schwierigkeiten zeigen sich viele Schützen verständnisvoll für die Vorgaben der Gesetzgeber, dass die Jugendarbeit aber dadurch so stark erschwert wird, macht sie traurig. Zumal sie vielmehr die Computerspiele in der Kritik sehen, da dort - anders als im Verein - kein sensibler Umgang mit Waffen gelehrt werde.

Und es ärgert sie, das Schießen nicht als Sport anerkannt werde. „Es ist ja nicht nur das Schießen, was ich an diesem Verein nur mag. Mir liegt vor allem die Gemeinschaft am Herzen. Wir erleben viele schöne Tage miteinander”, schwärmt Dieter Multhaup, 2. Schießmeister der Sebastianus-Schützen Stadtmitte.

Aber natürlich gehöre das Schießen zu den Schützen dazu. Nußbaum findet: „Wenn wir das Schießen nicht mehr haben, sind wir nur noch ein Kirmesverein, kein Sportverein mehr. Und damit würden auch Traditionen sterben.”